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Jagger im tz-Interview: "Brown kam von ganz unten"

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Mick Jagger
Mick Jagger. © AFP

Los Angeles - Im tz-Interview spricht Mick Jagger über den James-Brown-Film, den er produziert. Zudem verrät er, wie er sich auf Tournee merkt, wo er gerade ist.

Dünn war er schon immer, aber jetzt ist Mick Jagger (71) echt hager. Und die Falten haben sich noch tiefer in sein Gesicht gegraben. Charisma strahlt der Rolling-Stones-Boss aus wie eh und je, doch das Selbstmord-Drama um seine Freundin L’Wren Scott († 49) im März hat Spuren hinterlassen. Es war eine schwere Zeit, aber er hat sich wieder zurechtgefunden. Wie? „Indem ich an der Europa-Tournee der Stones gearbeitet habe.“ Und als Produzent an einem Film. Er heißt Get On Up und beschreibt Aufstieg, Fall und Wiederauf-erstehung einer Showbusiness-Legende: James Brown. Das Interview:

Mr. Jagger, was hat Sie am Godfather of Soul so fasziniert?

Mick Jagger: Dass er von ganz unten kam und nichts hatte. Nur den absoluten Drive, ein Star zu werden. Dafür hat er wie ein Verrückter gearbeitet. Der Film zeigt, was mit deiner Persönlichkeit passiert, wenn du dein Lebensziel plötzlich erreichst.

Haben Sie Brown persönlich gekannt?

Jagger: Ja. Ich habe ihn mit 21 im berühmten Apollo Theater in Harlem getroffen. Wir sind nach ihm aufgetreten. Später haben wir hinter der Bühne zusammen abgehangen.

War er nett?

Jagger: Er war großzügig und nett. Was nicht unbedingt typisch für ihn war.

Waren Sie befreundet?

Jagger: Wir waren keine engen Freunde, aber gute Bekannte. Und für mich war er in einigen Dingen ein Vorbild. Ich habe ihn studiert, mit welcher Energie er auf der Bühne losgelegt hat. Und ich gebe zu, dass ich einige von James’ Moves geborgt habe.

Sie haben ihn bewundert?

Jagger: Ja, in vielerlei Hinsicht. Insbesondere dafür, dass er nie mit dem Erreichten zufrieden war.

Aber Brown hatte auch dunkle Seiten. Gefängnis, Drogen, häusliche Gewalt. 

Jagger: Wir zeigen im Film einiges, das Brown in einem nicht so guten Licht erscheinen lässt. Aber wir übertreiben nicht. Am Ende sollten die Zuschauer auf seiner Seite bleiben.

Wenn man einen Film über Ihr Leben dreht …

Jagger: … dann hoffe ich, dass man genauso die negativen Aspekte nicht zu sehr in den Vordergrund stellt. Sonst wird es ein echt fieser Film (grinst).

Brown wurde von beiden Eltern im Stich gelassen. Für Sie als Vater ist das sicher unvorstellbar.

Jagger: Auf jeden Fall. Persönlich gibt es für mich nichts Wichtigeres, als immer für seine Kinder da zu sein. Wobei es für einen Jungen vielleicht nicht das Schlechteste ist, in einem Bordell groß zu werden (lacht). Nicht, dass ich mir das für meine Söhne oder Enkel wünschen würde.

Brown hat in Ihrem Alter noch Spagat auf der Bühne gemacht. Wie fit sind Sie?

Jagger: Einen Spagat habe ich seit Jahrzehnten nicht mehr hingelegt. Aber ich bin fit genug, um aufzutreten. Und werde es so lange tun, wie es geht.

Ihr Kollege Roger Waters hat Sie dafür kritisiert, dass Sie mit den Stones im Juni in Israel aufgetreten sind.

Jagger: Ich habe keine Kritik vernommen.

Sollten sich Künstler in weltpolitische Angelegenheiten mischen?

Jagger: Wenn Sänger über politische Ansichten reden wollen, ist daran nichts Verwerfliches. Wir Künstler sind ein Teil der Gesellschaft und spiegeln deren Meinung wieder.

Sie haben mit 71 mehr Sexappeal als manch ein 30-Jähriger. Wird man damit geboren?

Jagger: Danke für die Blumen! Ich bin auf eine Sex-Appeal-Schule gegangen, die ich sehr empfehlen kann (lacht). Ich glaube, es ist etwas, was man in sich hat. Man muss nur lernen, es auf der Bühne richtig rauskommen zu lassen. Ich mache das, indem ich sehr laut und voller Enthusiasmus bin.

Im Oktober starten Sie Ihre Tournee. Wissen Sie eigentlich immer, wo Sie sind?

Jagger: Natürlich. Ich weiß immer, wo ich bin. Ich schreibe immer den Namen der Stadt auf den Spiegel im Hotelbadezimmer …

Ron Wood hat gesagt, die Stones seien viel ruhiger geworden. Was zur Schlagzeile führte „Die Stones spielen lieber Backgammon als mit Groupies”. Sagen Sie bitte, es stimmt nicht.

Jagger (spöttisch): Bitte, es stimmt nicht.

Dierk Sindermann

Godfather auf der Leinwand

Mitte Oktober kommt der Film Get On Up in die Kinos. Unter der Regie von Tate Taylor spiel Chadwick Boseman den Godfather of Soul. James Brown kam 1933 in South Carolina auf die Welt. Von den Eltern verlassen, geriet der junge Brown zunächst auf die schiefe Bahn und wurde wegen bewaffneten Überfalls eingebuchtet. Entdeckt wurde er dann 1955 als Sänger der Famous Flames. Sein größter Hit dann als Solokünster war Sex Machine. James Brown starb 2006 in Atlanta.

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