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Filmball: "An großen Namen fehlt es nicht"

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Von: Maria Zsolnay

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Alfred Holighaus, Filmball, München
Er ist der neue Gastgeber des Deutschen Filmballs: Alfred Holighaus, Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft. © Weißfuß

München - Für die Branche ist er der krönende Abschluss der Münchner Filmwoche, für Autogrammjäger und Fans die Gelegenheit den Stars näherzukommen: der Deutsche Filmball.

Am kommenden Samstag, 16. Januar, wird vor und im Hotel Bayerischer Hof der rote Teppich ausgerollt. Erwartet werden über 1000 Gäste, darunter wichtige Filmschaffende, große Schauspieler, bekannte Musiker, einflussreiche Politiker. Neu in diesem Jahr: der Gastgeber. Alfred Holighaus (56). Der Autor, Filmkaufmann und Journalist ist seit März neuer, hauptamtlicher Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) und somit Gastgeber des 43. Filmballs. In der tz verrät er, was er ändern will...

Das ist Ihr erster Filmball als Gastgeber – was werden Sie ändern?

Alfred Holighaus: Gerade weil es mein erster Ball als Gastgeber ist, werde ich nicht gleich alles über den Haufen schmeißen. Die Paarung beim Eröffnungstanz wird definitiv eine andere sein. Natürlich freue mich schon auf die Ministerin Aigner. Und ich werde sie hoffentlich nicht enttäuschen. Deshalb übe ich noch ein bisschen, denn ich gehöre zu der Generation, die nicht in der Tanzstunde war. 

Außer auf dem Parkett ändert sich nichts?

Holighaus: Doch auf dem roten Teppich. Den werden wir etwas unterhaltsamer gestalten: Steven Gätjen wird dort moderieren. Er macht das bekanntlich bei Filmpremieren immer hervorragend. Die Stars kennen ihn, fühlen sich wohl bei ihm. Außerdem werden wir auch die sozialen Netzwerke einbeziehen, so werden auch Youtuber da sein.

Neue Zeiten also – sind die von Bernd Eichinger und Hannelore Elsner, die einst Schampus aus ihrem Pumps schlürfte, vorbei?

Holighaus: Aus meinem Stiefel schmeckt es jedenfalls nicht. Aber  ja, ich glaube, die Zeiten sind vorbei. Es ist schon insgesamt gesitteter geworden. Und es gab nur einen Bernd Eichinger!

Mal einen richtigen Skandal miterlebt?

Holighaus: Ich hab eine Schlägerei miterlebt: Kurt Russell – der übrigens die Hauptrolle im neuen Tarantino-Film spielt – war zu Gast und wollte einfach in Ruhe essen, was ihm nicht vergönnt war. Na ja: Da hat dann ein Fotograf eine verpasst bekommen.

Weniger Eskapaden, keine Skandale mehr – liegt es daran, dass das Geschäft härter geworden ist?

Holighaus: Das Geschäft ist härter geworden, das stimmt. Aber ich denke, das hat nur indirekt Auswirkungen auf den Ball. Es gibt eben Feierbiester und welche, die etwas zurückhaltender sind. Ich hoffe auf gute Stimmung, und die zeigt sich dann meist im zweiten Teil, nach dem Weißwurstkeller, da erlaubt man sich dann schon mal mehr.

Apropos Weißwurstkeller: Bitten Sie auch wieder Seehofer und Co. ins dortige Separée? Die Tradition hat ja Steffen Kuchenreuther eingeführt.

Holighaus: Ja natürlich, nicht nur Herrn Seehofer, sondern überhaupt den engeren Kreis. Herrn Stoiber zum Beispiel, der ja Ehrengast ist. Dann kann ich ihm wieder sagen, was mir am FC Bayern nicht gefällt, und er belehrt mich dann, was meine Schalker im Management falsch machen. Aber bei den Themen gibt es keine Obergrenze (lächelt).

Werden beim Filmball schon mal Rollen vergeben?

Holighaus: Es gibt keine Castingcouch, es gibt kein Separée fürs Speed-Dating. Obwohl: Das wäre vielleicht was Neues (lacht). Nein, im Ernst, ich denke, man führt immer geschäftliche Gespräche, das macht auch Sinn, aber es wird nicht so viele Bierdeckelverträge geben, wie es die Legende gerne will.

Lassen Sie den Filmball in München? Oder wird er doch irgendwann nach Berlin ziehen?

Holighaus: Ich würde mir wünschen, es würde mehr Berliner zum Filmball nach München ziehen. Auch aus dem politischen Berlin. Da herrscht noch Verbesserungsbedarf. Ich sehe den Ball auch als krönenden Abschluss der Münchner Filmwoche eher hier. Wir sind hier willkommen und werden gut  unterstützt, da muss man nicht ohne Not umziehen.

Es buhlen in München auch andere Locations um den Filmball. Das renovierte Deutsche Theater hat ja reges Interesse.

Holighaus: Ich weiß davon, aber das ist bis jetzt noch nicht an mich herangetragen worden. Ich denke, der Ort hier im Bayerischen Hof hat sich sehr gut bewährt.

Kaufen Sie sich – jetzt als Gastgeber – einen neuen Smoking?

Holighaus: Ach, nein, der passt noch. Ich muss ja immer gucken, dass er hier (fasst sich an den Bauch) passt, aber da hab ich schon nachgebessert.

Können wir mit einem internationalen Star rechnen, wie einst Daniel Craig oder Oliver Stone?

Holighaus: Falls jemand gerade – wie im letzten Jahr Oliver Stone – in der Stadt ist, gerne. Wir liegen zeitlich vor den Oscars, vor der Berlinale, während des Sundance Festivals, die Leute können nicht überall sein. Allerdings habe ich auch nicht versucht, jemanden zu akquirieren. Denn an großen Namen fehlt es nicht. Unsere Einladungsliste und die einiger Verleiher kann sich sehen lassen.

Der Ball ist auch ein wenig Gradmesser für die Branche. Wie geht es dem deutschen Film?

Holighaus: Wenn ich in den Arthouse-Bereich schaue, ist mir zurzeit etwas mulmig. Aber das Kino lebt. Es muss nur seine Attraktivität ständig pflegen. Und es braucht die richtigen Filme mit den richtigen Geschichten, gut erzählt, originell inszeniert – mit den richtigen Darstellern. Alles schon von jedem gesagt, aber trotzdem alles richtig (hebt die Hände). Wir hatten großartige, zum Teil auch unerwartete Publikumserfolge im deutschen Film und einen Umsatzrekord in den deutschen Kinos. Das darf und soll auf dem Ball gefeiert werden!

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