tz-Serie: Die junge Society Münchens

Vollblutwirt aus Leidenschaft

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Ludwig Reinbold

München - In einer siebenteiligen Serie stellt die tz die junge Münchner ­Society vor und ­beantwortet die ­wichtigsten Fragen zu den Youngsters. In dieser Folge: Ludwig Reinbold.

Sie sind jung, sie sind hip und sie haben noch viel vor: In der Münchner Gesellschaft rücken die Jungen nach. Doch sie möchten mehr sein als nur Söhne und Töchter von Eltern mit wohlklingenden Namen. Viele steigen ins Familiengeschäft ein, manche ziehen etwas ­Eigenes auf. Die einen lieben das gemütliche ­München und wollen niemals von hier weg, die anderen zieht es in die Ferne nach ­Mailand, Paris oder New York. In sieben Folgen stellt die tz die junge Münchner ­Society vor und ­beantwortet die ­wichtigsten Fragen zu den Youngsters: Wie sie ­leben, wo sie feiern, was sie bewegt und wovon sie träumen ...

Vollblutwirt aus Leidenschaft

Der Mann hat keine Zeit zu verlieren, das merkt man gleich, wenn man Ludwig Reinbold (25) trifft. „Leg’ ma los?“ fragt er, schaut einen mit seinen blauen Augen an und zeigt sein breites Grinsen. Im Franziskaner wartet das Tagesgeschäft, daneben die Organisation für das Schützenfestzelt auf der Wiesn, die Renovierungsarbeiten im Hotel Drei Löwen – und überall der Ludwig, der ­Seite an Seite mit seinem Vater Edi Reinbold arbeitet. Normalerweise auch mit seinem Bruder Mathias, der weilt allerdings gerade in London: Managementschule. Die Konkurrenz schläft nicht und irgendwo gibt es immer was zu optimieren.

Ganz oben in der Hierarchie des Reinbold’schen Wirte-Trios steht unangefochten Vater Edi. „Er ist und war wahnsinnig ­prägend“, sagt der Ludwig über seinen Vater, bei dem es eine Maxime gibt: „Er erwartet einfach gewisse Dinge, und wenn man die nicht erfüllt, sorgt er dafür, dass man’s tut.“ Klar sei das streng, immer gewesen, aber genau dadurch seien er und sein Bruder richtig in den Beruf reingewachsen – als die Buben, die früher die Würste aus der damals noch hauseigenen Metzgerei klauten und in der Wohnung der Oma über dem Franziskaner versteckten; die es für ganz normal hielten, am Eröffnungstag mit der Kutsche zur Wiesn zu fahren und für die es gar keine Frage war, dass sie mit 15 die Freunde daheim verließen, um die Hotelfachschule Villa Blanka in Innsbruck zu besuchen. Weil sie wollten, nicht etwa weil sie mussten.

Neben dem normalen Schulstoff bis zum Abitur lernten der Ludwig und sein Bruder dort Kochen, Buchhaltung, Betriebswirtschaft und natürlich Unternehmensführung. „50 Prozent der Angestellten im Franziskaner kennen uns seitdem wir ganz klein waren. Das sind schon besondere Beziehungen, aber man muss auch mal zeigen, dass man nicht mehr der Kleine ist.“ Die Kellnerin vom Stammtisch fragt ihn trotzdem jeden Tag, wann der Mathias ­endlich wiederkommt. ­Jeder hat so seine Lieblinge, „und das ist auch schön“. Ungefähr jeden zweiten Tag telefonieren die Brüder miteinander. Sie sind nur ein Jahr auseinander, ­haben von klein auf denselben Freundeskreis und vertrauen sich blind. Und vom Franziskaner zu trennen ist eh keiner von beiden.

Neben den Mitarbeitern kennt der Ludwig auch die meisten Gäste aus der Kindheit, und wenn ihn ­seine Freunde besuchen wollen, machen sie das ebenso im Franziskaner wie Geschäftspartner, die etwas zu besprechen haben. Irgendwie ist er immer da, und wenn nicht, genügt ein Anruf, um ihn noch mal aus seiner Wohnung an der ­Maximilianstraße zu holen. „Des is einfach so“, sagt er, und dass er sowieso keine ruhige Minute hätte, wenn im Franziskaner was los ist und er nicht da.

Er will halt nix verpassen. Keinen Besuch von Siegfried & Roy, die immer wieder vorbeischauen, keinen von Udo Jürgens, den Ludwig mag, „weil er live genauso singt wie auf der CD“, und erst recht hätte er den Besuch von Michail Gorbatschow nicht verpassen wollen. Eine halbe Stunde hat er sich mit dem Friedensnobelpreisträger unterhalten, der zufällig auf dem einstigen Stammplatz von Franz-Josef Strauß saß. „Da hat er mir erzählt, dass er beim ersten Besuch von Strauß gedacht habe, der sei der Bundeskanzler, so wie der aufgetreten ist.“

Zeit, um mal mit seinen Freunden in den Biergarten im Englischen Garten zu gehen, auf ein Steak ins Brenner oder ins Banyan in der Goethestraße und danach vielleicht noch ins P1, ins Heart oder die 089-Bar hat der Ludwig höchstens im Sommer, wenn in der Wirtschaft weniger los ist.

Und irgendwann will er sich seinen großen Traum erfüllen: auf nach Shanghai! Die Stadt fehlt ihm noch, nachdem er mit seinem Vater und seinem Bruder schon Bangkok, Peking und Singapur besucht hat. Alles, was boomt, zieht ihn an, und wahrscheinlich ist er bei ­seinem nächsten Trip nicht mehr in nur rein männlicher Begleitung. Seit Anfang des Jahres ist der Gastronom mit Catharina Graf zusammen, die in München BWL studiert und die er, klar, nach ihrem Auslandsstudium im Franziskaner wiedergetroffen hat. Schwer verliebt ist er seitdem, das kann man sagen, aber so richtig will er bei dem Thema nicht auspacken.

Da redet er lieber wieder über die Wiesn, für die jetzt die heiße Phase beginnt. Seit Mitte Juli wird das Zelt aufgebaut, die Pläne dafür hat er bereits Monate vorher eingereicht, immer wieder geschaut, wie man Engpässe vermeiden und etwas baulich so verbessern kann, dass der Ablauf noch schneller wird. Bis zu dem Tag, an dem endlich alles anfängt, die Leute ins Schützenfestzelt strömen und nur noch Spaß haben wollen.

Ab spätestens acht Uhr früh ist der Ludwig jeden Tag auf der Wiesn, trinkt erst einmal einen Kaffee mit den müden Kellnern, motiviert und schaut, dass alles passt. „Wenn’s läuft, dann läuft’s“, sagt der Ludwig, was meistens so ab 12 Uhr mittags der Fall ist, und dann kann er sich auch mal kurz zu seinen Spezln an den Tisch setzen und etwas Essen. Nur das, was alle auf der Wiesn machen – feiern – das hat er noch nie gemacht. „Nee“, sagt er da und schaut ganz verblüfft. Dafür hat ein Wiesn-Wirt nie Zeit.

Ann-Catherin Karg

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