Vom Zufallstreffer zum Superstar

Kerstin Ott: Privatleben und plötzliche Gesangskarriere – so wurde aus der Lackiererin ein Schlagerstar

Die Sängerin Kerstin Ott kommt zu der 26. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo.
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Kerstin Ott hatte 2016 mit ihrem Hit „Die immer lacht“ einen beispiellosen Charterfolg.

Kerstin Ott hatte 2016 mit ihrem Hit „Die immer lacht“ einen beispiellosen Charterfolg. Er war der Startschuss für ihre Karriere. Alles über die bodenständige Schlagersängerin, deren Titel ins Herz gehen.

  • Erste Karriereschritte ging Kerstin Ott als Kind im Chor von Rolf Zuckowski.
  • Ihren Hit „Die immer lacht“ schrieb sie im privaten Rahmen für eine Freundin.
  • Im Jahr 2016 legte DJ Stereoact den Song neu auf – der Beginn ihrer Schlagerkarriere.

Heide in Holstein – Anfang 2016 katapultierte sich ein Song in die deutschen Charts, der zum Ohrwurm wurde: „Die immer lacht“ gefiel mit einer melancholischen Melodie, der sanften Stimme von Kerstin Ott und einem mitreißenden Beat. Das zu diesem Zeitpunkt bereits rund zehn Jahre alte Lied machte Kerstin Ott zum Schlagerstar. Ihre Karriere und ihr Privatleben waren von Beginn an durch viele Höhen und Tiefen gekennzeichnet.

Kerstin Ott: Erste Schritte als Sängerin

Kerstin Ott wurde am 17. Januar 1982 in Berlin geboren. Sie zog bereits als Kind nach Heide in Holstein und wuchs dort in einer Pflegefamilie auf.

Ihre musikalische Karriere startete ebenfalls in dieser Zeit: Kerstin Ott nahm an mehreren Talentwettbewerben teil und sang im Chor von Kindersänger Rolf Zuckowski. Kerstin Ott begann nach der Schule zunächst eine Ausbildung bei der Polizei und lernte schließlich Malerin und Lackiererin. In dem Beruf war sie einige Jahre tätig und arbeitete nebenberuflich regelmäßig als DJane.

Kerstin Ott: Flucht aus dem Alltag

Nachdem sie ihre Ausbildung bei der Polizei abbrach, folgten einige harte Jahre für den späteren Schlagerstar Kerstin Ott. Eine Zeit lang war sie obdachlos, häufte Schulden an und wurde spielsüchtig. Diese Zeit vor ihrem Aufstieg beschrieb sie in der MDR-Talkshow „Riverboat“ als „Flucht aus dem Alltag“. Aus dem Sumpf zog sie sich aus eigener Kraft: Sie ließ sich in allen Spielhallen der Umgebung Hausverbot erteilen, absolvierte ihre zweite Lehre mit Erfolg und arbeitete mehrere Jahre auf dem Bau als Malerin und Lackiererin.

Kerstin Ott: Der Durchbruch

In dieser Zeit, Anfang der 2000er-Jahre, schrieb Kerstin Ott am heimischen Küchentisch das Lied „Die immer lacht“ zum Trost einer kranken Freundin. Im Zuge ihrer Auftritte als DJane verteilte sie selbst gebrannte CDs des Songs. Einer der Empfänger lud es bei YouTube hoch – der Rest ist Geschichte.

Per Zufall entdeckte der deutsche DJ Stereoact das Lied Jahre später und machte einen Remix daraus. Der schlug ein wie eine Bombe: „Die immer lacht“ schaffte es auf Platz 2 der deutschen Charts und hielt sich mehr als 60 Wochen in den Top 100. Über eine Million Mal wurde der Song verkauft und markierte damit zugleich den Durchbruch für die Sängerin Kerstin Ott.

Einfach war der Aufstieg für die Kerstin Ott nach eigenen Angaben nicht: Als Kind trat sie bereits bei Wettbewerben auf, nicht immer mit Erfolg. Eigentlich wollte sie seitdem nie wieder eine Bühne betreten und litt zu Beginn ihrer Schlagererfolge unter starkem Lampenfieber. In ihrer Biografie „Die fast immer lacht“ verrät sie, sie habe vor ihren Auftritten regelmäßig Alkohol zur Beruhigung getrunken. Das Lampenfieber legte sich ebenso wie der Alkoholkonsum: Heute füllt Kerstin Ott mit Freude große Hallen, braucht jedoch, wie sie in Interviews erzählt, ihre Auszeiten. Die nimmt sie sich mit ihrer Familie in ihrer Heimat Schleswig-Holstein, wo sie bis heute lebt.

Kerstin Ott: Der Aufstieg nach „Die immer lacht“

„Die immer lacht“ wurde zum Erfolgs-Hit des Jahres 2016. Kerstin Ott rechnete zunächst damit, dass der Song und entsprechend sie selbst ein „One Hit Wonder“ bleiben sollten. Doch es kam anders. Einen wichtigen Beitrag dazu leistete ihr Manager Holger Storm. Storm war lange Jahre als Schlagerproduzent tätig, sattelte allerdings vor Otts Durchbruch ins Immobiliengeschäft um. Für seine langjährige Freundin nahm er sein Business in der Schlagerbranche wieder auf. Er begleitete ihre ersten Erfolge und ist maßgeblich für ihren Aufstieg mit verantwortlich.

Im Anschluss an „Die immer lacht“ veröffentlichte Kerstin Ott ihre zweite Single „Scheissmelodie“. Auch dieser Song hatte Ohrwurmpotenzial und erreichte im August 2016 Platz 3 der deutschen Charts. Ende des Jahres brachte Ott ihr Debütalbum heraus. Auf „Herzbewohner“ hatten ihre Fans lange gewartet. Die Platte schaffte es auf Platz 4 der Albumcharts. Der Produzent des Albums ist in der Schlagerszene kein Unbekannter: Thorsten Brötzmann zeichnet unter anderem für die Werke von Lena und Helene Fischer verantwortlich.

„Herzbewohner“ umfasste weitere Charthits:

  • Kleine Rakete
  • Lebe Laut
  • Herzbewohner (Single)

Das Album „Herzbewohner“ wurde mehr als 200.000-mal verkauft und brachte Kerstin Ott an die Spitze der Schlagerszene. Es folgten Touren mit ausverkauften Hallen und Auftritte in TV-Sendungen.

Kerstin Ott: Weitere Hit-Alben der Schlagersängerin

Am 22. Juni 2018 veröffentliche Kerstin Ott die Single „Nur einmal noch“. Sie war ein Vorbote ihres nächsten Albums „Mut zur Katastrophe“, das im August 2018 auf den Markt kam. Die Verkaufserfolge des Debütalbums setzen sich fort: „Mut zur Katastrophe“ stieg auf Platz 5 der Charts ein und erreichte bereits in der zweiten Woche den dritten Platz. Verantwortlicher Produzent war abermals Thorsten Brötzmann. Aus dem zweiten Album ging die Hitsingle „Regenbogenfarben“ hervor, die Kerstin Ott im Duett mit Helene Fischer Weihnachten 2018 einem großen Publikum präsentierte.

2019 legte Kerstin Ott nach: Das Album „Ich muss dir was sagen“ landete direkt auf Platz 2 der Charts. Thorsten Brötzmann arbeitete für das dritte Album der Schlagersängerin mit Songwriter Lukas Hainer zusammen, der unter anderem für Produktionen mit voXXclub und Santiano bekannt ist.

„Ich muss dir was sagen“ ist typisch Kerstin Ott: Schlagermelodien mischen sich mit Otts bodenständigen Texten, satten Beats und clubbigen Elementen. Damit setzt die Sängerin ihren Weg fort, den sie seit „Die immer lacht“ eingeschlagen hat und der beim Publikum so gut ankommt. Auf ihren ersten Hit wird Ott, entgegen ihren Befürchtungen, nicht reduziert: Nachdem sich auch „Scheissmelodie“ und „Regenbogenfarben“ erfolgreich platzieren konnten, hat Kerstin Ott den Aufstieg geschafft und sich fest in der Schlagerwelt etabliert.

Kerstin Ott: Alle Auszeichnungen im Laufe ihrer Karriere

Hohe Chartplatzierungen ziehen Gold- und Platinauszeichnungen nach sich. Und nicht nur diese räumte Kerstin Ott im Laufe ihrer Karriere bereits ab. Ihren Aufstieg pflastern zahlreiche Preise:

  • 2016: Gold und Platin für „Die immer lacht“
  • 2017: Diamant für „Die immer lacht“
  • 2017: Gold für das Album „Herzbewohner“
  • 2017: Deutscher Musikautorenpreis für das erfolgreichste Werk
  • 2019: „Sängerin des Jahres“ in der TV-Sendung „Das Große Fest der Besten“ mit Florian Silbereisen
  • 2020: Gold für „Regenbogenfarben“
  • 2020: Gold für „Scheissmelodie“
  • 2020: Platin für das Album „Mut zur Katastrophe“

Zweimal wurde Kerstin Ott zudem für den „Echo“ nominiert und schaffte es unter die ersten drei erfolgreichsten Interpreten des ersten Halbjahres 2020.

Kerstin Ott: Das macht die Sängerin privat

Kerstin Ott lebt mit ihrer Ehefrau Karolina Köppen in der Nähe ihrer Heimatstadt Heide in Holstein. Karoline brachte zwei Kinder in die Ehe, die beide Otts Nachnamen annahmen. Mit ihrer Homosexualität ging Kerstin Ott seit Beginn ihrer Karriere offen um. Ihre Frau agiert heute zugleich als ihre Tourmanagerin und tritt mit ihr zusammen öffentlich auf – erstmals bei der Echo-Verleihung 2018. Ihre Familie möchte das Paar aus der Öffentlichkeit jedoch fernhalten. Im Fokus soll Otts Musik stehen.

Details aus ihrem Privatleben gibt es daher wenig und nur selten erlaubt die Schlagersängerin Einblicke in ihren Alltag. Im Zuge des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 gab das Ehepaar Ott einige wenige Details über sein Privatleben in den sozialen Netzwerken preis – ungewöhnliche Bilder für die bodenständige Sängerin.

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