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Otti Fischer im Exklusiv-Interview: „Soweit wäre ich in München nicht“

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Von: Ulrike Schmidt

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Dolce Vita zum Einstieg: Mit Freunden und Künstlern feierte Ottfried Fischer eine italienische Hausparty.
Dolce Vita zum Einstieg: Mit Freunden und Künstlern feierte Ottfried Fischer eine italienische Hausparty. © Heinz Weissfuss

Otti Fischer hat München den Rücken gekehrt und lebt nun wieder in seiner Heimatstadt Passau. Im Interview erklärt er die Gründe für den Schritt und seine gesundheitliche Verfassung.

Passau - Seit dem Wochenende ist es amtlich: Der Schwabinger Ottfried Fischer (64) ist wieder daheim. Dahoam also in Passau, im eigenen Gemäuer Unterer Sand 2, an der Ballhausstiege - mit Blick auf den Inn. Das Haus aus dem 14. Jahrhundert hatten 1955 seine Großeltern erworben und ihm vererbt. Und dort hat er auch den größten Teil seiner ersten fünf Lebensjahre verbracht. „Außer der Lage hat das Ganze nicht mehr viel mit dem zu tun, wie es damals war - aber der Blick auf Maria Hilf und den Inn, der da wie ein Unschuldslamm vorbei fließt, ist noch derselbe“, erzählt Ottfried Fischer von seinem Heimkommen in die frisch renovierte, auf seine Bedürfnisse umgebaute Wohnung im dritten Stock.

Der Inn mit seinem Hochwasser 2013 hat auch diesem Haus stark zugesetzt - bis zum ersten Stock stand das Wasser, was Fischer schließlich zur Einrichtung eines Hochwassermuseums im Erdgeschoss veranlasste. Ab Frühjahr soll das Museum zugleich auch sein kulturelles Wohnzimmer sein - mit Bühne und einem Mitstreiter.

Neues Domizil. In dem rosafarbenen Gebäude wohnt Fischer. Im Erdgeschoss ist das Hochwassermuseum.
Neues Domizil. In dem rosafarbenen Gebäude wohnt Fischer. Im Erdgeschoss ist das Hochwassermuseum. © Heinz Weissfuss

30 Stunden langes italienisches Fest

Überlegt hat sich Fischer die Kehrtwende während seiner acht Monate Krankenhaus und Reha im vergangenen Jahr, als er an einer Sepsis lebensbedrohlich erkrankte. Aber jetzt ist Fischer wieder da, er kann wieder gehen, wenn auch mit Mühe. Das alles wurde am Wochenende 30 Stunden lang mit einem italienischen Fest gefeiert, wodurch sich das Hochwassermuseum in eine Trattoria samt Feinkostladen verwandelte. Unsere Kolumnistin Ulrike Schmidt hat ihn besucht. Ein Interview im vertrauten Du, weil sie sich seit 20 Jahren kennen.

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Bereust Du irgendwas aus Deiner Münchner Zeit?

Fischer: Es ist ein Unterschied, ob man was erkennt oder bereut. Ich schau nach vorn.

Und vorn ist jetzt Passau. Wie war dieses Zurückkehren?

Fischer: Seit ich hier bin, fühle ich mich fast wie ein Glückskind. Wenn ich mir meine Reha in München vorstelle, dann hätt’ ich auf der Münchner Leopoldstraße höchstens auf dem Bürgersteig auf- und ablaufen können. Und hier im Klinikum kennt mich ein jeder. Mein Physiotherapeut ist inzwischen ein richtiger Freund - es ist alles einfacher; da kriegst Deine Rezepte und die Medikamente fahren sie Dir sogar nach. Ich glaube nicht, dass ich soweit wäre wie ich jetzt bin, wenn ich in München geblieben wäre. Ich kann langsam wieder aufstehen, obwohl vieles noch sehr steif ist, aber es ist nicht mehr hoffnungslos.

War es denn für Dich schon hoffnungslos?

Fischer: Für mich nicht, aber ich hab’s bei den anderen mir gegenüber gespürt. Und d’rum hab ich g’sagt: So geht’s net!

Hat Dich das eigentlich nie gestört, dass Deine Körperlichkeit immer im Zentrum steht?

Fischer: Nein. Als blutjunger Kabarettist habe ich mich mit Jochen Busse unterhalten, der kam da grad zur Lach & Schieß. In irgendeinem Zusammenhang meinte ich: „Jetzt muss ich mal wieder abnehmen.“ Da ist der Busse fast wütend geworden: „Sei doch froh, dass Du eine Marke bist!“ Das zählt im Showgeschäft. Und deswegen: I kann ned auf dem Trittbrett des Übergewichts fahren und es dauernd mit Füßen treten. Oder wie ein kluger Satz noch lauten könnte: Darauf warten, dass es mich mit Füßen tritt.

Du warst ja noch etwas leichter, als Du vom Ländlichen als Jurastudent in die Großstadt gekommen bist. Was waren da Deine ersten Erfolgserlebnisse?

Fischer: Mein größtes war, als mich in der Mensa ein BR-Mitarbeiter angesprochen hat, ob ich im Gesundheitsmagazin Praxis in einer Sendung über Dicke mitmachen würde. Da sind’s daheim alle vorm Fernseher g’sessn und ham mich in einer Unterwasseraufnahme in einem Schwimmbad g’sehen. Das war unspektakulär, aber meine Freind ham g’moant: „Klasse, jetzt hast es geschafft!“ Dann kam der Moment, wo ich im Hinterhoftheater den Strauß nachg’macht hab’... Man darf sich nicht zu sehr beeilen, irgendwas zu erreichen, man muss sich Zeit lassen. Ich hab’ immer dafür gesorgt, dass ich der Unterschätzte war.

Das ist natürlich eine kluge Strategie ...

Fischer: Ich weiß nicht, ob ich es so total bewusst gemacht habe, aber es hat was von einer klugen Strategie, ja.

Und jetzt kommt Ottis Kulturbühne im eigenen Haus in Passau ...

Fischer: Das ist jetzt mein Altenteil und ungefähr so, wie bei einem Polizisten, der im Lotto g’winnt und sich eine Kreuzung kauft, um den Verkehr weiter zu regeln.

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Interview: Ulrike Schmidt

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