Jubel für die Philharmoniker

Klassik am Odeonsplatz: Lang Lang hat's drauf!

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Dirigent Gilbert zeigt auf Lang Lang: „Der hat’s drauf!“

München - 8000 Fans genossen am Samstag bei Klassik am Odeonsplatz ein fabelhaftes Freiluft-Fest mit Lang Lang und den Münchner Philharmonikern. Am Sonntag präsentierten sich dann die BR-Symphoniker in Hochform.

Open-Air-Auftritte von Lang Lang in München sind eine heikle Sache, was das Wetter angeht – schon zwei Mal hat es Klassik am Odeonsplatz-Konzerte mit dem chinesischen Starpianisten verregnet. Doch heuer wurde das Musikvergnügen weder durch Regentropfen noch durch Wermutstropfen getrübt: Die glänzend aufgelegten Münchner Philharmoniker und ihr ebenso glänzend aufspielender Solist bescherten den 8000 Fans auf dem restlos ausverkauften Odeonsplatz am Samstagabend bei hochsommerlichen Temperaturen ein fabelhaftes Freiluft-Fest.

In Sergej Prokofiews drittem Klavierkonzert zeigt Lang Lang, dass er sich auch mit 32 Jahren eine unbändige Spielfreude bewahrt hat. Scheinbar mühelos, ohne erkennbare Schweiß­perlen auf der Stirn, entlockt er dem Flügel glitzernde Klangperlen. Dank stupender Technik kann er mit seinen flinken Fingern in halsbrecherischem Galopp über die Tasten jagen und dabei trotzdem noch mitreißende rhythmische Akzente sauber herausmeißeln: Auf dem Steinway ist die Hölle los!

Aber auch die Münchner Philharmoniker und Gilbert waren klasse auf dem Odeonsplatz.

Butterweich hingetupfte, fein abgestufte und tief empfundene Pianissimo-Passagen beweisen, dass Lang Lang nicht bloß ein Showman ist. Sein schwärmerischer Elan und sein fast naiver Zugriff tun Prokofiews abwechslungsreichem Stück gut. Mit kindlichem Staunen entdeckt Lang Lang immer wieder Unerhörtes und lässt die Zuschauer unmittelbar daran teilhaben – nach dem Motto: „Seht mal, hier hat der gute Sergej in der linken Hand noch eine interessante Melodie versteckt!“

In der Zugabe, Chopins Grande Valse brillante, wird der Tastenzauberer kurzzeitig zum Taschenspieler: Mit effektvollen Extravaganzen (wie etwa hinzuerfundenen Oktavverdoppelungen) bewegt er sich haarscharf am Rande der Verhaftung durch die Geschmackspolizei.

Aber eben nur haarscharf. Denn auch diese eigenwillige Interpretation hat etwas höchst Erfrischendes: Sie ist keine Sekunde langweilig oder routiniert – und bringt die zweitgrößte Gabe dieses ewig hochbegabten Wunderknaben noch einmal auf den Punkt – ein breites Publikum mit seiner Begeisterung für klassische Musik anzustecken.

Ähnlich berauschend geht es nach der Pause weiter: Alan Gilbert, Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra, animiert die Münchner Philharmoniker zu einer rundum beglückenden Aufführung von Gustav Mahlers erster Symphonie. Ja, die Philis können, wenn sie wollen – und wie! Da stimmt alles: die bis zur Neige ausgekosteten himmlischen Melodien; die Vogelstimmen zu Beginn; das volkstümlich Derbe im Scherzo; der gespenstische Trauermarsch zu dem nach Moll umgebogenen Kinderlied Bruder Jakob… Auch die kniffligen, hier virtuos geschmetterten Fanfaren erstrahlen in atemberaubender Perfektion.

Das Faszinierendste: Einerseits wirken die entscheidenden Passagen äußerst präzise geprobt, andererseits agiert das Orchester phasenweise wie entfesselt, geradezu musikantisch. Stellvertretend für alle sei der beschwingte Konzertmeister Lorenz Nasturica-Herschcowici genannt, der offenbar den Stehgeiger in sich entdeckt und den es vor lauter Leidenschaft kaum auf seinem Sitz hält. Und auch mit dem Rausschmeißer, Michail Glinkas trotz flotten Tempos verblüffend exakt dargebotener Ruslan und Ludmilla-Ouvertüre, legen die Philis die Messlatte für die BR-Symphoniker und deren Klassik am Odeonsplatz-Abend extrem hoch. Ovationen.

Marco Schmidt

Nachtkritik zu "Klassik am Odeonsplatz" am Sonntag

Am Sonntagabend sorgte der Wettergott ebenfalls für optimale Rahmenbedingungen bei „Klassik am Odeonsplatz“: der Himmel sogar noch blauer, die Temperaturen noch lauer als am Tag zuvor – und zumindest bis zur Pause kein Gewitter in Sicht. Auch die BR-Symphoniker präsentierten sich unter ihrem Chefdirigenten Mariss Jansons mit einem luftig-leichten, russisch gefärbten Programm in Hochform. Die größte Entdeckung des Abends war jedoch für viele Zuschauer das hinreißend virtuose Terem Quartet.

Eine ausführliche Kritik zu dem Klassikabend lesen Sie am Montag!

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