Oberammergauer Volksmusiker reisen durch USA

Kofelgschroa: Blasmusik im Land des Blues

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Maximilian Pongratz mit tz-Reporter Antonio Seidemann.

München - Nach einem Trip in den Wilden Westen und in die Sümpfe Louisianas sind Kofelgschroa wieder zurück in der Heimat. Wir trafen den Akkordeonspieler Maximilian Pongratz zum Gespräch.

Nach einem Trip in den Wilden Westen und in die Sümpfe Louisianas sind Kofelgschroa wieder zurück in der Heimat. Die schräg-progressiven Volksmusiker aus Oberammergau sind rechtzeitig im Land, wenn die DVD ihrer Filmdokumentation "Frei.Sein.Wollen." am 15. Mai veröffentlicht wird. Wir trafen den Akkordeonspieler Maximilian Pongratz zum Gespräch.

Wie würden Sie das Erlebnis in den USA mit einem Wort beschreiben?

Maximilian Pongratz: Schee. Aufregend.

Wie reagieren die Leute auf Ihre Musik?

Maximilian Pongratz: Gut. Wir haben da sogar schon ein paar Stammleute, die zu unseren Konzerten kommen und uns mögen. Unsere Musik ist ruhiger als ihre. Dort drüben ist ja der laute, fetzige Brass zu Hause. Aber trotzdem gefällt es ihnen, weil es halt auch so anders ist.

Kam es auch zu Kooperationen mit anderen Bands?

Maximilian Pongratz: Ja. Wir haben mit Musikern dort zusammengespielt. Unter anderem mit der Brassband von einem Münchner, der schon über 20 Jahre in New Orleans lebt. Der Martin Krusche.

Ein anderer Münchner, der Musiker Thomas Meineke, hat über den bayerischen Einfluss in der texanischen Musikszene berichtet …

Maximilian Pongratz: Den Thomas haben wir kontaktiert. Der hat uns durch die deutschen Städte in Texas gelotst. Die sprechen dort Deutsch und haben eine, ich sag mal, deutsche Faschingskultur. Sie essen Weißwürste, singen deutsche Volkslieder, schneiden eine Jeans ab, machen Hosenträger hin – dann ist das eine Lederhosn. Das ist eigentlich ganz lustig.

Sind Sie da aufgetreten?

Maximilian Pongratz: Wir haben Straßenmusik gemacht und zum ersten Mal so Sachen wie Muss i denn gespielt.

Haben Sie die im Repertoire?

Maximilian Pongratz: Ja, mei. Die bringt ma schon zsamm. Wenn man Volksmusik macht, kann man irgendwie alles spielen.

Ist es seltsam, wenn die eigene Kultur in einem anderen Land fortgeführt wird?

Maximilian Pongratz: Ja, sehr, sehr komisch. Sehr schräg. Früher hätte es mich aufgeregt, wenn etwas nicht echt ist. So: Das ist doch Kommerzscheiße. Aber inzwischen finde ich, dass alles seine Berechtigung hat.

Wo würden Sie die Grenze ziehen?

Maximilian Pongratz: Ja nirgends. Wenn die Spaß daran haben, dann lass sie doch. Wir haben ja selbst solche Sachen. Zum Beispiel der Döner. Das ist ja auch eine in Deutschland erfundene Sache.

Tritt man in den USA unbelasteter auf?

Maximilian Pongratz: Total. Ich spiele überall anders fast lieber als zu Hause, weil du es nicht so wichtig nimmst. Zu Hause habe ich Angst, dass ich mich verspiele.

Hat der Besuch in den USA die eigene Art zu komponieren verändert?

Maximilian Pongratz: Jede Reise verändert etwas. Gerade die Begegnung mit Jazz-Akkorden. Das habe ich vorher so nie gehabt. Ich hatte eine Abneigung gegen Jazz, weil ich das als anstrengend empfunden habe. Aber inzwischen, wenn man sich auf ein paar Stücke einlässt und die übt, dann hast du das im Hinterkopf und baust es ein.

Ist also das nächste Album ein Jazz-Album?

Maximilian Pongratz: Naa. Um Gottes Willen! Das ist nichts für uns. Aber du hast einfach etwas mehr im Repertoire, das mit einfließen kann. Früher haben wir ja auch so Rock-Covermusik gemacht. Und das hat mich beim Akkordeonspiel beeinflusst. Wenn du nur immer Polka und Walzer spielst, dann wiederholen sich die Tonarten und Harmonien.

Sie waren auf einer Musikschule, waren aber dort nicht so glücklich. Wie würden Sie diese Erfahrung und die in den USA vergleichen?

Maximilian Pongratz mit tz-Reporter Antonio Seidemann.

Maximilian Pongratz: Was ich in der Schule vor allem gelernt habe, ist das Üben. Das Verhältnis zwischen den Nerven, die mich die Schule gekostet hat, und dem, was sie mir gebracht hat, stimmt halt nicht. Aber es ist natürlich gut, dass ich weiß, wie man an etwas herangeht, das man noch nicht kann. Früher war es immer: Mog i ned, kon i ned, brauch i ned. Nichtsdestotrotz geht nichts über solche Reisen. Es gibt so viele Sachen, die man als Musikant da lernt, die wichtiger sind. Man nimmt Musik einfach auf. Das Kapital eines Musikanten, vor allem eines Akkordeonspielers, ist, dass er von vielen Stilen etwas weiß. Da gehört der Bolero von Ravel dazu, Chansons, die ganzen klassischen Gassenhauer wie der türkische Marsch von Mozart…

Arbeiten Sie bereits am nächsten Album?

Maximilian Pongratz: Eigentlich entstehen ständig neue Lieder.

Sie wohnen ja nicht mehr alle in Oberammergau. Wird da die Zusammenarbeit schwieriger?

Maximilian Pongratz: Bissl vielleicht. Aber wir spielen ja viel und sehen uns oft. Wir haben ja auch ein Haus in Oberammergau gemietet. Das hat zwar keine Dusche, aber es ist wunderschön. Da proben wir und arbeiten gemeinsam. Das ist ein Schmaus, das Haus. Das war mal die Ferienresidenz vom Schriftsteller Josef Ruederer.

Interview: Antonio Seidemann

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