Kabarettistin bringt Buch heraus

Corona: Monika Gruber wettert gegen Politiker - „Wird viele Existenzen für immer auslöschen“

Monika Gruber, Schauspielerin und Kabarettistin.
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Kabarettistin Monika Gruber hat ein Buch geschrieben.

Kabarettistin Monika Gruber hat ein Buch geschrieben. Im Interview spricht sie über ihr neues Buch, Corona und die „Nazikeule“.

  • Kabarettistin Monika Gruber hat sich 2020 eine Bühnenpause verordnet.
  • In der Corona-Pandemie ist „die Gruberin“ jedoch nicht untätig geblieben.
  • In einem Interview spricht die 49-Jährige über ihr neues Buch und Corona.

München - Für dieses Jahr hatte sich Monika Gruber eine Bühnenpause verordnet, ließ sich nur für ein paar Fernsehauftritte blicken. Untätig war die 49-Jährige aber nicht – trotz Corona*. Zusammen mit Andreas Hock schrieb sie ein Buch mit dem unmissverständlichen Titel „Und erlöse uns von den Blöden“ (Piper, 240 Seiten; 20 Euro). Ein Interview.

Sie wenden sich gegen „Blockwarte“ ebenso wie gegen die, denen „Autoritäten jeder Art schon immer am Arsch vorbeigegangen sind“. War das Land schon vorher so gespalten? Oder verändert Corona gerade völlig unser Zusammenleben?
Ich glaube, Corona ist wie eine Art Katalysator, der Entwicklungen verstärkt, die es vorher schon gab. Darüber hinaus haben wir wirklich nicht nur fette Jahre, sondern fette Jahrzehnte hinter uns: mit enormen Wachstumsraten und geringer Arbeitslosigkeit. Und wir verfügen über eine Art All-Inclusive-Sozialstaat. Das fördert weder individuellen Ehrgeiz, noch Konfliktfähigkeit und hat dazu geführt, dass wir Deutschen gern die Verantwortung abgeben. Der Staat soll bitteschön unsere Kinder aufziehen, sich um die Alten kümmern, dafür sorgen, dass man zweimal im Jahr billig nach Malle oder Hurghada fliegen kann. Und plötzlich kommt so ein kleines Virus daher, und der Einzelne soll plötzlich wieder eigenverantwortlich agieren? Logisch, dass da die Mehrheit völlig überfordert ist.
Sie beziehen Position gegen das, was „geschlechtergerechte Sprache“ genannt wird – dafür werden Sie von Ihren Geschlechtsgenossinnen nicht nur Beifall bekommen …
Lieber Herr Ogiermann, Sie als Journalist sollten doch am besten wissen, dass es nicht mehr „Geschlechtsgenossinnen“ und auch nicht mehr „Frauen“ heißt, sondern dass der gewünschte und absolut gendergerechte Ausdruck heutzutage „menstruierende Menschen“ lautet. Das nun finde ich als Frau in der Menopause, also gewissermaßen als post-menstruierender Mensch, wiederum diskriminierend, denn ich möchte nicht einzig und allein über die Funktion meiner Eierstöcke definiert werden. Darüber hinaus bin ich der festen Meinung, dass die herbeigesehnte Gleichberechtigung nicht durch eine Verhunzung unserer Sprache erfolgen wird, sondern eher durch Loyalität und Solidarität unter Frauen. Da gibt es noch gehörig Nachholbedarf. Wer ein Gendersternchen braucht, um den Wert einer Frau zu erkennen, dürfte jedenfalls ein ganz anderes Problem haben.
Apropos Beifall – Sie beklagen die „Nazikeule“, der auf jeden niedersaust, der nicht aufpasst, was er sagt. Sogar durch die Kabarettistenzunft scheint da ein Riss zu gehen. Wie ist es dazu gekommen? Weil auch früher „Unsagbares“ sagbar geworden ist? Oder weil die Moralisten noch moralischer geworden sind? Oder ist das alles ein Missverständnis?
Das ist kein Missverständnis, sondern eine Diskrepanz in der Berufsauffassung. Die einen wollen belehren, die anderen unterhalten. Und es liegt einzig und allein am Publikum zu entscheiden, ob es nochmal die Schulbank drücken oder sich einfach amüsieren möchte. Der französische Autor Michel Houellebecq sagte kürzlich, er mache sich große Sorgen, dass die Grenzen dessen, was sagbar ist, immer enger würden. Ich finde, dass wir viel offener und ehrlicher über manche gesellschaftliche Entwicklung diskutieren müssten – gerade, weil wir den Populisten keine Profilierungsmöglichkeit geben sollten.
Viele Kabarettisten sind durch die Schließung der Bühnen in existenzieller Not. Wie sehen Sie die Branche? Und wie geht’s Ihnen persönlich?
Ich hatte tatsächlich in diesem Jahr mehr Glück als Verstand, denn ich hatte sowieso ein Jahr Auszeit von mir selbst genommen. Allerdings müsste ich jetzt bereits meine neue Tour planen, was aufgrund der sich ständig ändernden Regeln quasi unmöglich ist. Dass Kulturschaffende offensichtlich nicht systemrelevant sind, kommt einem Berufsverbot gleich und wird viele Existenzen in allen Bereichen der Kultur für immer auslöschen. Die Treiber der Pandemie, um den unseligen Wortschatz unserer Politiker zu bemühen, waren sicher nicht in den Theatern, Kinos oder Konzertsälen dieses Landes zu finden. Ich hoffe, dass der Engel Aloisius es doch noch irgendwann vom Hofbräuhaus in die Staatskanzlei schafft und ein paar göttliche Eingebungen weitergibt.
„Mir wäre es gar nicht so wichtig, dass die Welt eine bessere wird. Mir würde es schon reichen, wenn sie wieder so ähnlich würde, wie sie vor Corona war“, schreiben Sie am Ende Ihres Buches. Ihre Prognose?
Es wird eine Zeit vor und eine nach Corona geben. Ich denke, nichts mehr wird so, wie es war. Wichtig ist nur, das Lachen nicht zu verlernen und nichts allzu ernst zu nehmen. Auch nicht dieses Buch.

Kabarettistin Monika Gruber kam im Frühjahr aus Italien* und musste in Heim-Quarantäne. Den Italienern stellt sie ein gutes Zeugnis aus, für Deutsche gibt‘s auch Kritik. *tz.de und Merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

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