Manfred Weßels zieht über seinen Sohn her

„Die ganze Welt soll wissen, was das für einer ist“ - Wendler-Vater legt gegen Sohn nach

Der Vater von Michael Wendler ist auf Werbetour mit einem Buch über seinen Sohn. Im Kreis Soest gibt Manfred Weßels Einblicke ins Wendler-Leben. Das Interesse ist gering.

Bad Sassendorf - Samstagnachmittag, Viertel nach fünf im Parkhotel. Manfred Weßels, Vater von Michael Wendler, sitzt in Bad Sassendorf (Kreis Soest) alleine am Tisch, die Lesebrille bereitgelegt, einen Stapel Bücher vor sich. Eine Fußballmannschaft sollte rüberkommen aus dem Haus gegenüber, damit das Privatfernsehen wenigstens Publikum zum Abfilmen hätte. Es kam aber keiner.

NameMichael Wendler
Geboren22. Juni 1972 in Dinslaken
EhepartnerinLaura Müller (verh. 2020)

Manfred Weßels tourt mit Buch „Die Wahrheit über meinen Sohn Michael Wendler“

Am Ende sammelten sie irgendwen von der Straße ein und setzten sie an die Tische im Parkhotel: Der Vater von Michael Wendler braucht auf seiner Lesereise schließlich nichts dringender als Werbung mit Reichweite, wie es so schön heißt – also über Klatschblätter und Trash-TV, damit die Leute sein Buch kaufen und er als Autor pro Exemplar drei Euro bekommt für „Die Wahrheit über meinen Sohn Michael Wendler“.

So laute die Vereinbarung, erzählt Manfred Weßels und spult ab, was er schon zig Mal in die Kameras geschimpft hat: Dass sein Sohn ihn enttäuscht habe, Unwahrheiten über ihn, seinen Vater verbreite, dass er undankbar sei, dass er ohne ihn, seinen Vater nicht einen Ton würde singen können, im Leben nicht einen Schritt seiner Karriere hätte machen können.

Wie traurig das denn sei, so über Land zu ziehen und schmutzige Wäsche zu waschen? Der Wendler-Vater schaut auf: „Mit dem bin ich fertig, den und alle anderen will ich im Leben nicht wiedersehen – ganz Deutschland, die ganze Welt soll wissen, was er für einer ist.“

Michael Wendler? „Mit dem bin ich fertig“, sagt Vater Manfred Weßels

Also Block raus und mitgeschrieben: Wendler-Vater heißt Manfred Weßels, ist 74 Jahre alt. Sein Arbeitstag beginnt morgens um drei, weil er es nicht dicke hat und immer noch Lkw fahren muss bis irgendwann kurz nach Mittag. Und sauer ist er, weil er von seinem Sohn nicht einen Cent gesehen habe, der aber überall herumerzähle, er würde seinen Sohn ausnutzen und dieses und jenes an Unwahrheiten behaupten.

Michael Wendler: Sein Vater zieht in seinem Enthüllungsbuch über seinen berühmten Sohn her.

Ob das alles denn irgendwen interessiere? Warum man das Buch „Die Wahrheit über meinen Sohn Michael Wendler“ überhaupt lesen solle? Weßels schaut wieder werbewirksam: „Ganz Deutschland soll erfahren…“

Ein Kameramann und ein Klatschreporter werden unruhig: Sie brauchen unbedingt noch Leute, für einen Schwenk ins Publikum, damit es nach was aussieht. In einer Viertelstunde wollen sie los, das Material für die Viertelstunde Sendezeit muss ja noch geschnitten werden.

Wendler-Vater Manfred Weßels: Jeder soll wissen, was das für einer ist

Es kommt aber immer noch kein Publikum, also hat Wendler-Papa noch Zeit für weitere Theorien: Dass der Wendler nie wieder nach Deutschland kommt, weil er sonst sofort einkassiert und vor Gericht gestellt wird, weil er Schulden hat. Wirklich neu ist diese Einschätzung nicht. Dass Michael Wendler und seine Ex-Frau gar nicht geschieden seien, dass der Wendler und seine Laura gar nicht verheiratet seien, jedenfalls nicht in Deutschland, und dass doch eigentlich alle zusammen schön traulich unter einem Dach zusammenwohnen, und dass die ganze Bagage alle drei Monate umziehen müsse, weil der Wendler ja immer nur Häuser anmiete.

Obwohl: Geld genug habe der Wendler ja, wo er doch die Werbeeinnahmen von RTL mitgenommen habe und von hier und von da – ein paar Millionen sollen es schon sein. Er aber, der Wendler-Vater, habe nie auch nur einen Cent gesehen, während sein Sohn praktisch aus allem Geld mache. „Ganz Deutschland soll endlich erfahren…“

Ob er das Buch denn selber geschrieben habe? Aber ja, natürlich, und jedes Wort sei wahr. Manfred Weßels schaut: Nun gut, er habe da jemanden gehabt, einen Co-Autor. Wer schreibe sein Buch schon alleine? Ob das Ganze nicht einfach eine Gelddruckmaschine sei, ob es nicht sein könne, dass die Regenbogenpresse die Wendlers mit Wonne gegeneinander hetzen, damit jeder sein Geld daran verdient? Doch jetzt heißt es Kamera an. Die Brille aufgesetzt. Manfred Weßels liest.

Mickie Krause vs. Markus Becker: Die Partyschlager-Stars zoffen sich öffentlich via Instagram. Es geht um einen Song und die Frage, von wem das Original ist. *soester-anzeiger.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd

Auch interessant

Kommentare