Chef-Einkäufer Justin O’Shea im tz-Interview

Dieser Mann bestimmt, was Frau anzieht!

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Stil-Ikone ohne Mienenspiel: Justin O’Shea bei der Stippvisite in München.

München - Chef-Einkäufer Justin O’Shea (35) sitzt bei den Fashionweeks in der ersten Reihe – er ordert Prada und Co. im großen Stil. Im tz-Interview verrät die Stil-Ikone unter anderem, was im Frühjahr und Sommer 2015 modisch im Trend liegt.

Bei den internationalen Fashion-Shows in Paris, Mailand, London oder New York sitzt er in der ersten Reihe. Er entscheidet, was in der kommenden Saison angesagt ist. Was er ordert, muss ein It-Piece werden: Justin O’Shea (35). Ein zufälliges Lächeln rutscht dem Chefein­käufer des Luxusladens Theresa und des Online-Shops mytheresa.com in der von Fotografen kontrollierten Öffentlichkeit nicht ins Gesicht (außer im Interview mit tz-Kolumnistin Ulrike Schmidt), und seine wasserblauen Augen verdecken eine Sonnenbrille. Das ist sein Stil. Und das ist sein Geschäft.

Justin O’Shea ist eine Ikone im internationalen Modebuisness. Er selbst trägt einen maßgeschneiderten Anzug und einen streng geometrischen Haarschnitt – im ­wilden Kontrast zu Vollbart und anarchen Tattoos.

Sein Arbeitgeber sitzt in München, sein Arbeitsplatz ist die ganze Welt. Seine Wahlheimat ist Berlin, seine Wurzeln gründen im australischen Nirgendwo, wo er als Sohn einer Lehrerin und eines Minen-Arbeiters aufgewachsen und mit Surfern herumgehangen ist. Verkaufte Justin O’Shea früher im Laden seines Freundes Jeans und Turnschuhe, sind heute Victoria Beckham, ­Miuccia ­Prada, ­Stella McCartney oder Marc Jacobs seine Gesprächspartner.

Zum Interview hat er sich als Location die Stuben im Spatenhaus mit Blick auf die Oper ausgesucht – weil er den Style der alten Welt so liebt ... Justin O’Shea ist ein cooler Typ, der im Gespräch – in englischer Sprache – jedoch viel Herzlichkeit und Lächeln offenbart...

Wo kommen Sie denn gerade her?

Justin O’Shea: Von Berlin. Ich war jetzt vier Wochen unterwegs und am Wochenende dort, um meine Klamotten zu waschen, heute bin ich in München, um Sie zu sehen, dann gehts zurück nach Berlin und dann fliege ich nach New York und bin für zwei Monate weg.

Klingt nach strapaziösem Leben ...

O’Shea: Nein. Nur nach viel Packen und Falten. Ich bin der beste Zusammenfalter, den Sie je getroffen haben! Da bin ich deutsch...!

Sie sprechen aber kein Deutsch...?

O’Shea: Leider. Nein.

Dabei haben Sie doch eine deutsche Freundin, die Moderedakteurin Veronika Heilbrunner. 

O’Shea: Ja. Aber wenn ich mit meiner Freundin Deutsch sprechen würde, wär das schnell vorbei; denn wie könnte ich charmant sein, wenn ich auf Deutsch nicht mal sagen kann: You look really sexy, Baby!

Wo sind Sie zu Hause – wo fühlen Sie Heimat? Sie haben ja auch schon in Amsterdam, London und München gelebt, bevor Sie vor einem Jahr nach Berlin gezogen sind .... 

O’Shea: Zum ersten Mal fühle ich mich in Berlin richtig daheim. Aber auch London ist Heimat für mich. Und Australien natürlich die Heimat für immer. Aber in Berlin habe ich mir zum ersten Mal Möbel gekauft.

"Ich brauche den Austausch mit Frauen (...). Ich muss ihre Wünsche erraten"

Wie darf man sich eine Liebe zwischen zwei Mode-Menschen vorstellen? Geht’s da nur ums Aussehen?

O’Shea: Na, ich hoffe, es ist ein bisschen mehr ...! Natürlich – das ist wahr – wir reden in 98 Prozent unserer gemeinsamen Zeit über die Arbeit. Aber ich liebe das, weil ich ja auch 98 Prozent meiner Zeit arbeite! Sogar, wenn ich nach drei Monaten des Reisens nach Hause komme, und eigentlich nicht mehr über Kleider und Fashion Weeks reden sollte: Es ist das Einzige, über was ich reden mag. Weil das Einzige, was ich tue, arbeiten ist. Ich liebe es! Es macht mich glücklich! Allein zu sehen, dass ich zu Anfang bei mytheresa.com 19 Mitarbeiter hatte und jetzt sind es 250. Ich brauche den Austausch mit Frauen – ich muss ja wissen, wie sich beispielsweise High Heels anfühlen. Ich muss ihre Wünsche erraten. Und darin bin ich ziemlich gut!

So gut, dass Ihr Online-Geschäft kontinuierlich jedes Jahr um mehr als 50 Prozent wächst! Wie haben Sie sich persönlich verändert – mit ­Ihrer Karriere vom T-Shirt-Verkäufer in Australien zum Chefeinkäufer?

O’Shea: Das ist eigentlich ganz lustig, denn als junger Kerl haben mich Klamotten überhaupt nicht interessiert. Es wäre damals in meinem Freundeskreis in Australien auch uncool gewesen, sich darüber zu unterhalten. Erst als ich anfing, in dem Laden zu jobben, lernte ich Leute kennen, die behaupteten, Mode über alles zu lieben. So fing ich an, mich damit zu beschäftigen und mir eine eigene Meinung zu bilden, auf die die Kunden Wert legten. Aber noch hatte ich nicht dieses Business-Gen. Noch nicht mal, als ich als Shopmanager nach Amsterdam gezogen bin, wo ich sehr viel gelernt habe. Dann kam London. Ich war 25, 26. Und dort, bei meinem ersten Einkaufsjob, hab’ ich auch noch viel falsch gemacht. Als ich vor sechs Jahren zu mytheresa.com kam, war mir klar: Jetzt musst du dein Leben verändern! Bis dahin hatte ich gern Party gemacht; ich brauchte ein anderes Image. Ich wollte so erfolgreich werden wie meine Freunde. Dafür musste ich auch meinen Auftritt verändern – hin zu einem fokussierten Busninessman.

Früher trug O'Shea nur Jeans und T-Shirts, dann kamen die Anzüge...

So sind Sie zur Stilikone geworden – berühmt...

O’Shea: Mich interessiert nur, einen guten Job zu machen, sonst nichts. Ich schaue von mir keine Fotos an, keine Interviews – ich will mich nicht in dem Gefühl verirren, es ginge um mich. Es geht nicht um mich, nur um das Unternehmen, das ich repräsentiere.

Das repräsentieren Sie mit einem unverwechselbaren, extravaganten Stil. Wie haben Sie den entwickelt?

O’Shea: Als ich nach London gezogen bin, gab es für mich nur schwarze oder weiße Jeans, schwarze oder weiße T-Shirts, schwarze Jacke, Dock Martens. Wir hatten alle dasselbe an. Bis mich ­Steve Edge, ein Geschäftsmann und immer perfekt in Tweed-Suits gekleidet, einlud, ihn zu einem Charity-Dinner von Prinz Charles zu begleiten. Da musste ich gut angezogen sein. So kaufte ich mir meinen ersten gebrauchten Anzug – mit Nadelstreifen. Es fühlte sich gut an – und von da an wollte ich auch nur noch Anzüge tragen, konnte es mir aber noch nicht leisten. Doch mit meinem Job bei mytheresa.com habe ich dann angefangen, nichts mehr anderes zu tragen.

Wo kaufen Sie ein?

O’Shea: Ich habe einen Schneider in New York - er macht fast alles. Ich kaufe aber auch in den Acne Studios – weil die immer perfekt sitzen.

Wie viele Anzüge haben Sie?

O’Shea: Oh, inzwischen ganz schön viele! Jake in New York hat mir 16 angefertigt, dazu 15 Acne-Studios-Anzüge, einige von Prada, so um die 35. Wenn es zu viele werden, gebe ich sie immer weiter an Freunde.

"Was jede Frau haben sollte: das Little Black Leather Jacket"

Was muss eine Frau unbedingt in ihrem Schrank haben?

O’Shea: Hängt von der Frau ab! Man muss sich nach seiner Persönlichkeit kleiden. Wenn einem ein angesagtes Kleidungsstück nicht steht – nützt alles nichts. Eine Frau muss sich authentisch anziehen. Aber was jede Frau haben sollte: das Little Black Leather Jacket – eine schwarze Lederjacke. Einen tollen Mantel – eines der wichtigsten Kleidungsstücke überhaupt, denn er verdeckt viel und der erste Blick fällt immer auf den Mantel.

Hat sich der Schrank-Inhalt im Laufe der Zeit verändert?

O’Shea: Ja, denn es gibt nicht mehr das Diktat, zum Beispiel am Abend nur High Heels oder im Büro nur Formelles zu tragen, es darf auch, wenn es gut ist, lässig sein. Die britische Modedesignerin Phoebe Philo revolutionierte die Regeln, als sie zu Céline kam. Sie machte flache Schuhe cool, schuf eine minimalistische Ästhetik und hat Hosen für den Abend zurückgebracht. Und plötzlich ziehen sich Frauen nicht mehr nur für die Männer an, sondern füreinander – lässig, provokativ.

Dann ist die lange Abendrobe wohl bald passé?

O’Shea: Hätten Sie mich vor eineneinhalb Jahren gefragt, hätte ich ja gesagt. Aber jetzt nicht mehr, und zwar wegen der sozialen Medien. Schauen Sie sich die Grammys an – jeder konnte sehen, welches Kleid Beyoncé oder Rihanna trug. Und jede möchte das aufregendste Kleid haben und dies unmittelbar über die sozialen Medien zeigen. Der rote Teppich ist wieder der Platz, an dem man strahlen kann – dort herrscht wieder ein richtiger Wettbewerb. Lange Roben sind wieder zurück.

Haben Sie schon mal einen Fehlkauf getätigt? "Jein"

Haben Sie schon mal einen Fehlkauf für mytheresa.com getätigt?

O’Shea: Ja. Ich hab ein paar Sachen gekauft, die sich dann nicht so gut verkauft haben, wie gedacht.

Was?

O’Shea: Erzähl ich Ihnen nicht. Aber es war nicht unbedingt ein Fehlkauf; manchmal will man auch einen Trend pushen – und zu dieser bestimmten Zeit sind die Kundinnen dazu noch nicht bereit, zum Beispiel der Minimalismus. Aber ich muss ja auch als Luxusshop eine Geschichte erzählen, und nicht alles, was ich einkaufe, kann verkauft werden, aber es ist wichtig für das Image.

Apropos Image: Wo ist Ihre Sonnenbrille?

O’Shea: In meiner Tasche. Ich trage sie immer, weil ich meistens sehr müde Augen habe.

Es gibt tausende Fotos von Ihnen – aber auf keinem einzigen lachen Sie? Gehört das zu Ihrem ­Style? 

O’Shea: Ich bin einfach kein Lächler. Und ich bin auch nicht super happy, fotografiert zu werden; es ist leichter, nicht zu lächlen. Meine Muter sagt übrigens das Gleiche: Es gibt so viele Fotos im Internet und auf keinem lächelst du ... Ich lächle innerlich!

Wie O’Shea den Mode-Sommer 2015 sieht

Was haben Sie eingekauft? Was ist in?

Justin O’Shea: Gerade dieser Sommer ist der der 70er- Jahre. Und zwar nur 70er-Jahre! Wenn Sie die nicht mögen, bleiben Sie zu Hause! (Lacht). Was die Saison so erfolgreich machen wird: Es gibt niemanden, der die 70er nicht mag! Da gibt es sehr viele Facetten: das Mädchen in Woodstock, das Naturkind mit Blumen im Haar, die Easy-Rider-Frauen, Dries van Notens farbenfrohes Hippie-Trippy-Zeug, die weißen Sachen von Erdem oder Givenchy. Die Schuhe sind flach – Espadrilles und Sneakers, auch Wedges. Alles sehr lässig. Für Chloé wird das die Boom-Saison schlechthin! Es gibt viel Leder, und Sie können schwere Materialien mit sehr Leichtem kombinieren – zum Beispiel Givenchy-Stiefel mit einem White-Lace-Dress, Gegensätzliches, das zusammen wirkt.

Welche Farben dominieren?

O’Shea: Wasserfarben, mint, pastellpink, violett – die hellen Farben, auch pures Weiß. Daneben Erdfarben, Tabacco, viele verschiedene Brauntöne – Mocca, Camel.

Wird der Trend auch noch im nächsten Jahr halten?

O’Shea: Ja. Im Herbst werden die 70er-Jahre weitergehen, dazu ein bisschen 60er-Jahre. So ein Hauptthema muss sich ja auch erst einmal durchsetzen.

Was kann ich falsch machen?

O’Shea: Es muss authentisch sein! Alles löst sich ein bisschen auf – wie das enge, sexy High-Heels-­Outfit. Der Spaß dominiert!

tz-Stichwort: mytheresa.com

... ist ein Online-Shop für Designer-­Kollektionen, der in mehr als 120 Länder liefert und seinen Sitz in München hat. Der Umsatz liegt laut Handelsblatt bei jährlich etwa 100 Millionen Euro.

Gegründet wurde die ­Online-Plattform 2006 von Susanne und Christoph ­Botschen, die schon seit 1987 das stationäre Geschäft Theresa erfolgreich betrieben haben – mit den angesagtesten Luxusmarken der Welt. In der Maffeistraße verkaufen über 30 Mitarbeiter mehr als 100 Designerkollektionen – darunter Céline, Prada, Balenciaga, Christian Louboutin, Dolce & Gabbana, Saint Laurent, Stella McCartney oder Valentino. Theresa und mytheresa.com wurden 2014 an den US-Nobelkonzern Neiman Marcus Group verkauft.

Interview: Ulrike Schmidt

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