„Der Boandlkramer und die ewige Lieb“

Michael „Bully“ Herbig exklusiv über Corona-Dreh in bekannter Rolle: „Klar, dass der einmal zum Freak wird“

Michael „Bully“ Herbig, Regisseur und Schauspieler, bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Films - Die Brücke im Cuvilliés Theater.
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„Allein und unbeliebt“: Michael „Bully“ Herbig interpretiert den Tod als Freak.

Nach dem Dreh zum letzten Werk von Joseph Vilsmaier spricht Michael „Bully“ Herbig mit unserer Zeitung über seine Rolle und den Corona-Lockdown.

München - Eigentlich hätte Joseph Vilsmaiers letztes großes Leinwand-Werk „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ im Kino starten sollen – Corona* hat es mehrfach verhindert. Nun wird der Film ab Freitag zunächst bei Amazon Prime Video zu sehen sein, ein Kino-Event soll später noch folgen – zu Ehren des Schöpfers. „Das sind wir Joseph Vilsmaier schuldig“, meint Michael „Bully“ Herbig, der nach 2008 wieder den Boandlkramer gibt und diesmal als Tod sehr nachsichtig, ja fast menschlich, gar tröstlich ist.

Wie erleben Sie die Pandemie?
Mir geht’s gut, wir haben es so weit ganz gut hingekriegt. Die Mitarbeiter meiner Produktionsfirma sind alle ins Homeoffice gegangen. Ich war teilweise allein im Büro, auch um meinem Sohn ein Gefühl von Normalität zu geben. Die Spülmaschine im Büro war dabei die größte Herausforderung! Ich hab’ meine Assistentin via Facetime angerufen, um herauszufinden, welche Knöpfe ich drücken muss. An der Stelle: Chapeau an alle Mütter und Väter, die das Homeschooling durchgestanden haben!
Sie auch?
Na ja, meine Frau hat sich durchgekämpft, ich hab’ beim Homeschooling den Sport übernommen. (Lacht.) Wir haben kein Problem damit, Abstand zu halten und Masken zu tragen. Klar sind wir massiven Einschränkungen ausgesetzt, aber wir haben uns arrangiert. Das größte Problem sind die Existenzängste derer, die massive wirtschaftliche Sorgen haben, nicht der Umstand, auf Partys verzichten zu müssen.
Der Film ist das letzte Werk von Joseph Vilsmaier, der vor gut einem Jahr starb. Wie war es, dass in den Endzügen einer fiktionalen Geschichte um den Tod der reale Tod dazwischen kam?
Schon in der Vorbereitung hatte ich mit den Autoren Uli Limmer und Marcus H. Rosenmüller einen Riesenspaß – der Joseph war intensiv dabei. Das war von Anfang an eine sehr harmonische und unfassbar effektive Zusammenarbeit. Da haben sich vier Typen getroffen, die einfach gut zusammengepasst haben, und so haben wir auch mit einer gewissen Leichtigkeit an dem Buch gearbeitet und völlig selbstverständlich über den Tod gesprochen. Das war eine Figur, ein Sympathieträger; man hat vergessen, dass es der personifizierte Tod ist. Es ist halt der Boandlkramer, der einem ans Herz gewachsen ist.
Sie spielen ihn auch sympathisch, gar nicht gnadenlos. Er lässt sich leicht verführen...
Das war schon beim ersten Film so, beim „Brandner Kaspar“, und das hat natürlich auch was Tröstliches: Mei, wenn es so ist, dann kann’s ja gar nicht so schlimm sein... Und die Selbstverständlichkeit, mit der wir mit diesem Thema umgegangen sind, hat natürlich auch mit dem Joseph zu tun. Wir wussten ja alle nicht, wie es ihm wirklich geht. Er hat bestimmt instinktiv gewusst, dass er nicht mehr viel Zeit hat. Und ich glaube, sein größter Wunsch wäre gewesen, die Premiere des Films zu erleben. Aber noch wichtiger war es ihm, dass er den Film zu Ende bringen konnte. Und dann hat er auch losgelassen. Ich hab’ nicht geahnt, wie schlimm es um ihn steht. Er hat nie gejammert, er hatte nie schlechte Laune, gar nix. Ich glaube sogar, der Dreh hat ihm noch mal unheimlich viel Kraft gegeben.
Wie denken Sie selbst, dass der Tod ausschaut?
Das Schöne ist ja, dass der Joseph mir schon vor vielen Jahren beim „Brandner Kaspar“ die Freiheit gelassen hat, mit dem Maskenbildner zusammen unsere eigene Interpretation für den Tod zu finden: Ich parodiere ja den Tod nicht, ich interpretiere ihn. Und es kann mir keiner kommen und sagen, das stimmt so nicht. (Lacht.) Er ist allein, unbeliebt; wenn er zur Tür reinkommt, schreien die Leute schon auf; dann darf er weder in den Himmel noch in die Hölle, er muss immer nur liefern. Dass der einmal zum Freak wird und Ticks entwickelt – das ist doch klar! Ich hab’ die Rolle so gern gespielt, eine meiner liebsten Rollen überhaupt, und als ich dann mal unter der Dusche stand, fiel mir für eine Fortsetzung vom „Brandner Kaspar und das ewige Leben“ der Titel „Der Boandkramer und die ewige Liebe“ ein. Der Tod verliebt sich und bringt den ganzen göttlichen Plan durcheinander...
Setzen Sie sich auch im realen Leben mit dem Tod auseinander?
Ich hab’s eigentlich immer recht erfolgreich verdrängt, muss aber sagen, dass mir die Arbeit an den beiden Filmen tatsächlich ein Stück weit den Schrecken genommen hat. Ich fand’s auch eine schöne Reaktion, als uns Leute nach dem ersten Film geschrieben haben, der „Brandner Kaspar“ hätte ihnen über einen Verlust hinweggeholfen. Was willst‘ mehr? Das bedeutet mir sehr viel, und ich find’, dass dies „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ sogar noch ein Stück weit auf die Spitze treibt. Dafür geht er sogar einen Pakt mit dem Teufel ein – ein klassisches Motiv.
Für was würden Sie mit dem Teufel einen Deal eingehen?
Wenn ich ehrlich bin, ich würd’ die Finger davon lassen. Das ist tatsächlich eine Einstellung, mit der ich bisher gut durchs Leben gegangen bin. Mit acht oder neun Jahren habe ich aufgehört zu lügen, aus einem rein pragmatischen Grund: Ich konnt’s mir nicht merken! Wenn ich drei Leuten verschiedene Geschichten erzähle, muss ich mir ja immer merken, wem ich was gesagt habe. Ich hab’ schon als Kind festgestellt, am besten kann ich mir die Wahrheit merken, weil die immer bleibt. Man trifft sich immer zweimal im Leben, und Gehässigkeit kommt irgendwann zurück.
Wenn Sie nicht lügen und betrügen, kommen Sie auf alle Fälle in den Himmel. Wie stellen Sie sich den vor?
Na ja, so wie wir ihn gezeigt haben. Da stehen vorm Zwölfeläuten die Weißwürscht auf dem Tisch. Ich geh’ auch davon aus, dass der Himmel weiß-blau ist und dass ich auf alle Fälle in den bayerischen Himmel komm’. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass es mich in den Sachsen- oder Schwabenhimmel verschlägt.
Das wär ja die Hölle...
Na, so was darf man nicht sagen! Als wir Nadja Auermann als Höllenwächterin angefragt haben, hat sie gleich zurückgerufen und meinte, es sei schon auffällig, dass nur in der Hölle Hochdeutsch gesprochen wird. Gut, dass der Sepp im Himmel ist, weil Hochdeutsch hat er nie gesprochen!

Das Gespräch führte Ulrike Schmidt. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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