Gitta, Panja, Corinna, Michaela, ...

Udo Jürgens: Der Lebemann auf ständiger Pirsch

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Udo Jürgens posiert am 19.12.1972 mit seiner Ehefrau Erika ("Panja"), mit der er von 1964 bis 1989 verheiratet war, und seinen Kindern Jonny (geb. 1964, l.) und Jenny (geb. 1967).

München - Liebe ohne Leiden. Was er seiner Tochter Jenny mit süßen 17 so inniglich wünscht, bekommt Udo ­Jürgens nicht hin. Die eine Hand, die seine hält, und Glück für alle Zeit – so will es partout nicht laufen.

Denn auf der Suche nach der Liebe steht dem großen Udo der kleine Udo im Weg.

Als er schon resche 57 ist, pIaudert er im Herrenmagazin Penthouse aus: „Ich sage Frauen: Du wirst die schönste Zeit deines Lebens mit mir haben. Aber ich werde dir nie die totale körperliche Treue garantieren können. Warum? Weil nicht ich das entscheide, sondern mein kleiner Freund. Der hat ein absolut eigenes Leben und reagiert auf Sachen, die mein Verstand ablehnt. Aber er findet es halt toll.“

Die Frauen sind ihm wichtig, die Musik ist ihm wichtiger. „Was sind schon alle möglichen Verwicklungen der Liebe gegen ein neues Lied?“, sinniert er in seiner Autobiografie Der Mann mit dem Fagott, die er 2004 mit seiner letzten Liebe

Michaela Moritz schreibt. Sie ist weder 17 Jahr, noch hat sie blondes Haar, als sie zusammenfinden, doch der kleine Udo lässt es endlich gut sein: „Heute weiß ich, dass man erst im Alter zu tieferen Gefühlen fähig ist.“

Die erste Frau, die ihn durchs Leben trägt, ist Mama Käthe, eine Ostsee-Pflanze aus Prasdorf in Schleswig-Holstein. Sie muss ihren Sohn nächtelang umherschleppen, denn der Bub leidet unter Albträumen, ist kaum zu beruhigen. Mutter Bockelmann, so berichtet Udo, ist eine robuste Frau, emanzipiert, Kettenraucherin, so ganz anders als die rehäugigen jungen Dinger, von denen er sich später umschwirren lässt.

Auf Käthe folgt Gitta, die erste große Liebe. Sie ist 23, er 19 und damit noch nicht volljährig. Die Entflammten müssen im Stundenhotel Wienzeile unterkriechen – keine romantische Lösung, aber eine pragmatische, blickt Udo zurück: „Die Zimmer sind billig, es gibt fließendes Wasser, niemand stellt dumme Fragen.“

Nach fünf Jahren ist Gitta die erste betrogene Frau, die Udo den Laufpass gibt. Im Sakko, das sie zur Reinigung bringen will, findet sie ein Bild von IHR, von Panja, von der ersten Frau, die es mit dem lebensfrohen Musikanten aufs Standesamt schafft. Gitta, bis an Udos Lebensende in gutem Kontakt mit ihm, erinnert sich: „Ich habe das Foto zerrissen und die Fetzen zurückgesteckt. Als Udo das nächste Mal in seine Tasche fasste, wusste er, was los ist.“ Und er wechselt das Pferdchen.

Panja, hach Panja. Eigentlich heißt sie nur Erika Meier und ist Mannequin. Doch der Name Panja, der im Russischen „kleines Mäuschen“ bedeutet, steht ihr wesentlich besser. Obwohl sie nicht blond ist, sehr im Gegenteil. Udo gabelt sie im Münchner Hotclub auf, in dem sie über die Tanzfläche wirbelt: „Ich fühlte eine Faszination, die mir fast den Atem raubte.“ 1964 heiratet er sein Mäuschen, die Mutter seiner Kinder John und Jenny. 25 Jahre bleiben sie zusammen, zumindest auf dem Papier.

Schon nach vier Jahren hat Panja im Interview mit der Quick keine Illusionen mehr: „Ein Seitensprung hat keine Bedeutung. Die Versuchungen im Schaugeschäft sind so groß, dass kaum ein Mann stark genug ist, ihnen zu widerstehen.“ Ihr Gatte wird massiv vom schwachen Fleisch geplagt. Als Panja das Interview gibt, ist Gloria, die erste von Udos beiden unehelichen Töchtern, bereits zwei, doch davon ahnt die Gehörnte nichts.

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Bussi für die Mama an seinem 50. Geburtstag.

Küchenpsychologen macht es Udo einfach. Von seinem wohlsituierten Bankiers- und Industriellenclan zunächst als Schlagerfuzzi zurückgewiesen, gibt ihm jedes neue schöne Mädchen die Anerkennung, die Bestätigung, nach der er wohl lebenslang sucht. Udo kann nicht widerstehen, Udo will nicht widerstehen. Die Musik und den Trieb, es gibt sie nur im Doppelpack: „Diese Sehnsucht, die mich untreu und irgendwie auch rücksichtslos sein lässt, kommt ganz eindeutig aus der gleichen Quelle wie jene treibende Kraft, die mir Ideen, Lebensfreude gibt, mich Musik machen lässt.“

Er ist ein Schuft, ein Schwein, er liebt die Frauen, und doch tut er ihnen weh: „Ich habe mich immer sehr schnell verliebt. Deswegen bin ich in höchstem Maße gefährdet, wenn ich eine tolle Frau kennenlerne, weil es in einer Sekunde um mich geschehen sein kann.“

Doch auch mit Panja ist es schließlich vorbei. Erst als 4,2 Millionen Franken Abfindung auf ihrem Konto eintreffen, ist das Ex-Mäuschen bereit, das Scheidungspapier zu unterschreiben. „Ich will ihn nicht geschenkt zurück“, zürnt Panja. Doch der Großstadtgetriebene ist schon wieder auf der Pirsch.

Überall sieht er sie! Sie! Sie! Irgendeine Gaby wartet immer im Park. Die Liste seiner Verflossenen – haremslang. Mit Ingrid Steeger, 23 Jahr, besonders blondes Haar, klimbimte er angeblich fünf Monate lang. ­Susanne Hsiao, die spätere Frau Harald Juhnke, ist noch zwei Jahre jünger. Jenny ­Elvers, die heitere Heidekönigin, rangiert mit 22 in der Mitte, da ist Udo 60. Schauspielerin Cosima von Borsody erweitert mit reifen 28 Udos Alters­pyramide deutlich nach oben. Er wird doch nicht gerontophil werden?

Noch ein Udo-Aperçu: „Treue ist keine Frage des Charakters, sondern eine Frage der Gelegenheiten.“ Zum 80. verrät der gereifte Charmeur dem Schweizer Blick einigermaßen amüsiert: „Noch immer kommen Damen von früher nach einem Konzert zu mir, manchmal sogar mit ihrem Ehemann, und fragen mich: ‚Erinnerst du dich noch an mich?‘ Der Ehemann gibt mir dann auch immer freundlich die Hand.“

Udo Jürgens - Sein Leben in Bildern

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"Merci, Cherie" - Mit dem Lied, das wie so viele zum Evergreen wurde, gewann Jürgens am 5. März 1966 den Grand Prix de la Chanson in Luxemburg. Sein kometenhafter Aufstieg zu einer unvergleichlichen Karriere begann. © dpa
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Im Februar 1968 probte Jürgens für die Fernsehshow "Variete-Zauber" im Studio A in Köln. © dpa
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In den Sechzigern begann die Welt-Karriere von Udo Jürgens. © dpa (Foto vom 10.09.1969)
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Ein Bild aus dem Jahr 1974. © dpa
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Auch Fürstin Gracia Patricia war ein Fan des großen Österreichers. Das Bild entstand am 30.07.1975 anlässlich eines Gala-Abend in Monte Carlo. © dpa
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Das Foto entstand am 01.09.1977 in der Nähe von Zürich. © dpa
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Mit dem Kinderchor der Bad Godesberger Elementary School trat er 1980 in der ZDF-Show "Meine Lieder sind wie Hände" in der Kölner Sporthalle auf. © dpa
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Am 17.10.1981 wurde Jürgens mit dem Paul-Lincke-Ring der Stadt Goslar ausgezeichnet. © dpa
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An den Tasten fühlte Jürgens sich wohl - sie mussten nicht immer am Klavier sein. © dpa
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Unzählige seiner Schallplatten verkauften sich über 100.000-Mal und wurden vergoldet - so auch das Album "Einfach ich". © dpa (Foto vom 05.09.2008)
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Das Musical "Ich war noch niemals in New York", das auf seinen Songs beruhte, feierte 2007 in Hamburg Weltpremiere - es wurde ein Riesenerfolg. © dpa
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Das ZDF ließ es sich auch 2009 nicht nehmen, eine "Geburtstagsgala" für den Star zu schmeißen. © dpa
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Pressetermin zur Verfilmung seines autobiografischen Romans "Der Mann mit dem Fagott" am 02.12.2010 in Köln. © dpa
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Am 14.11.2013 wurde Udo Jürgens in Berlin mit dem Bambi für sein Lebenswerk ausgezeichnet. © dpa
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Das ZDF feierte den umjubelten Entertainer zu seinem 80. Geburtstag am 1.9.2014 in der Freiburger Rothaus Arena mit einer großen Gala. © dpa
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"Mitten im Leben" hieß die Tour bezeichnenderweise, mit der Jürgens zuletzt unterwegs war. © dpa
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Und der Sänger und Komponist stand in der Tat mitten im Leben - seine 80 Jahre sah man ihm nicht an. © dpa
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Das Foto zeigt ihn am 25.10.2014 der Rheingoldhalle in Mainz (Rheinland-Pfalz). © dpa
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Udo Jürgens am Rheinufer in Gottlieben (Schweiz). © dpa
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Hier starb der Entertainer am 21.12.2014 - das Foto entstand knapp fünf Monate zuvor. © dpa
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Sein Markenzeichen: Zum Ende jedes Konzerts kam er zur Zugabe im Bademantel auf die Bühne - so auch in Berlin im Jahr 2009. © dpa
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Der Mann und sein Klavier werden unvergessen bleiben. © dpa (Foto vom 14.01.2008)
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Danke für Deine Musik, Udo! © dpa

Als er 1978 für seine zweite Ehefrau Corinna entflammt, ist sie tatsächlich 17 Jahre. Sie begegnen sich in der Aachener Fußgängerzone. Das ausnehmend schöne Kind erkundigt sich nach dem Weg zum Dom, und der alte Baum mit seinen 44 brennt lichterloh. Liebe, Leiden. Viel Liebe, viel Leiden.

Udo stirbt wegen Corinna tausend Tode: „Wir trennten uns, sahen uns wieder, waren uns nah. Ich begann zu ahnen, wie schmerzhaft es sein kann, einen Menschen zu verlieren.“ 1999 ist er dann doch in New York, heiratet Corinna am 4. Juli in geheimer Mission – weil er Angst hat, dass die Neugier der Öffentlichkeit das Glück ruiniert. Selbst seine Kinder erfahren zunächst nichts. Nur sieben Jahre später die Scheidung. Udo klingt resigniert: „Liebe allein reicht nicht. Man muss auch bereit sein, sich zu ändern. Aber ich kann mich nicht ändern.“

Als Udo Jürgens erstmals von seiner Altersliebe Michaela Stadlbauer hört, die sich später mit dem Künstlernamen Moritz tarnt, ist das Mädchen aus Kärnten 14: „Sie hat mir als Fan Briefe geschrieben. Sie wollte keine Autogramme oder so etwas. Sie wollte einfach, dass ich ihre Geschichten lese.“ Die Klugheit des Teenagers fällt Udo auf: „Ihre Briefe über das Leben und die Sorgen junger Menschen haben mich sehr fasziniert.“ Als Michaela bereits studiert, kommen sie sich näher, der Star soll seinen Fan, seine neue Liebe, mangels Schweizer Aufenthaltsberechtigung jenseits der Grenze in Konstanz untergebracht haben.

Offiziell wird die auffällig unauffällige Brünette nie die Frau an seiner Seite. Doch ein allzu großes Geheimnis macht Udo aus der Beziehung zu der heute 44-jährigen Germanistin, der er „göttliches Talent“ attestiert, auch nicht. „Ich bin nicht so allein, wie Sie glauben“, verrät er 2013 der Bunten, und ergänzt: „In meinem Alter lebt eine Beziehung nicht mehr vom sich berühren und der Leidenschaft, sondern von geistiger Größe, von Erkenntnissen und Gedankenaustausch.“ Erst im Oktober soll sie bei ihm eingezogen sein, da bleiben dem Paar nur mehr drei Monate.

Die Liebe ohne Leiden, sie war Udo Jürgens nicht vergönnt.

Jörg Heinrich  

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