Auszeichnung beim Bayerischen Kabarettpreis

Lisa Fitz: "Ich bin doch keine Grande Dame"

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Ehrenpreisträgerin im Lustspielhaus: Die Kabarettistin Lisa Fitz.

München - Als „Inbegriff selbstbewusster und intelligenter Weiblichkeit“ würdigte die Jury des Bayerischen Kabarettpreises Lisa Fitz. Die 63-jährige erhält den Ehrenpreis. Wir sprachen mit der Künstlerin.

Als „Inbegriff selbstbewusster und intelligenter Weiblichkeit“ würdigte die Jury des Bayerischen Kabarettpreises Lisa Fitz. Die 63-jährige Künstlerin, die die Rolle der Frau im von Männern dominierten Umfeld revolutionierte, erhält den Ehrenpreis. Wir sprachen mit der Kabarettistin, die noch nie ein Blatt vor den Mund genommen hat.

Freuen Sie sich über die Auszeichnung? Ehrenpreis klingt nach Lebensbilanz.

Lisa Fitz: Nein, ich finde den Zeitpunkt gut gewählt. Ich freue mich sehr über diesen Preis, zu dessen Initiatoren ja auch der Bayerische Rundfunk gehört, weil mich der Sender schon seit meinem 15. Lebensjahr begleitet. Für mich fühlt sich der BR ein bisserl so an wie eine Mama. Die findet zwar nicht alles gut, was man so macht über die Jahre, aber sie nimmt einen doch immer wieder in die Arme.

Was war Ihr Motiv, das Kabarett zur Hauptsache zu machen?

Lisa Fitz: Die künstlerische Vielseitigkeit meiner Familie war toll, aber schon auch ein Dilemma für mich. Ich habe lang überlegt, was ich machen soll, aber dann habe ich beschlossen, dass mein hungriger Verstand und meine Kritiklust am besten im Kabarett aufgehoben sind.

Sie stehen im Lexikon als erste Frau, die Solokabarett mit eigenen Texten gemacht hat. Wie fühlt man sich als Grande Dame der Zunft?

Lisa Fitz: Ich bin doch keine Grande Dame (lacht)! Aber es stimmt schon, es gab vorher nur die Lore Lorentz, die aber nicht selbst geschrieben hat, und die Alibifrau in der Männerriege der Lach- und Schießgesellschaft. Man musste schon Mut haben, als Frau allein auf die Bühne zu gehen. Die Männer fragen ja immer besonders kritisch: „Ist die denn auch lustig?“

Ist das Kabarett über die Alibifrau hinausgekommen?

Lisa Fitz: Es herrscht halt die Meinung vor, es gebe keine politischen Kabarettistinnen. Das stimmt aber so nicht. Vielleicht sind die Frauen auch selbst schuld, weil sie sich auf der Bühne immer noch lieber mit ihrer Cellulite beschäftigen oder damit, dass der Freund weg ist.

Ihre Programme tragen Titel wie „Die heilige Hur“ – haben Sie Frauen wie Männer damit nicht auch verstört?

Lisa Fitz: Gemessen an Monika Gruber war und bin ich weitaus weniger gschert. Klar habe ich auch immer wieder Tabus gebrochen. Man war halt nicht gewohnt, dass eine Frau so deutlich wird, wie sonst nur Männer.

Haben sich nie Frauen beschwert über Ihre klaren Worte?

Lisa Fitz: Überhaupt nicht. Ich bin ja stets für die Emanzipation eingetreten, und eher so, dass die Männer schlucken mussten. Aber weil das Vehikel die schöne Verpackung war – rote Lippen, kurze Röcke –, habe ich auch die Männer mit ins Boot gekriegt. Die haben die bittere Pille mit der Wurscht serviert bekommen.

Apropos Tabubruch: Sie selbst waren ja auch im Dschungelcamp ...

Lisa Fitz: Ich bin denen auf den Leim gegangen. Die haben gesagt, das sei eine Abenteuersendung. Ich dachte, ich kann da mein schrilles Image korrigieren und zeigen, dass ich auch ganz nett bin. (lacht). Als ich wusste, was gespielt wird, wollte ich auch raus, mir waren die Gespräche zu bescheuert, aber RTL hat mich gebeten, zu bleiben, wegen der Quote. Jetzt ist das drin in meiner Biografie, damit muss ich leben, obwohl ich 99,9 Prozent meines bisherigen Lebens Kabarett gemacht habe. Deswegen freut mich ja der Preis auch so.

Früher galt Kabarett als links. Nun sagt Ihr Kollege Bruno Jonas, dass links und rechts vor allem parteipolitische Begriffe und damit völlig überholt seien. 

Lisa Fitz: Da hat er Recht. Ich habe ja ganz hinten in meinem Herzen auch ein Plätzchen für die CSU. Bei denen ist die Welt noch in Ordnung, das beeindruckt mich. Bei den Linken fühle ich mich aber auch in Vielem zuhause und weiß zugleich: Reden ist nicht Regieren. Das eigene Weltbild muss immer eine Melange sein, deswegen hat ja jeder seinen eigenen Kopf.

„Als Frau musst du dich entscheiden, ob du recht haben oder geliebt werden willst!“, sagen Sie in einem Ihrer Programme. Ist das immer noch so?

Lisa Fitz: Privat schon, da bekomme ich oft Probleme mit dem Rechthaben. Auf der Bühne nicht, da will es das Publikum, es zahlt ja sogar dafür (lacht).

Rudolf Ogiermann

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