Eins der besseren

Neues Motörhead-Album: Randale im Großhirn

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Der Helmut Schmidt des harten Rock’n’Roll, Lemmy Kilmister, und seine Mitstreiter Phil Campbell und ­Mickey Dee packen ein überraschend starkes Feuerwerk aus.

München - Motörhead veröffentlichen ihr nunmehr 23. Album. Und das Erfreuliche daran: Es gehört zu den besseren.

Ein wirklich schlechtes Motörhead-Studioalbum hat es in den 40 Jahren seit dem Band-Urknall noch nicht gegeben. Ein wirklich überragendes seit dem 91er-Fabelwerk 1916 streng genommen allerdings auch nicht mehr.

Bad Magic, Langdreher Nummer 23 (inklusive On Parole), geht Backenbart an Backenbart mit dem bislang stärksten Werk der Cameron-Webb-Phase, Kiss Of Death, über die Ziellinie. Ab dem nächsten Freitag dürfen sich die Fans davon überzeugen, dass selbst das räudig-charmante Bastards von 1993 nicht allzu fern ist. Und damit war nach all den Hiobsbotschaften um Lemmys Gesundheitszustand im Allgemeinen und seine fortschreitende Zuckerkrankheit im Besonderen nicht wirklich zu rechnen.

Vom pragmatisch betitelten Opener Victory Or Die, mit dem einem Mr. Kilmister, Phil Campbell und Mickey Dee so überzeugend wie lange nicht mehr die Haustür eintreten, bis zum hymnisch-drückenden When The Sky Comes Looking For You begeistern Motörhead mit eiserner Härte und augenzwinkernder Lässigkeit. Fire Storm Hotel beginnt mit einem ZZ-Top-Gedächtnisriff, um sich schnell Richtung Angel City aufzumachen. Till The End ist eine Powerballade im Stile von Lost In The Ozone oder One More Fucking Time (vom We Are Motörhead-Album). Hier darf Lemmy seinen knapp 70-jährigen Stimmbändern eine Handvoll Kreide gönnen, ehe der böse Wolf in Tell Me Who To Kill wieder auf Geißlein-Jagd geht und mit unbarmherzigen Bass-Bissen fette Beute macht.

Bad Magic ist ab 28.8. im Handel – eiserne Härte trifft auf a ugenzwinkernde Lässigkeit. Das Beste: Von den 13 Songs sind nur zwei entbehrlich. ­Label: UDR.

Das Schönste: Im Gegensatz zu den lediglich ordentlichen Vorgängern Aftershock, The Wörld Is Yours und Motörizer bleibt von Bad Magic wieder mehr hängen. Die Refrains sind prägnanter, die Riffs inspirierter, der Funkenflug entflammt Trommelfell und Großhirnrinde. Womöglich auch ein Resultat der Aufnahmebedingungen. Bislang jedenfalls hatte die Band in der aktuellen Dreier-Besetzung (seit 1996) noch keine Scheibe gemeinsam „live“ eingedonnert.

Verzichtbar sind mit Shout Out All Of Your Lights und Choking On Your Screams dieses Mal lediglich zwei Songs, auch das Gastsolo von Queen-Gitarrenlegende Brian May im groovigen The Devil darf im Ordner „Namedropping“ abgeheftet werden. Das abschließende Cover des Stones-Klassikers Sympathy For The Devil ist Lemmy & Co. erfreulicherweise wesentlich besser gelungen als seinerzeit auf Bastards das allzu brav nachgespielte Jumpin’ Jack Flash. Eine Interpretation des David-Bowie-Klassikers Heroes wollen Motörhead in Bälde nachreichen (hoffentlich nicht auf einer Special-Tour-Abzock-Version von Bad Magic).

Erheben wir uns also und bitten, dass „Uns Lemmy“, der Helmut Schmidt des harten Rock’n’Roll, noch lange leben, philosophieren und über die Lande ziehen darf. Das Münchner Zenith beehren Motörhead dieses Jahr gleich zweimal, am 20. und 21. November. Auch auf die neuen Songs darf man sich freuen.

Ludwig Krammer

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