Münchner Regisseur

Unser Oscar-Held: Lennart Ruff (28) stellt sich vor

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Studenten-Oscar für Lennart Ruff (28) und seinen Film ­„Nocebo“.

München - Lennart Ruff ist 28 Jahre jung, Regisseur und hat für seinem Film "Nocebo" einen Studenten-Oscar bekommen. Im tz-Interview stellt sich er sich vor und verrät, warum er auf ein großes Hollywood-Budget verzichten würde.

Filmreife Leistung: Lennart Ruff, 28 Jahre jung und Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen in München, hat einen Studenten-Oscar gewonnen (tz berichtete). Es ist bereits der dritte für das Haus – bisher haben die renommierte Auszeichnung Katja von Garnier (Abgeschminkt, 1994) und Florian Gallenberger (Quiero ser, 2001) erhalten. Damit Ruff nicht der unsichtbare Dritte bleibt (Thriller liebt er übrigens), möchte wir ihn hier vorstellen.

Herr Ruff, Glückwunsch zum Oscar! Wann haben Sie davon erfahren?

Lennart Ruff: Am Mittwochabend. Aber bis Freitag mussten wir alle stillhalten, bis die Academy die Gewinner offiziell machte. Die engsten Freunde wurden aber schon informiert, und die kamen alle zu uns.

Zu uns?

Ruff: Zu meiner Frau Maggie, unserem Sohn und mir in die Wohnung am Kolumbusplatz.

Und was sagt Ihre Frau zum Erfolg?

Ruff: Wir sind alle sehr glücklich und stolz – meine Frau hat das Drehbuch geschrieben, wir sind ein eingespieltes Team.

Ist Ihr Sohn schon ein Filmfan?

Ruff: Der interessiert sich naturgemäß vor allem für Fußball und Kettcar. Er hat allerdings mal Pippi Langstrumpf gesehen, das fand er toll. Und er erzählt gerne Geschichten …

Ist das auch die Hauptmotivation für Sie, Filme zu machen: Geschichten erzählen?

Ruff: Ich glaube, das trifft auf jeden Regisseur zu. Mit Geschichten Menschen zu berühren – egal, in welchem Genre.

Sie haben ein Faible für Action …

Ruff: Stimmt. In der Filmhochschule konnte ich während meines Studiums viel ausprobieren – sie ist ja wie ein Schutzraum, ein Experimentierfeld –, aber ich wollte immer das machen, das ich als Jugendlicher am liebsten gesehen habe: vor allem Thriller und Action.

Was waren einige prägende Beispiele für Sie?

Ruff: Tom Tykwers Lola rennt etwa. Da merkte ich zum ersten Mal, was man mit Film alles machen kann und auch, wie gut der deutsche Film sein kann. Zudem habe ich ungefähr 35-mal Das Boot gesehen. Immer wieder mal. Man sieht einen Film ja nie gleich. Filme leben mit einem und sagen einem, wie man sich selbst verändert. Film ist also immer auch eine Art Dialog mit dem Zuschauer.

Ihr preisgekrönter Spielfilm „Nocebo“ spielt im Pharma-Milieu und deckt dunkle Machenschaften auf. Worum geht’s genau?

Ruff: Es ist erst einmal ein Film über Liebende. Darüber, wie weit ein Mensch geht, um seine große Liebe zu retten. Die Ansiedlung im Pharma-Milieu und ein tödliches Medikament ist ein perfekter Aufhänger. Und es geht um die Frage: Was ist real, und was bildet sich der Hauptdarsteller, der an Schizophrenie leidet, nur ein? So etwas geht im Genre Film besonders gut: Das Medium ist erst einmal unecht, da wird Licht durch Projektoren geschossen. Aber die Gefühle, die man erzeugen kann, sind echt.

Mal angenommen: Sie haben ein Hollywood-Budget von 800 Millionen Dollar, kriegen jeden Schauspieler und dürfen hemmungslos drauflos drehen. Wen würden Sie nehmen, was würden Sie verfilmen?

Ruff: Ich wäre völlig überfordert (lacht). Auf jeden Fall brauche ich wie immer einen Autoren, denn ich kann nicht gut schreiben. Aber ich brauche keine Superstars, und ein 800stel an Budget reicht mir auch – na ja, ein bisschen mehr wären schon gut … Aber wir haben so wunderbare Leute und Filme in Deutschland, die keiner kennt – wir sollten lernen, mehr zu schätzen, was wir haben. Vieles bleibt auch wegen der mangelhaften Vermarktung unbekannt.

Den ersten Schritt raus in die Bekanntheit haben Sie gemacht. Zieht es Sie aus München fort, wenn die Karriere weiter steil aufwärts geht?

Ruff: Nein, ich bleibe hier. Ich bin hier so hingerutscht. Vorher war ich in Hamburg, davor in Rom, aber schließlich hier hängengeblieben. Ich mag die Menschen, die sehr offen sind. Und auch beruflich ist München ein toller Standort: nicht so groß wie Berlin, aber nicht zu klein. Die Stadt hat den Blick nach außen.

Matthias Bieber

Am 9. Juni erhält Ruff den Oscar in Los Angeles. Wahrscheinlich noch in diesem Jahr wird „Nocebo“ in einem ­Sender der ARD (Bayerisches Fernsehen, Arte) ausgestrahlt.

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