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Meister der vier Saiten: Ron Carter wird 85

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Jazz-Bassist Ron Carter wird 85
Der US-amerikanische Jazz-Bassist Ron Carter wird 85. © Paul Bergen/ANP/epa/dpa

An der Seite von Miles Davis wurde er berühmt, als Bassist nahm er mehr Stücke auf als jeder Andere: Nun wird Ron Carter 85 - und feiert standesgemäß.

New York - Seinen Geburtstag feiert Ron Carter in der weltberühmten Carnegie Hall mit einem Sonderkonzert, wie es sich für einen Musiker von Weltrang gehört. Die Art, wie er den Bass spielt, machte ihn zu einer der bedeutendsten Jazz-Größen der Gegenwart.

Carters Stil ist federleicht und gelassen, und doch vollmundig und kraftvoll. Der Mann, der vor allem als Bassist im zweiten Quintett von Star-Trompeter Miles Davis berühmt wurde, wird heute (4. Mai) 85 Jahre alt.

Davis bezeichnete Carter einmal als „Anker“ - was dem Bassisten aber weniger gefiel. „Haben Sie schon mal einen Anker gesehen? Er liegt unten auf dem Grund, rostig. Keiner weiß, dass er da ist, es kümmert niemanden einen Dreck, dass er da ist und das Boot zurückhält. Anker der Band? Das heißt, die Band bewegt sich nirgendwohin“, sagte Carter. „Mein Job ist, dich aus den Socken zu hauen.“

Jazz und Klassik

Und das tut Carter, der schlaksige 1,93 Meter große Mann, seit mehr als einem halben Jahrhundert - auf irrsinnig vielen Platten. Kein Kontrabassist hat mehr Aufnahmen angehäuft als der nahe Detroit (Michigan) Geborene, der es dem Guinness-Buch der Rekorde zufolge auf über 2200 individuelle Aufnahmen brachte. Quer durch die Genres hat er seine Finger auch für Künstler wie Aretha Franklin, B.B. King, Billy Idol und Erykah Badu und Gruppen wie Jefferson Airplane und A Tribe Called Quest über die Saiten laufen lassen.

Seine Liebe zur Klassik entdeckte Carter schon in der Schule, allerdings nicht mit dem Bass. Es war zuerst das Cello, nach dem das fünfte von acht Kindern griff. Ron hörte Bach-Suiten und hatte in der neunten Klasse den Platz als erster Cellist im Schulorchester sicher, spielte aber auch Klarinette, Saxofon, Posaune, Tuba und Geige. Erst als ein Mitschüler den Platz des Bassisten räumte, fand Carter sein Instrument.

In der offen rassistischen US-Gesellschaft lernte Carter wie auch viele weitere schwarze Künstler, dass selbst noch so begabte Afroamerikaner kaum aufsteigen konnten. In Houston erklärte ihm ein Dirigent, dass der Vorstand noch nicht bereit sei für „einen Farbigen im Orchester“, sagte Carter einmal. Erst die Weltstadt New York schien ab seinem Umzug im Jahr 1959 einen Platz für ihn zu haben. Im Master an der Manhattan School of Music perfektionierte er sein Können, während er nachts Gigs spielte.

Konzerte in Europa

Zusammen mit Trompeter Miles Davis, Pianist Herbie Hancock, Schlagzeuger Tony Williams und Wayne Shorter am Saxofon war 1964 das berühmte Quintett geboren, das Enthusiasten heute immer noch feiern. Er spielte aber auch Werbe-Basslines ein, gewann einen Grammy für seine Komposition zum Film „Um Mitternacht“ (1986) und blieb seinen Musikschülern in verschiedenen Lehraufträgen trotz Auftritten treu.

Auf der Bühne steht Carter bis heute. Sehr oft in New York und anderen Städten in den USA. Doch im Juli und November steht neben vielen anderen Terminen auch Europa auf dem Programm. Hat da jemand 85. Geburtstag gesagt? dpa

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