Moderator der „Hitparade“

Heck, Heck, Hurra! Dieter Thomas feiert seinen 80. Geburtstag

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Lebensleistung: Manche Medien verrissen die erste Sendung von 1969. Doch die ZDF-„Hitparade“ mit Dieter Thomas Heck wurde ein Klassiker – auch, weil die Sendung anders war als alles andere im deutschen Fernsehen.

Mit der „Hitparade“ revolutionierte er das deutsche Fernsehen – am Samstag feiert Dieter Thomas Heck seinen 80. Geburtstag. Aber warum redete Heck eigentlich in der Kult-Sendung so schnell?

Berlin - Der König der Siebziger wird 80. Denn das kunterbunte Prilblumen-Jahrzehnt – das war die große Zeit von Dieter Thomas Heck. In seiner ZDF-„Hitparade“, die er 183 Mal moderierte, entschied sich, ob ein Schlager zum Hit taugte oder als Flop unterging. Die „Hitparade“ war und ist Kult. Und das, obwohl die „Bild“-Zeitung Heck und seine Sendung nach der ersten Ausgabe 1969 in Grund und Boden schrieb: „Die Sänger flüsterten. Der Showmaster schrie.“ Den Erfolg hat der Verriss nicht verhindert. Heute feiert der einstige Schnellsprecher der Nation, der mit Ehefrau Ragnhild, seinem „Hildchen“, in Águilas in Spanien lebt, seinen 80. Geburtstag.

Heuer im März wurde Heck mit der Goldenen Kamera geehrt.

Aber warum redete Heck eigentlich so schnell? Warum rasselte er die Namen sämtlicher „Hitparaden“-Mitarbeiter einschließlich Szenenbild-Zungenbrecher Joachim Czerczenga in gut 14 Sekunden herunter? Die Antwort überrascht: Weil der gebürtige Flensburger stotterte, seit einem Fliegerangriff auf Hamburg 1943: „In jener schrecklichen Nacht hatte ich meine Sprache verloren.“ Schnellsprechen war seine Therapie. Er flog einfach über die Worte hinweg. Dieses Talent half ihm bereits als Autoverkäufer bei Borgward. Danach sattelte er um, auf Schlagersänger. „Hippe di Hopp, mein Mädchen“ hieß 1959 seine erste Single. Sein Name wurde immer kürzer. Aus Carl-Dieter Heckscher wurde Dieter Heckscher – und bald darauf Dieter Heck. Das war allerdings ein Problem, denn bei Radio Luxemburg, bei dem Heck als Discjockey immer populärer wurde, gab es schon zu viele Dieters. Und so suchte die „Bravo“ in einer Umfrage einen zweiten Namen für ihn. Dabei standen auch Pit, Kai und Holger zur Auswahl. Beinahe wäre es also zu „Dieter Holger Heck“ gekommen. Doch die Leser entschieden sich für den Thomas.

Sein zackiges „Zett-De-Eff“

Seinen neuen Namen nahm er mit in seine neue Heimat. Studio 1 der Berliner Unionfilm. Sagenumwoben. „Hier ist Berlin!“ – die Begrüßung wurde legendär, genau wie sein zackiges „Zett-De-Eff“. Erfinder der Sendung war Star-Regisseur Truck Branss. Eigentlich hieß er ja nur Kurt Branss – aber Truck klang lässiger, amerikanischer, und das Studio war sein Highway. Der „Hitparaden“-Herrscher richtete über die Stars, über ihre Kleidung, und schickte Marianne Rosenberg zum Einkaufen: „Mädchen, das Abendkleid nützt nichts, wenn Du darin rumläufst wie ein Bauerntrampel.“ Der brillante Macher, der Schlager-Despot, wollte Heck nach zwei Jahren feuern, weil ihm der Moderator zu populär wurde. Die Intrige scheiterte, „Mr. Hitparade“ blieb.

Der „Hitparaden“-Herrscher und „Mr. Hitparade“: Regisseur Truck Branss und Dieter Thomas Heck im Studio 1

Was Branss in Studio 1, das inzwischen längst abgerissen ist, auf die Beine stellte, war revolutionär. Das ist auch heute noch zu erahnen – auf Youtube, oder in der „Kultnacht Hitparade“, die das ZDF in der Nacht auf 31. Dezember um 0.20 Uhr zeigt. Die Sänger, Chris Roberts oder Rex Gildo, mitten unter den 450 Zuschauern auf den Stahlrohrtribünen. Dorthe Kollo brachte ihren Hund mit auf die Bühne und flirtete mit den Kameramännern – das war völlig neues Fernsehen. Und mittendrin Heck, bei dem sich Krawatten, Koteletten und Gold-Armbänder einen Kampf um die maximale Breite lieferten. Als in den Achtzigern die Lümmel der Neuen Deutschen Welle durchs Studio tobten und als sogar der junge Dieter Bohlen („Halé, Hey Louise“) vorsingen durfte, verlor Heck zunehmend die Lust. Er übergab 1984 an Viktor Worms, und die Sendung verschwand in der Bedeutungslosigkeit.

„Die Pyramide“ und „Melodien für Millionen“

Seit 1976 ist Heck in zweiter Ehe mit Ragnhild Möller verheiratet.

Dieter Thomas Heck blieb dagegen auch danach eines der wichtigsten ZDF-Gesichter. Er moderierte „Die Pyramide“ und die „Melodien für Millionen“. Er reanimierte seine Schauspieler-Karriere, spielte im „Tatort“ oder in der „Praxis Bülowbogen“. Als sich das Zweite 2007 wieder einmal verjüngen wollte, wurde Hecks Vertrag nicht mehr verlängert. Der Abschied verlief weder schmerz- noch reibungslos, mit Ruhm bekleckerte sich das ZDF offenbar nicht. Zuletzt war Dieter Thomas Heck vergangenen März bei der Verleihung der Goldenen Kamera für sein Lebenswerk zu sehen, gesundheitlich angeschlagen. Herz, Lunge und Diabetes, so hört man, machen ihm Probleme. Seinen 80. feiert er trotzdem und nennt ihn seinen „Tag der offenen Tür“: „Ich habe die Bekannten und Freunde gebeten, ihn zu nutzen, wenn sie mich sehen und mir gratulieren wollen.“

Sondersendung: Das ZDF würdigt Dieter Thomas Heck am 31. Dezember. „Die ZDF-Kultnacht“, von 0.20 bis 2.50 Uhr, zeigt die besten Momente der ZDF-„Hitparade“ aus den Jahren 1978 bis 1984.

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