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Julia Engelmann im tz-Interview: Lust auf Lied & Lyrik

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München - Am Donnerstag gastiert Poetry Slammerin und Schauspielerin Julia Engelmann im Circus Krone. Sie stellt ihren Gedichtband „Jetzt, Baby“ vor. Das tz-Interview.

Davon träumen Popmusiker: Knapp zehn Millionen Views auf YouTube. Julia Engelmann (24) ist aber keine Musikerin. Das viel geklickte Video zeigt die Poetry Slammerin und Schauspielerin bei einem Auftritt 2013 in einem Hörsaal in Bielefeld, bei dem die damals 21-Jährige ein Gedicht vorträgt: One Day / Reckoning-Text ist ein eindringliches Plädoyer, die Zeit zu nutzen und nichts auf die lange Bank zu schieben. Ihr dritter Gedichtband „Jetzt, Baby“ ist jetzt erschienen, und am Donnerstag präsentiert ihn Julia Engelmann im Circus Krone. Unser Interview:

Frau Engelmann, Sie werden oft als Pop-Poetin bezeichnet. Gefällt Ihnen das?

Julia Engelmann: Klar. Vielleicht auch Pop-Philosophin (lacht).

Für viele sind Sie die Stimme einer Generation. Erschreckend?

Engelmann: Nein. Ich will die Leute ja auch nicht dazu bewegen, dies oder jenes zu tun. Vielleicht bin ich eine Inspiration für einige. Ich freue mich einfach, wenn Leute an dem, was ich tue, Freude haben.

Wie gehen Sie beim Schreiben vor?

Engelmann: Jedes der drei Bücher ist anders entstanden. Beim ersten wusste ich zum Beispiel gar nicht, dass es ein Buch werden soll (lacht). Bei diesem jetzt habe ich sehr viel gelesen und dann tagebuchartig geschrieben. Ich habe mich viel mit fremden Gedanken befasst, im Zimmer Zitate aufgehängt und Musikplaylists.

Der große Romantiker E.T.A. Hoffmann soll sich in seinem Zimmer eingesperrt und mit den Figuren seiner Bücher gesprochen haben …

Engelmann: So weit ist es bei mir nicht. Ich bin ja selbst die Figur. Ich spreche zwar laut, aber nicht mit verteilten Rollen. So weit geht der Wahnsinn noch nicht. Aber manchmal höre ich über Stunden das gleiche Lied …

Musik ist bei Ihnen extrem wichtig. Wie beeinflusst sie die Texte?

Engelmann: Schon sehr, sowohl rhythmisch als auch von den Gefühlen, die sie weckt. Ich höre vor allem Instrumentales, Texte würden mich ablenken.

Was haben Sie für Ihren Auftritt im Krone vorbereitet?

Engelmann: Ich komme auf einem Trapez herein und springe durch einen brennenden Reifen (lacht). Aber auf jeden Fall habe ich Konfetti dabei. Ich liebe Konfetti.

Ihr Auftritt ist ja ein wenig anders als bei der ­Poetry-Slam-Szene, wie man sie kennt …

Engelmann: Ja, es wird immer größer – aber das hat sich organisch so entwickelt. Am Anfang dachte ich gar nicht daran, aufzutreten. Dann wurde ich von Buchhandlungen oder auf Festivals eingeladen. Irgendwann hat es sich gezeigt, dass es manchmal ganz gut ist, ein Lied dazwischen zu singen, um den Druck ein wenig zu nehmen. Bei der ersten Tour hatte ich natürlich Herzklopfen: Ob überhaupt wer kommt? Aber es war sehr schön. Ich habe ein sehr wohlwollendes Publikum, die Stimmung ist immer recht familiär.

Wie viel improvisieren Sie auf der Bühne?

Engelmann: Die Gedichte natürlich nicht. Vielleicht tausche ich mal zwei Zeilen aus. Es gibt einen Frageteil fürs Publikum – das ist natürlich unvorbereitet. Und die Anekdoten zu Songs und Lyrik sind manchmal improvisiert.

Ihre Bücher tragen immer das Wort „Baby“ im Titel, wie Popstücke.

Engelmann: Für meine Lektorin und mich sind diese Bücher auch wirklich unsere Babys …

Viele kennen Sie noch aus der TV-Serie „Alles was zählt“. Wie beeinflussen sich diese Zeit und ihre Poesie?

Engelmann: Ich habe ja auch schon vor Alles was zählt geschrieben. Eigentlich beeinflussen sich diese beiden Dinge gar nicht. Ich mag die Schauspielerei, aber ich mache mir nun einmal gerne auch meine eigenen Gedanken.

tz-Stichwort: Poetry Slam

Bei Poetry Slams treten Autoren mit Prosa oder Lyrik gegeneinander an – ein Sieger wird pro Abend erkoren. Der älteste Slam ist im Substanz (Ruppertstraße 28, Foto) jeden zweiten Sonntag im Monat. Im Lustspielhaus (Occamstraße 8) gibt’s einmal monatlich den Schwabinger Poetry Slam. Weitere Bühnen: Muffatwerk (Zellstraße 4), Stragula (Bergmannstraße 66), Schauburg (Elisabethplatz). Hinzu kommen Lesebühnen wie die Schaumschläger sonntags im Vereinsheim (Occamstraße 8) oder Die Stützen der Gesellschaft jeden dritten Dienstag im Monat im Fraunhofer (Fraunhoferstraße 9).

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