Schauspielerin spricht über psychische Tiefs

Jutta Speidel verdrängt Gedanken an den Tod

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Jutta Speidel kennt ihre Grenzen: Zum Burnout wird es bei ihr nicht kommen.

In "Mit Burnout durch den Wald" soll eine Gruppe ausgebrannter Menschen - darunter Jutta Speidel - in der Natur den stressigen Alltag hinter sich lassen. Im Interview verrät die Schauspielerin, wie sie mit psychischen Tiefs umgeht.

Burnout scheint in einem Zeitalter voller Hektik und Druck zur Volkskrankheit zu werden. Der Spielfilm "Mit Burnout durch den Wald" (am 29. August um 20:15 Uhr im Ersten) stellt Figuren vor, die sich aus unterschiedlichen Ursachen gründlich ausgebrannt fühlen: Arbeitsdruck, Existenzängste, familiärer Stress. Bei Gudrun ist es die Angst vor dem Tod, der ihr die Lust am Leben raubt. Auch im Leben von Jutta Speidel (60) ist der Tod präsent. Gilt das auch für das Thema Burnout? spot on news hat bei der Schauspielerin nachgefragt.

Was verbinden Sie mit dem Begriff Burnout?

Speidel: Burnout ist für mich zunächst einmal ein Schlagwort, ein Modewort. Jeder, sich heute ein bisschen überfordert fühlt, hat sofort ein Burnout. Es ist verrückt, dass man heute einen medizinischen oder psychologischen Ausdruck dafür braucht, anstatt einfach zu sagen: Ich bin erschöpft, ich bin in einer Sackgasse. Es gibt sicherlich psychische Anstrengungen, die einen in eine Sackgasse rennen lassen, aber man hat es doch eigentlich selbst in der Hand, Stopp zu sagen. Wovor haben wir denn immer Angst? Angst, einen Arbeitsplatz zu verlieren, der einem vielleicht gar nicht gefällt? Auf die Gefahr hin, sich vielleicht ein paar Monate etwas anderes suchen zu müssen? Warum muss man etwas aushalten, was man selbst verändern kann?

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Manchmal steckt auch eine latente Depression dahinter.

Speidel: Burnout heißt allerdings nichts anderes als ausgebrannt sein. Man fühlt sich leer, verbraucht, es fällt einem nichts mehr zu sich und seinem Leben ein. Aber das liegt auch an einem selbst. Man kann nicht immer nur die anderen dafür verantwortlich machen.

Haben Sie diesen Zustand des Ausgebranntseins auch schon einmal erlebt?

Speidel: Nein, nie. Burnout hatte ich nie. Ich habe sicherlich einige Tiefen und Höhen im Leben durchlebt, aber das gehört dazu. Das ist sogar sehr wichtig. Wenn immer alles rund läuft, dann stimmt irgendwas nicht.

Burnout kann auch etwas mit Perfektionismus zu tun haben, damit, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können. Kennen Sie so etwas?

Speidel: Bei mir selbst ist das kein Thema. Ich bin anders gestrickt. Wenn ich merke, dass ich irgendwie an eine Wand stoße, dann halte ich inne und überlege mir in Ruhe, was ich ändern kann.

Gelingt das immer?

Speidel: Meist schon. Ich bin aber ein Mensch, der sehr schlecht Nein sagen kann. Ich laste mir immer zuviel auf, und wenn jemand um meine Hilfe bittet, dann fällt es mir schwer, abzusagen. Aber davon kriege ich kein Burnout, sondern bin dann eher ein bisschen groggy.

Die Gefahr besteht natürlich auch da, dass man irgendwann an seine Grenzen kommt. Ist das bei Ihnen der Fall?

Speidl: Nein, und das wird auch nicht so weit kommen. Das würde ich nie zulassen. In dem Moment, wo ich in solche eine Sackggasse hineinlaufe, würde ich sofort und entschlossen die Bremse ziehen.

Gudrun muss im Film lernen, loszulassen. Können Sie das?

Speidel: In bestimmten Bereichen kann ich es ganz gut, und in anderen bin ich noch immer in der Übung. Je älter ich werde, desto mehr versuche ich, meinen Fokus darauf zu lenken, was ich eigentlich brauche, was für mich im Leben wichtig ist, und wovon ich mich vielleicht lieber trennen sollte. Was ich nicht mehr zulasse, sind negative Menschen, die wie Zecken an mir dranhängen und versuchen, mich auszulaugen, nur um selbst voranzukommen. So etwas schaue ich mir genau an, und notfalls trenne ich mich dann von der Person. Damit meine ich übrigens nicht nur den privaten, sondern auch den beruflichen Bereich.

Und welche Konsequenzen ziehen Sie dann daraus?

Speidel: Bei den Kurzzeitprojekten wie den Filmen ist man sowieso wählerischer. Aber ich war auch in Langzeitprojekte involviert, zuletzt "Um Himmels Willen". Dabei habe ich irgendwann gemerkt, dass es für mich nicht mehr passt. Ich gehe dann sehr fair mit dem Partner um, rede darüber und erkläre das. Die Produzentin ließ mich dann gehen, und wir haben meinen Abgang gemeinsam so gut wie möglich vorbereitet und einen guten Übergang zu meiner Nachfolgerin geschaffen. Auf diese Weise muss eine Trennung auch nicht zur Katastrophe werden.

Und wie regeln Sie so etwas im privaten Bereich?

Speidel: Ich habe mich von meinem Mann, mit dem ich über zehn Jahre verheiratet war und mit dem ich zwei Kinder habe, im Guten getrennt. Wir haben einfach gesehen, dass unsere beiden Leben nicht zusammen gehen und dass es auf lange Sicht nicht wirklich funktioniert. Ich kenne ihn wirklich sehr gut, ich bin nach wir vor mit ihm befreundet, aber ich weiß, dass es für mich und letztendlich auch für ihn der richtige Schritt war. Wir haben die Trennung so sanft vollzogen, dass die Kinder keinerlei Trauma davongetragen haben. Sowas schätze ich.

Sie sind nun seit über zehn Jahren mit ihrem Kollegen Bruno Maccallini liiert, haben aber gesagt, dass Sie nicht wieder heiraten wollen. Was ist der Grund hierfür?

Speidel: Warum heiratet man denn überhaupt? Entweder, weil man jung ist und eine Familie gründen will, oder vielleicht auch, weil man sehr verliebt ist und denkt, der andere wäre der Mann oder die Frau für's Leben. Im Laufe des Lebens merkt man aber, dass gerade so eine Beziehung sehr mühsam zu erhalten ist und in den wenigsten Fällen, wie man an der Scheidungsrate sieht, auf lange Sicht funktioniert. Und dieser Ablöseprozess ist wie ein kleines Trauma. Man muss sich eingestehen, dass man es nicht geschafft hat und die Verantwortung dafür tragen, dass eine Familie auseinanderbricht. Mir hat das damals wahnsinnig zu schaffen gemacht. Ich habe mir dann gedacht, wozu brauche ich in meinem späteren Leben noch diesen Stempel und diese Prozedur auf dem Standesamt? Ich kann mich auch so zugehörig zu einem Mann fühlen und mit ihm durch Dick und Dünn gehen. Was ist das anderes als das, was wir als Ehe bezeichnen? Ich fühle eine enorme Verbindung, und die brauche ich nicht von außen bestätigt.

Ein Randthema des Films ist der Tod. Wie gehen Sie mit dem Gedanken daran um?

Speidel: Ich denke nicht an den Tod. Ich bin allerdings immer wieder davon umgeben. Ich habe schon einige Menschen verloren. Erst letztes Jahr ist eine gute Freundin von mir an Lungenkrebs gestorben. Ich war die meiste Zeit an ihrer Seite und habe versucht, ihr den Abschied so angenehm wie möglich zu bereiten. Was mich sehr hat verzweifeln lassen war, dass sie als Mensch, der dem Tod immer so tapfer entgegengeblickt hat, am Ende doch noch so sehr um jede Minute gekämpft hat.

Hat Ihnen das Angst gemacht?

Speidel: Ich für mich denke immer, ich sterbe sowieso nicht, denn ich habe noch so wahnsinnig viel zu erledigen. Ich schiebe das ganz weit von mir. Aber ich lebe schrecklich gerne, und würde sehr ungerne damit aufhören.

Spoton

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