tz-Interview

Münchner Autorin: "Bei Sex und Kindern lügen Frauen am meisten"

Nathalie Weidenfeld
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Stolz auf ihr neuestes Werk: Nathalie Weidenfeld schreibt in ihrem Buch über das Muttersein.

München - Als dreifache Mutter kennt sich Nathalie Weidenfeld mit den Unwägbarkeiten des Familienlebens aus. Darüber schreibt sie auch in ihrem neuen Buch. Vorher spricht sie mit der tz über das Werk.

Das Klischee einer perfekten Frau, die spielend Beruf und Kinder unter einen Hut bringt, hat Nathalie Weidenfeld (44) gründlich satt. Der dreifachen Mama, Autorin, Dozentin an der LMU und Ehefrau von Philosophie-Prof und Ex-Kulturminister Julian Nida-Rümelin wächst manchmal alles über den Kopf. Dann fängt sie an zu schreiben – kleine, witzige Kurzgeschichten aus dem Familienalltagswahnsinn – und bricht damit so manches Tabu. Mit Juliette (12), Colette (9) und Noel (2) wohnt das Ehepaar in München. tz-Kolumnistin Maria Zsolnay traf Nathalie Weidenfeld zum Erfahrungsaustausch...

Unter der Woche morgens im Café sitzen kommt auch nicht so häufig vor, oder?

Nathalie Weidenfeld: Nein, leider nicht. Wobei ich festgestellt habe, dass ich da ganz gut schreiben kann, wenn ich es mal schaffe.

Zeit ist ja der entscheidende Faktor bei einer dreifachen Mutter mit Beruf. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Weidenfeld: Morgens um halb sieben aufstehen, dann bring ich die Große in die Schule und den Kleinen in die Krippe, die Mittlere macht das selbst – und dann fahr ich zur Uni, heute war ich sogar zuvor schon eine halbe Stunde im Fitnessstudio. Es ist alles wahnsinnig getaktet, wie bei einem Manager. Ein Wahnsinn, den aber alle berufstätigen Mütter gut kennen.

Darum geht es ja auch in dem Buch...

Weidenfeld: Ja. Mütter dürften die Themen gut kennen: Da geht es um Haustiere, den ersten Schultag, die Fahrt in den Urlaub, das Alltägliche mit all seinen Überraschungen und Krisen. Natürlich verdichtet, sonst wäre es ja kein Buch.

Es ist aus der Perspektive der kleinen Leonie erzählt...

Weidenfeld: ...ja, aber die eigentliche Hauptfigur ist die Mutter! Das Buch richtet sich daher vor allem an Mütter, seiende, werdende, gewesene und weniger an Kinder. Ich habe gemerkt, dass es mir ganz gut tut, diesen Wahnsinn humorvoll zu verarbeiten. Das hat etwas Therapeutisches. Ich finde, es tut auch gut, von anderen Frauen zu hören, wie anstrengend das alles ist. Es mit Humor zu nehmen ist besser, als sich zu beklagen.

Das heißt, Sie bleiben immer ruhig und lächeln nervige Momente einfach weg?

Weidenfeld: Schön wär’s! Mir gehen oft die Nerven durch und ich flippe aus. Ganz ehrlich, ich finde Kinder sind die größte existenzielle Herausforderung unseres Lebens.

Warum?

Weidenfeld: Man lernt Seiten an sich kennen, die, ja, man

Nathalie Weidenfeld (l.) im Gespräch mit Maria Zsolnay

vielleicht nicht so gerne kennengelernt hätte. Damit muss man sich auseinandersetzen.

Haben Sie das Gefühl, in Ihrem Leben etwas verpasst zu haben aufgrund der Kinder?

Weidenfeld: Nein, im Gegenteil. Es hat mich als Mensch ganzer gemacht, mich in den Zyklus des Lebens eingebunden, sonst wäre aus mir vielleicht eine distanzierte Intellektuelle geworden. Ich bereue nichts und verpasst habe ich auch nichts. Ich bräuchte nur manchmal so ein T-Shirt, wo „Haussklavin“ draufsteht (lacht).

Haben Sie denn keine Unterstützung?

Weidenfeld: Natürlich! Ohne Hilfe ginge es ja gar nicht. Und das ist ein Punkt, der mich ärgert: Wenn Prominente sagen, wie toll sie alles hinbekommen, den Beruf, die Kinder und dabei die Hilfe, die sie bekommen, einfach unter den Tisch kehren. Wie etwa Verona Feldbusch oder Frau von der Leyen. Was ist denn dabei, sich Hilfe zu holen? Warum muss man sich als Übermutter stilisieren? Ich habe einen Krippenplatz, meine Mutter hilft, wo sie kann, und eine Babysitterin habe ich auch ab und an – ohne diese Infrastruktur würde es niemals gehen.

Müssen wir die Männer mehr einbinden?

Weidenfeld: Ich denke, die Nummer mit dem Hausmann ist für die wenigsten ideal, weder für ihn noch für sie. Früher in meiner feministischen Phase habe ich das anders gesehen. Wenn ein Mann einen 60 Stunden Job hat und die Frau nicht – soll er dann wirklich am Abend noch die Unterhemden bügeln, nur weil wir dann sagen können, wir seien emanzipiert? Das ist doch Quatsch.

Wickelt Ihr Mann denn?

Weidenfeld: Ja, klar, und er macht es auch, wenn er da ist. Aber die wenigsten sagen doch, wie es wirklich zu Hause aussieht. Ich würde sagen, Sex und Kinder sind die beiden Themen, bei denen die Frauen am meisten lügen.

Jetzt mal ehrlich, wann schreiben Sie?

Weidenfeld: Vor allem in den Ferien. Wir machen lange Sommerurlaube am Meer. Mein Mann schreibt vormittags und nimmt dann nachmittags die Kinder mit zum Strand. Das ist die Zeit, in der dann ich in Ruhe ­schreiben kann. Herrlich! Zum Strand kann ich nachher immer noch.

Nathalie Weidenfeld liest am Donnerstag, 12.11. um 19.30 Uhr in der Gebeleschule (Gebelestr. 2) aus ihrem Buch.

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