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830 Kilo schwer: Michael Patrick Kelly lässt riesige Friedensglocke aus Ukraine-Granathülsen gießen

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Von: Jonas Erbas

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Mit der Kelly Family stieg Michael Patrick Kelly in den 1990ern zu einem der gefragtesten Popstars des Landes auf. Inzwischen hat sich der 44-Jährige musikalisch von der Großfamilie gelöst und geht als Solokünstler durchaus erfolgreich seinen ganz eigenen Weg. Im Ippen.Media-Interview für tz.de spricht der Sänger nun über den Krieg in der Ukraine, seine Freundschaft zu Rea Garvey und seinen Glauben.

München - Corona-Pandemie, Ukrainekrieg, Energiekrise – die vergangenen Monate und Jahre waren nicht gerade einfach. Dem möchte Michael Patrick Kelly gerne so gut es geht entgegenwirken, wie der Popstar im Ippen.Media-Interview (hier weitere Exklusivinterviews im Überblick) für tz.de verrät. Ab Herbst begibt sich der 44-Jährige wieder auf Tour, möchte bei seinen Konzerten „Mut, Kraft, Hoffnung, Trost und Freude am Leben“ spenden. Außerdem kommt es zu einer Liebeserklärung an seinen Kumpel Rea Garvey sowie Einblicke in seinen Glauben, der ihm über Jahre Halt gab und immer noch gibt.

Michael Patrick Kelly möchte auf Tour zum Frieden mahnen – „Ein kleiner Beitrag“ gegen den Ukrainekrieg

Wer Ihr musikalisches Schaffen kennt, weiß, dass Sie sich für den Frieden stark machen. Glauben Sie, dass die Musik dazu fähig ist, vielleicht dort Brücken zu schlagen, wo es die Politik sonst erheblich schwerer hat?

Es gibt ein paar Beispiele in der Geschichte, wo Musik tatsächlich zum Frieden beigetragen hat, auch in Kriegssituationen – Ich denke da etwa an das One Love Peace Concert 1978, das Friedenskonzert von Bob Marley, in Kingston, Jamaika, bei dem er die beiden Oppositionsführer auf die Bühne mitgenommen hat, die Arme in die Luft gestreckt und dreimal laut ins Mikro „love“ gerufen hat. Dort waren mehr als 100.000 Menschen und manche sagen, dass dieses Event einen Bürgerkrieg verhindert hat.

Geschehnisse wie diese sind immer wie kleine Lichter in der Dunkelheit, die zeigen: Musik macht uns menschlicher! Weil sie die Emotionen in uns anspricht. Es erinnert uns, dass wir Menschen sind. Und wenn du in dich in einer Kriegssituation befindest, dann musst du wie eine Maschine sein, um das zu tun, was du tust – das ist ja unmenschlich! Musik hat uns daran zu erinnern, was es heißt, menschlich zu sein und Gefühle und Emotionen zu haben.

Und ja, ich wünschte, ich hätte das Wundermittel, um die aktuelle Situation zu lösen. Aber vielleicht muss jeder seinen kleinen Beitrag leisten, da wo er kann. Freunde von mir, dessen Stiftung ich mit Spenden unterstütze, sind kürzlich aus der Ukraine zurückgekommen. Die bringen da Hilfsgüter wie Medizin, Kleidung und Nahrung hin und haben jetzt auch Kriegsschrott mitgebracht: Granathülsen oder Teile von zersprengten Panzern. Ich werde für meine Tour im September eine große Peace Bell, eine Friedensglocke, gießen lassen. Ich habe schon eine, die wiegt 340 Kilo, und jetzt kommt eine hinzu, die 830 Kilo wiegen soll – so eine richtig Große! Bei all meinen Konzerten gibt es immer eine Schweigeminute für den Frieden. Und die wird von einer Friedensglocke eingeläutet.

Und die Geschichte dahinter geht so: Im Ersten und Zweiten Weltkrieg gab es etwa 150.000 Kirchenglocken, die beschlagnahmt wurden, um aus deren Metallen Waffen herzustellen – und ich habe diesen Prozess umgekehrt: Ich habe Granat- und Patronenhülsen aus Kriegsregionen, wie etwa Verdun, gesammelt oder gekauft und das Ganze dann zu einer Friedensglocke verarbeiten lassen. Für die kommende Tour wird nun eben eine mit Kriegsschrott aus der Ukraine angefertigt. Das ist ein kleiner Beitrag, mit dem ich versuchen möchte, in dieser Zeit etwas zu leisten, denn auch wenn hier in Deutschland natürlich nicht geschossen wird, so haben viele Menschen doch sehr, sehr viele Ängste und Sorgen.

Weitere spannende Interviews aus und über die Schlagerwelt gibt es hier:

Mit Rea Garvey haben Sie kürzlich den Song „Best Bad Friend“ aufgenommen. Wie haben zwei so große Namen im deutschen Musikgeschäft zusammengefunden?

Rea hat mich vor drei, vier Jahren angerufen und gesagt: „Du, ich habe Lust, mit dir Musik zu machen!“ Wir haben es aber leider bisher nicht geschafft, unseren Terminkalender passend zusammenzufügen. Und vor einem Jahr war ich bei seiner „Yellow Jacket Session“, einer Show, die er bei YouTube macht. Und da haben wir uns super verstanden und zwar so, als würden wir uns seit Jugendtagen kennen. Bei uns gibt es so viele Parallelen: Wir haben beide irische Wurzeln, kommen beide aus Großfamilien, waren beide in Bands, von denen wir uns gelöst haben und sind beide spirituelle, gläubige Typen. Es war so, als hätte man sich einfach gefunden!

Und dann hatte ich diesen Song „Best Bad Friend“ geschrieben und dachte: „Das ist eigentlich die perfekte Nummer für uns zwei!“ Ich habe ihn dann eingeladen und er fand‘s geil. Dann haben wir die Texte noch zu zweit geschrieben und damit es nicht zu schmalzig wirkt, haben wir beschlossen, uns in dem Song gegenseitig ein bisschen zu dissen. Also in den Strophen geht‘s ordentlich zu, aber einem guten Freund kann man auch ins Gesicht sagen, dass irgendwas nicht okay ist und er nimmt es einem nicht übel, weil er weiß: Es kommt von Herzen! Die Strophen sind Duellmomente, die Chorusse sind Duettmomente – einfach wie es in einer Freundschaft auch ist: durch dick und dünn feiern!

Michael Patrick Kelly und Gentleman chatten „auf dem Pott“ – „Echter“ Erfolg nicht von Charts abhängig

Wie wichtig ist es in der Musikbranche, die ja als hartes Pflaster gilt, genau so einen „Best Bad Friend“ hinter sich zu wissen?

Wenn jetzt junge Menschen ihren Eltern erzählen, dass sie Musiker werden möchten, dann ist die Standardantwort: „Mach was Vernünftiges!“ Vor allem, weil man als Musiker kein festes Einkommen hat.

Rea und ich gehören zu den Künstlern, denen es gut geht, die es geschafft haben – und das auch über die Pandemie! Aber viele Kulturschaffende mussten sich beruflich umorientieren, um über die Runden zu kommen. Und daran zeigt sich, wie wichtig so ein „Best Bad Friend“ eben ist. Da ist jemand, der dich rausholt, wenn du in der Klemme steckst. Die Person in deinen Handykontakten, die du anrufst, wenn du Schwierigkeiten hast, mit dem man aber auch mal selbst Unruhe stiften kann und zusammen über jeden Unsinn lacht.

Ich habe in der Musikwelt schon ein paar solcher Kumpels. Gentleman zum Beispiel ist mein Seelenbruder, wir haben da so eine lustige Art, miteinander zu kommunizieren: Wir schicken uns WhatsApp-Nachrichten, also Sprachmemos, wenn wir auf dem Pott sitzen. Das Gespräch endet mit dem Spülen. „Sing meinen Song“ hat mir überhaupt viele Freundschaften ermöglicht und das war ein großes Geschenk.

In den deutschen Charts sind sie überaus erfolgreich, landeten zuletzt mit ihren Album „B.O.A.T.S“ direkt hinter ABBA auf Platz zwei. Wie nehmen Sie solche Erfolge wahr?

Natürlich freue mich mich über hohe Chartpositionen und Goldene Schallplatten, aber echter „Erfolg” ist für mich etwas anderes. Ich kriege manchmal Rückmeldungen von Menschen, die mir erzählen, dass sie zu einem meiner Songs geheiratet oder ihre Mutter beerdigt haben. 

Ich weiß von jemand, der kurz davor war, sich das Leben zu nehmen. Und dann lief mein Song im Radio und das hat ihn davon abgehalten, diesen Schritt zu gehen. Oder eine Frau, die im Altersheim arbeitet, und in der Pandemie konnte die Familie ihre Oma nicht besuchen. Die Pflegerin hat dann das Handy mit Songs von mir an ihr Ohr gehalten, in der Stunde, als sie starb. 

Oder auch bei Sportlern: Skirennfahrerin Michelle Gisin zum Beispiel, aus der Schweiz, hört einen bestimmten Song von mir, kurz bevor sie auf die Piste geht – und sie räumt dann eine Goldmedaille nach der anderen ab. Das ist für mich Erfolg! Wenn meine Songs im Leben einzelner Menschen, in schönen, aber auch schlimmen Situationen, Relevanz haben.

Michael Patrick Kelly sieht Konzerte als „religiöse Erfahrung“ – Popstar geht ab Herbst wieder auf Tour

Religiosität und Spiritualität sind zentrale Aspekte Ihres Lebens. Immer mehr Leute wenden sich allerdings derzeit vom Glauben ab oder schaffen es gar nicht erst, zu Gott zu finden. Wie ist Ihr Blick auf diese Entwicklung?

Ich kann verstehen, dass es Menschen gibt, die sich wundern, wie es bei so viel Elend in der Welt überhaupt einen Gott geben kann. Meine Gegenfrage ist dann immer: Wer hat den ganzen Scheiß hier angerichtet – er oder wir? 

Mein Interesse für christliche Mystik und Spiritualität fing mit Anhang 20 an. Daraus entstand eine erwachsene, reife Entscheidung, zu glauben, weil es aus meiner Sicht mehr Argumente für die Existenz Gottes gibt als dagegen. Ich kann nicht beweisen, dass es Gott gibt. Aber es kann auch keiner beweisen, dass es ihn nicht gibt! Es bleibt also eine Glaubensfrage...

Mein Verständnis von Gott, als transzendentes Wesen, ist, dass er immer und überall gegenwärtig und dadurch überall ansprechbar ist. Sich an Gott nur dann zu wenden, wenn man keine andere Lösung hat, ist besser als gar nichts!

Der Psychologe Georg Pieper sagte dazu einmal „Auch jemandem, der nicht an Gott glaubt und meint, er könne nicht beten, empfehle ich als Psychologe, es dennoch zu tun!“

Seit Jahrhunderten ist die Musik auch ein Transmitter für den Glauben, dessen Inhalte so Menschen nähergebracht werden sollen. Wieso geht dieses Zusammenspiel Ihrer Meinung nach so gut auf?

Ich glaube, wir Menschen haben von Natur aus auch eine transzendente Ebene. Wir richten uns nach etwas Größerem aus, weil wir nicht nur aus Fleisch und Blut sind. 

Auch in der Musik kann es manchmal so etwas wie eine religiöse Erfahrung geben. Bei einem Konzert etwa, wo du denkst, tausende von Menschen verstehen sich gerade alle so gut – das ist ein magischer Moment, ein Stück Himmel auf Erden. Deswegen sind, so glaube ich, Musik und vor allem Livemusik und eine religiöse Erfahrung nicht weit voneinander entfernt.

Bei einer meiner letzten Shows 2019 beispielsweise, auf dem Münchner Königsplatz, gab es eine so schöne spürbare Dichte in der Luft, die man nur ganz schwer beschreiben kann. Es ist faszinierend, was Musik alles bewegen kann! 

Michael Patrick Kelly sitzt an einem Konzertflügel und singt
Für Michael Patrick Kelly geht es bald wieder auf Tour: Am 24. September 2022 spielt der Superstar auch endlich wieder in München, in der Olympiahalle, ein Konzert und verspricht „Mut, Kraft, Hoffnung, Trost und Freude am Leben“ © Eibner/Imago

Für Sie geht es in wenigen Monaten endlich wieder auf die große Bühne – glauben Sie, dass die Pandemie unseren Blick auf Livemusik verändert hat?

Ja, definitiv. Wenn ich im September auf Tour gehe, dann wird die letzte Tour drei Jahre zurückliegen. Das heißt, ich fühle mich gerade wie so ein Rennpferd, das nur wartet, bis die Schranke aufgeht. 

Ich kriege das ja mit von Kollegen auf Tour: Die Reaktionen sind sehr emotional. Konzerte sollen jetzt nicht Gruppentherapien ersetzen, aber manchmal hat Musik auch eine therapeutische Wirkung und es kann – gerade nach den vergangenen Jahre – einfach mal gut tun, loszuheulen, loszutanzen und vor allem loszulassen.

Konzerte sind jetzt vor allem ein Ort der Freiheit, wo man seine Probleme vergessen kann. Und ich glaube, wenn man genau solche zweieinhalb Stunden in der Olympiahalle in München erlebt, dann hat man wieder Mut, Kraft, Hoffnung, Trost und Freude am Leben.

Im Rahmen seiner „B.O.A.T.S“-Tour spielt Michael Patrick Kelly deutschlandweit zwischen dem 9. September 2022 und 15. Februar 2023 rund zwei Dutzend Konzerte. In München gastiert der Superstar am 24. September 2022 in der Olympiahalle. Tickets in verschiedenen Kategorien gibt es bei allen gängigen Vorverkaufsstellen.

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