Reygers: Einfach Vollgas - egal wobei

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Man muss auch mal entspannen - am besten mit Elektromusik im Ohr.

München - In einer siebenteiligen Serie stellt die tz die junge Münchner ­Society vor und ­beantwortet die ­wichtigsten Fragen zu den Youngsters. In dieser Folge: Otto Reygers.

Dass Otto Reygers (16) einen besonderen Blick für schöne Dinge hat, sieht man schon an seinem Zimmer. An den gerahmten Beatles-Bildern des Fotokünstlers Richard Avedon zum ­Beispiel, die an der rot gestrichenen Wand des kleinen Dachgeschosszimmers in dem Dreißigerjahrebau in Schwabing hängen. Oder an dem Nachttisch aus ­einem originalen Formel-1-Reifen mit Glasplatte und dem mit grünem Stoff bezogenen Designer-Stuhl, den er sich zielsicher aus der Galerie seiner Eltern Isabel und ­Hubertus Reygers ausgesucht hat.

Ein paar wenige originelle Dinge machen den Charme aus – nur bei seiner großen Leidenschaft ist Otto maßloser. „Manchmal mache ich Hunderte Fotos an einem Tag“, sagt er und scrollt durch die Dateien seines Macbooks, in dem er seine Schätze hütet – Tausende Bilder. Langzeitbelichtete Aufnahmen, auf denen sich die vorbeirauschenden Autos auf der Leopoldstraße in bunte Muster verwandeln, Detailaufnahmen von Fahrradleuchten oder Trambahnschienen und, quasi als Krönung, Bilder von Zebras, Elefanten und Leoparden, die Otto ­Anfang des Jahres während einer Safari in Namibia gemacht hat.

„Wahnsinn, wie nah ich da dran war“, staunt er noch heute. Nur die besten Fotos schaffen es auf seinen Fotoblog bei Tumblr, einer Art Twitter mit Fotos und Videos, die man sich im Internet ­zusammensucht und dann zusammenstellt. „Man muss es so machen, dass es die Leute anspricht. Und man kann damit zeigen, was man für einen ­Geschmack hat“, sagt ­Otto.Abgesehen vom Fotografieren hat das bei ihm meistens etwas mit Sport zu tun. Als Otto Anfang des Jahres für drei Monate ein Buben-Internat in Südafrika besuchte, um dort sein Englisch zu verbessern, verliebte er sich sofort in Rugby – in Südafrika Volkssport Nummer eins und bestens geeignet für den 1,94 Meter großen, schlaksigen Zehntklässler. „Ich bin ziemlich schnell und mit dem Ball einfach so weit gelaufen, bis ich umgerannt wurde.“

Eine ­perfekte Möglichkeit, um sich als einziger Europäer sofort den ­Respekt von Mitschülern aus Marokko, Äthiopien, Tunesien und anderen Teilen Afrikas zu sichern und Freundschaften zu schließen. Weshalb sein liebstes Souvenir auch das Trikot mit den Unterschriften seiner Teamkollegen ist …

Überhaupt mag ­Otto alles, was er schnell tun kann: Rad fahren, nach der Schule mehrere Stunden auf dem Bolzplatz in Richtung Tor stürmen und vor allem Ski fahren. Am liebsten in Kitzbühel, wo seine ­Eltern eine Wohnung haben und die Familie im Winter fast jedes Wochenende ­verbringt. „Pistenfahren ist mir zu langweilig, ich mag Tiefschnee und Springen“, kommt Otto allein beim Gedanken an den ersten Schnee ins Schwärmen. Gerissene Sehnen gehören da öfter dazu, auch mal ein gebrochenes Schlüsselbein, aber wahre Leidenschaft lässt sich nicht bremsen. Schon gar nicht, wenn am Abend noch ein Besuch im angesagten Club Take five oder im englischen Party-Pub The Londoner drin ist.

Etwas anders sieht es da bei einem Sport aus, den Otto eine Zeit lang nicht nur aus Spaß praktiziert hat: Tanzen. „Meine ­Eltern haben mich ein bisschen dazu überredet“, grinst er bei der Erinnerung an die zehn Samstage voller Foxtrott und Walzer, die er vergangenes Jahr in der Tanzschule Matschek und Mayr in der Sonnenstraße ­verbracht hat, wo auch der Nachwuchs aus den ­Häusern Metternich und Klatten lernt. Mit dem Ziel, jeder gesellschaftlich erforderlichen Situation ­gewachsen zu sein. „Es ­gehört schon dazu, dass man tanzen kann“, findet der Otto auch selbst, nur der große ­Abschlussball im Hotel Bayerischer Hof war ihm dann doch ein bisschen zu viel. Die ­Buben im Smoking, die Mädchen in Abendkleidern, mit all dem Verbeugen, Händeküssen und synchron Tanzen – „wie in einem alten österreichischen Film“.

Ein bisschen old-school geht es auch in den Sommerferien zu, wenn ­Otto zu ­einer ganz speziellen Radtour aufbricht. Organisiert vom Adelsverband Nordrhein-Westfalen (Ottos Großmutter ist eine geborene von Ledebur) treffen sich 150 ­Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten eines ausgewählten Bundeslandes anzuschauen und beim allabendlichen Übernachten in Schlössern und Burgen die jeweiligen Schlossherren und -damen kennenzulernen. Manchmal übernachten sie mit ihren Isomatten und Schlaf-säcken zwischen alten Rüstungen im Schlossmuseum, manchmal in der Scheune, essen bestellte Pizza oder ­dinieren an der gesetzten Tafel … „Das ist eigentlich egal, lustig ist es immer.“

Zwei Jahre kann Otto noch mitfahren, dann ist er dafür zu alt. Wenn man ihn fragt, wie er sich seine Zukunft vorstellt, kommt er ins Grübeln. Studieren will er, irgendwo anders als in München, vielleicht in ­Berlin, Hamburg oder Heidelberg, und natürlich träumt er von einem guten Job. Die ­schönen Dinge, die wird er auf jeden Fall nicht aus den Augen verlieren.

Ann-Catherin Karg

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