tz-Serie: Die junge Society Münchens

"Jetzt geh' ich nicht mehr weg"

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Früher ­wollte Natalie Zarazik (32) nie in die Gastro, heute liebt sie die Arbeit im Paulaner im Tal

München - In einer siebenteiligen Serie stellt die tz die junge Münchner ­Society vor und ­beantwortet die ­wichtigsten Fragen zu den Youngsters. In dieser Folge: Natalie Zarazik.

Sie sind jung, sie sind hip und sie haben noch viel vor: In der Münchner Gesellschaft rücken die Jungen nach. Doch sie möchten mehr sein als nur Söhne und Töchter von Eltern mit wohlklingenden Namen. Viele steigen ins Familiengeschäft ein, manche ziehen etwas ­Eigenes auf. Die einen lieben das gemütliche ­München und wollen niemals von hier weg, die anderen zieht es in die Ferne nach ­Mailand, Paris oder New York. In sieben Folgen stellt die tz die junge Münchner ­Society vor und ­beantwortet die ­wichtigsten Fragen zu den Youngsters: Wie sie ­leben, wo sie feiern, was sie bewegt und wovon sie träumen ...

"Jetzt geh' ich nicht mehr weg"

E s war nie ihr Plan, zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater zu arbeiten, aber irgendwie hat es sich für Natalie Zarazik (32) ­einfach so ergeben. „Ich fühl’ mich hier wahnsinnig wohl, ich bin glücklich, was soll ich da in New York oder sonstwo?“, fragt sie und schaut sich zufrieden um im Wirtshaus Paulaner im Tal. Zusammen mit ihrer Mutter kümmert sie sich um die Buchhaltung, plant Veranstaltungen, verbessert den Internetauftritt und schaut, wo man noch was einsparen kann. Eine Aufgabe, die sie voll und ganz erfüllt und natürlich auch ihre Eltern glücklich macht: Mama ­Ingrid und natürlich auch ihren Stiefvater, den Haferlgucker Putzi Holenia.

Natalie selbst lässt das „Stief-“ vor dem Vater weg und erinnert sich noch gut daran, wie es war, nachdem ihre ­Mutter den Putzi in seiner St. Emmeramsmühle in Oberföhring kennengelernt hatte und ihn ihrer siebenjährigen Tochter vorstellte. „Am ­Anfang hab’ ich gedacht: Um Gott’ s willen“, sagt sie und lacht. „Da bin ich bisschen erschrocken, weil er im Gesicht so voller Bart war, so groß, und mit der Lederhose ...“

Aber der Putzi hat das ­kleine Mädchen mit seiner herzlichen und fröhlichen Art schnell für sich gewonnen, hat mit ihr ­Erbsen durchs Lokal geschossen und ihr gezeigt, dass ­München genauso schön sein kann wie Wiener Neustadt in ­Niederösterreich, wo sie aufgewachsen ist. „Das war gar nicht so viel anders. Wir haben in Oberföhring gleich neben der St. Emmeramsmühle ­gewohnt, zur Grundschule musste ich nur den Hügel rauf, da habe ich von der Stadt gar nicht so viel mitbekommen.“

Die Freunde, klar, die hat sie am Anfang schwer vermisst, auch die Großeltern und ­natürlich ihren Vater Anton, der bis heute in Wiener Neustadt lebt. „Aber richtig schlimm war’s nicht. Es war ja immer was los bei uns.“ Die Leute strömten damals in den angesagten Biergarten vom Putzi, Leute wie Franz Josef Strauß, Boris ­Becker oder auch mal Jack Nicholson gingen ein und aus, und es gab immer ein paar Kinder und Hunde zum Spielen.

Lustig war das und wurde erst ernst, als Natalie mit 15 raus wollte und auf die Hotelfachschule Schloss Klessheim in Salzburg wechselte. „Ich wollte nie im Restaurant arbeiten, sondern ins Hotelfach, das habe ich mir immer toll vorgestellt“, sagt sie, und war dann von der Ausbildung doch ziemlich ernüchtert. Unterricht von viertel vor acht bis 17 Uhr, eine Schul-­Uniform, bei der sowohl die Farbe der Strumpfhose wie die Länge des Rocks genau vorgegeben waren, und ein großer Park, der die Mädels von den Buben trennte. „Teilweise war das richtig schlimm, und ­teilweise auch wieder toll.“ Wie ­damals, als Natalie und ihre Mitschüler in die Hauptstadt Doha des Emirats ­Katar flog, um dort beim ­islamischen Weltkongress die Staatsoberhäupter zu ­bedienen.

Unmöglich für die 1,86 Meter große Blondine, da nicht aufzufallen. Der Protokollführer des damaligen Kronprinzen Abdullah ibn Abd al-Aziz von Saudi-Arabien stellte sie auch sofort zu dessen persönlichen Diensten ab und schärfte ihr ein, den Kronprinzen nur niemals direkt anzuschauen! Und kippte fast aus den ­Latschen, als sich der Kronprinz und heutige König nach zwei Wochen des ­augenkontaktlosen Putzens und Servierens von der ­Österreicherin die Hand schütteln ließ und sich bei ihr und ihren Mitschülern ­bedankte. „Ich hab’ einfach gefragt, ob wir uns von ihm verabschieden können“ – so einfach kann es sein, wenn man sich nur traut.

Natalie nimmt die Dinge immer schon gern selbst in die Hand, liebt es, zu organisieren und Ordnung ins ­Chaos zu bringen. Das hat sie nach der Schule zwei Jahre im Arabella Sheraton ­gemacht, das heute Westin Grand heißt, wo sie immer gerufen wurde, wenn eine Veranstaltung mit vielen Gästen aus dem Ruder lief. Und das macht sie heute auch, wenn sie im Paulaner im Tal Veranstaltungen für mehrere hundert Gäste plant. Warum sie nicht im Hotel geblieben ist, obwohl es immer ihr großer Traum war? „Dafür hätte ich erst zwei Jahre in einem Hotel in Spanien arbeiten müssen, und das wollte ich auf keinen Fall.“

Nur zur Überbrückung hat sie dann angefangen, im Paulaner auszuhelfen, bis ­ihre Mutter sie gefragt ­habe: „G’fallts dir eigentlich? Schau’s dir halt noch an ...“ Das war vor sechs Jahren, und bereut hat diese ­Entscheidung keiner der ­Beteiligten. „Ich bin meiner Mutter als Jugendliche ja öfter davongerannt, und heute bin ich jeden Tag froh, dass sie da ist – und der Putzi!“

Nur eines, das ist nicht so ideal an der Konstellation: Wie früher zu dritt in die ­Ferien fahren, ist nicht mehr drin. Das Lieblingsziel war immer der ­Wörthersee, den Natalie heiß und innig liebt. Ganz früher hat sie dort mit ­ihrem Vater, ihrer Mutter und der Oma Gerti Urlaub gemacht. Dann mit dem ­Putzi und der Mama, und sie hat in den Ferien in der Disco und im Casino gejobbt und immer ihren Geburtstag am 6. August dort gefeiert. „Da riecht es nach Wald und nach Bergen, da ist immer frische Luft“, schwärmt sie und kriegt einen ganz sehnsüchtigen Blick. Eine ­Wiese und ein See, das ist der Niederösterreicherin lieber als Sand und Meer. Und dann fühlt sie sich auch daheim. „Darum gefällt’s mir in München so gut. Da ist gar nicht so viel Unterschied, nur, dass da halt noch Stadt ist.“

Weg will sie jetzt nicht mehr. Nicht nach dem frühen Umzug in der Kindheit und den fünf Jahren auf der ­Hotelfachschule in Österreich. „Schöner als hier geht’s nicht“, da ist sie sich sicher. Mittlerweile mag sie die ­bayerischen Traditionen, die Dirndl, die sie früher „super peinlich“ fand, das Maibaumaufstellen in Solln, wo ihr Freund, der Unternehmer Harry (43) wohnt, und wo die beiden gerade eine Wohnung suchen.

Irgendwann wird Natalie das Paulaner im Tal einmal alleine führen, gerne noch mit einer zweiten Wirtschaft oder einem kleinen Hotel dazu. Die Betonung liegt auf irgendwann, denn eilig hat es damit keiner.

Ann-Catherin Karg

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