Kachelmann: Anwalt will Redaktionen durchsuchen

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Der Anwalt Schwenn von Jörg Kachelmann will die Redaktionen von "Bunte" und "Focus" durchsuchen lassen.

Mannheim - Der neue Kachelmann-Anwalt Schwenn setzt seinen Feldzug gegen die Medien fort. Nun will er sogar Redaktionsräume durchsuchen lassen.

Mit einer Medien-Razzia will Jörg Kachelmanns neuer Verteidiger entlastendes Material für den angeklagten Wettermoderator beschaffen. Anwalt Johann Schwenn beantragte am Mittwoch, die Redaktionen von “Bunte“ und “Focus“ zu durchsuchen. Zugleich zeigt er wenig Hoffnung auf einen Freispruch Kachelmanns vom Vorwurf der Vergewaltigung.

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Bei “Focus“ und “Bunte“ will Schwenn Schriftstücke und Datenträger sicherstellen lassen, die Kachelmann entlasten könnten. Er warf den Blättern vor, sie würden versuchen, das Verfahren zum Nachteil Kachelmanns zu beeinflussen. Das Gericht entschied am Mittwoch zunächst nicht über Schwenns Antrag. Die Staatsanwaltschaft wollte noch schriftlich Stellung nehmen.

“Die Chefredaktion von “Focus“ sieht in dem Auftritt des Kachelmann-Verteidigers Schwenn ein vordergründiges Ablenkungsmanöver“, konterte deren Sprecher Jonas Grashey. Er fügte hinzu: ““Focus“ hält sich an die Aufgabe der Presse, über dieses Verfahren zu berichten und Realitäten aufzuklären.“

“Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel sagte: “Nur weil einem Anwalt die Berichterstattung über seinen Mandanten nicht gefällt, kann er nicht gleich eine Redaktion stürmen lassen.“ Sie versicherte: ““Bunte“ hält sich selbstverständlich an die journalistische Sorgfaltspflicht und wird weiter ausgewogen und neutral über den Fall Kachelmann berichten.“

Das ist Kachelmanns neuer Anwalt: Johann Schwenn

Johann Schwenn ist Jörg Kachelmanns neuer Anwalt. Er ist schon mehrfach als Verteidiger in aufsehenerregenden Prozessen aufgetreten. © dpa
Schwenn verteidigte den entführten Multimillionär Jan Philipp Reemtsma als Nebenkläger gegen seinen Entführer. © dpa
Auch im Steuerprozess gegen Peter Graf war Johann Schwenn im Verteidigerteam. Der Revisionsspezialist vertrat auch Monika Böttcher, geschiedene Weimar. © dpa
Schwenn holt bei seinem ersten Auftritt im Kachelmann-Prozess kräftig aus und kritisiert die Medien. © dpa
Jörg Kachelmann und seine Verteidiger: Johann Schwenn und Andrea Combé. © dpa
Während des Prozesses. © dpa
Kachelmanns Anwälte. © dpa
Schwenn und Kachelmann vor Gericht. © dpa
Kachelmann verlässt sich auf Schwenn. © dpa
Die Verteidiger Schwenn und Combé. © dpa
Schwenn, Kachelmann und ein Justizbeamter. © dpa

Schwenn sagte am Rande der Verhandlung: “Wenn ein Verlagshaus meint, seine Macht missbrauchen zu müssen, um ein Verfahren zu beeinflussen, dann ist das nicht mehr von der Pressefreiheit gedeckt.“ Zum möglichen Ausgang des Verfahrens meinte er: “Bisher haben Staatsanwaltschaft und Gericht mir keinen Anlass gegeben, die Verurteilungsgefahr für gemindert zu halten.“ Schwenn scheint schon eine Revision vor dem Bundesgerichtshof anzupeilen: “Das ist noch nicht das letzte Wort. Das wird auch nicht in Mannheim gesprochen.“

In seinem Antrag auf Durchsuchung der Redaktionen bezog sich Schwenn auf Kontakte zu ehemaligen Geliebten des Moderators, die sowohl als Zeuginnen vor Gericht aussagten als auch der “Bunten“ Interviews gegeben hatten. Außerdem hatte das Magazin “Focus“ am Montag eine neue angebliche Belastungszeugin präsentiert, die in der Schweiz lebe und nicht vor einem deutschen Gericht aussagen wolle.

Schwenn betonte, das Magazin habe außerordentlich früh von der Zeugin und ihrer Weigerung erfahren, in Deutschland auszusagen. Dies, so Schwenn, “nötigt zu dem Schluss, dass es sich (...) um eine von Redaktionsverantwortlichen der Burda Verlagsgruppe geführte und bezahlte Person handelt“. Einer Reporterin der Zeitschrift “Bunte“ warf Schwenn vor, sie habe versucht, die Aussage einer Zeugin vor Gericht zu beeinflussen.

Das Gericht begann anschließend mit der Vernehmung des Therapeuten des mutmaßlichen Opfers, dem Heidelberger Professor Günter Seidler. Die ehemalige Geliebte beschuldigt Kachelmann, er habe sie mit einem Messer bedroht und vergewaltigt. Der 52-Jährige bestreitet das. Vor allem die These des Therapeuten Seidler, dass Erinnerungslücken des mutmaßlichen Opfers auf eine Traumatisierung zurückzuführen sein könnten, ist zwischen Anklage und Verteidigung umstritten.

Schwenn brach in Gelächter aus, als ein Anwalt Seidlers den Therapeuten als “weltweit anerkannten Traumatologen“ bezeichnete. Auch einen weiteren Gutachter griff Schwenn an: Er bezweifelte den Sachverstand des noch von seinem Vorgänger Birkenstock benannten Psychologen und Hirnforschers Hans Markowitsch.

dpa

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