Sie machte München zur Tanz-Metropole

Primaballerina Konstanze Vernon ist tot

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Links: Konstanze Vernon tanzt als Mitglied des Balletts Sabine Ress im Jahr 1970 ein Solo bei der Aufführung von "Le Diable a Quatre". Rechts:  Konstanze Vernon lächelt im Juli 2012 beim Sommerempfang des bayerischen Landtags in Schleißheim.

München - Sie galt als Tanzikone und Grande Dame des Balletts. Jetzt ist die ehemalige Primaballerina Konstanze Vernon nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Sie wurde 74 Jahre alt.

München ist um eine große Persönlichkeit ärmer. Die Ballettwelt und mit ihr alle, die vertraut sind mit dem kulturellen Leben in dieser Stadt, ja, in diesem Land, trauern um Konstanze Vernon. Die Grande Dame des Tanzes und der Tanzpädagogik ist nach kurzer, schwerer Krankheit am Montag, 21. Januar, gestorben.

Der Schock sitzt tief, das Erschrecken über den viel zu frühen und so plötzlichen Tod dieser wunderbaren Frau ist unendlich. Leere macht sich breit in den Herzen all jener, die sie kannten. In den Premieren der Theater, bei den Preisverleihungen durch Stadt oder Staat, bei den großen kulturellen Anlässen und kulturpolitischen Diskussionen, die sie so oft mit ihrer Anwesenheit ehrte und bereicherte, wird ihr Platz nicht ohne weiteres zu besetzen sein. Bis zuletzt hatte Konstanze Vernon nichts an ihrer Strahlkraft, an ihrer Vitalität, nichts an ihrer Ausdrucksstärke und Schönheit eingebüßt, durch die sie über so viele Jahre, von 1963 bis 1980 als Primaballerina der Bayerischen Staatsoper, das Publikum begeisterte.

Gegen Ende ihrer Laufbahn als Solotänzerin begann sie ihre zweite Karriere, und es fällt schwer zu entscheiden, welche ihr mehr internationalen Ruhm eingebracht hat. 1978, drei Jahre nach dem Tod ihres kongenialen Tanzpartners Heinz Bosl, gründete sie die Heinz-Bosl-Stiftung, jene Ballettakademie, die die bayerische Landeshauptstadt zu einer internationalen Ballettmetropole aufsteigen ließ. Dass es heute ein eigenständiges, autonomes Bayerisches Staatsballett gibt, das sich von der Bayerischen Staatsoper erfolgreich emanzipieren konnte, ist allein Konstanze Vernon zu verdanken, die dieses Staatsballett von seiner Gründung an, von 1988 bis 1998 leitete. Und auch Fred Hoffmann, ihrem Mann, der sie in allen Belangen aktiv unterstützte.

Die Toten des Jahres 2012

Tote 2012
Towje Kleiner wurde vor allem durch seine Rolle in Helmut Dietls Fernsehserie "Der ganz normale Wahnsinn" berühmt. Der Schauspieler starb am 9. Januar im Alter von 63 Jahren. © dpa
Tote 2012
Er war Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler. Zu sehen war Vadim Glowna unter anderem in den Filmen "Agnes und seine Brüder", "Der alte Affe Angst" und zahlreichen Serien. Mit 70 Jahren starb er am 24. Januar. © dpa
Tote 2012
Whitney Houston war eine der erfolgreichsten Sängerinnen aller Zeiten. Mit ihrer einzigartigen Stimme landete sie unzählige Hits wie "I will always love you" oder "One Moment in Time". Auch als Schauspielerin, beispielsweise in "Bodyguard" mit Kevin Costner, feierte die Pop-Diva Erfolge. Am 11. Februar starb Whitney Houston im Alter von 48 Jahren. © dpa
Tote 2012
Ferdinand Alexander Porsche ist am 5. April im Alter von 76 Jahren gestorben. Der Autodesigner und Enkel von Ferdinand Porsche entwarf unter anderem den legendären Porsche 911. © dpa
Tote 2012
Adam Yauch, Bandmitglied und Gründer der Beastie Boys, starb am 4. Mai im Alter von 47 Jahren. © dpa
Tote 2012
Mit 64 Jahren ist der Schauspieler Günther Kaufmann am 10. Mai überraschend gestorben. Er hatte unter anderem Rollen in den Filmen "Otto – Der Film", "Wickie und die starken Männer" oder "Türkisch für Anfänger". © dpa
Tote 2012
Kurt Felix, Schweizer Fernsehunterhalter und Erfinder von “Verstehen Sie Spaß?“, ist am 16. Mai im Alter von 71 Jahren gestorben. © dpa
Tote 2012
Die Disco-Diva Donna Summer starb im Alter von 63 Jahren am 17. Mai an Krebs. Zu den größten Hits der Sängerin zählen Songs wie "She Works Hard for the Money" oder "Hot Stuff". © dpa
Tote 2012
Er war einer der Großen der Popmusik und galt als eine der besten weißen Soul-Stimmen aller Zeiten: Bee-Gees-Sänger Robin Gibb hat am 20. Mai im Alter von 62 Jahren den Kampf gegen ein Krebsleiden verloren. © dpa
Tote 2012
Die österreichische Sängerin und Tänzerin Margot Werner ist am 1. Juli im Alter von 74 Jahren gestorben. © dpa
Tote 2012
Fernsehzuschauer kannten ihn als Ben Matlock: Der Schauspieler Andy Griffith, der den Staranwalt in der Fernsehserie "Matlock" verkörperte, ist am 3. Juli mit 86 Jahren gestorben. © dpa
Tote 2012
Stolze 95 Jahre alt war Schauspieler Ernest Borgnine, als er am 8. Juli verstarb. Der Oscarpreisträger spielte in unzähligen Serien und Filmen mit, unter anderem in "Airwolf", "Das dreckige Dutzend" oder "RED". © dpa
Tote 2012
Der britische Musiker Jon Lord war Mitglied der Band "Deep Purple". Der 71-Jährige ist am 16. Juli gestorben. © dpa
Tote 2012
Der ehemalige Bundesliga-Torhüter (unter anderem beim TSV 1860) Bernd Meier ist am 2. August im Alter von 40 Jahren gestorben. © dpa
Tote 2012
Als Balletttänzerin "Anna" in der gleichnamigen TV-Serie wurde Silvia Seidel in den 80er Jahren zum Kinderstar. Die Schauspielerin wurde am 4. August tot in ihrer Wohnung gefunden. Silvia Seidel wurde 42 Jahre alt. © dpa
Tote 2012
Der US-Folksänger Scott McKenzie, der mit „San Francisco“ einen Welthit landete, starb am 18. August mit 73 Jahren. © dpa
Tote 2012
"Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Schritt für die Menschheit": Mit diesem Satz schrieb der Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch auf dem Mond Geschichte. Im Alter von 82 Jahren starb er am 25. August. © dpa
Tote 2012
Der Schauspieler Michael Clarke Duncan spielte in unzähligen Filmen mit, unter anderem in "The Green Mile", "Sin City" oder "Armageddon". Mit 54 Jahren starb er am 2. September an den Folgen eines Herzinfarkts. © dpa
Tote 2012
Der frühere Bundesinnenminister und CSU-Politiker Friedrich Zimmermann starb am 16. September mit 87 Jahren. © dpa
Tote 2012
Auch Schauspieler und Moderator Dirk Bach ist 2012 von uns gegangen. Er war 51 Jahre alt, als er am 1. Oktober starb. In den vergangenen Jahren kannten ihn die Fernsehzuschauer vor allem als Moderator des RTL-Dschungelcamps "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus". © dpa
Tote 2012
Er war Deutschlands Jahrhundert-Handballer: Erhard Wunderlich ist im Alter von 55 Jahren am 4. Oktober einem Krebsleiden erlegen. © dpa
Tote 2012
Der deutsche Musiker Nils Koppruch war 46 Jahre alt, als er am 10. Oktober starb. © dpa
Tote 2012
Er war lange Zeit das Gesicht des "Aktuellen Sportstudios" und eine Ikone des deutschen Sportjournalismus': Harry Valerien. Der Fernsehmoderator starb am 12. Oktober im Alter von 88 Jahren. © dpa
Tote 2012
TV-Autor Wolfgang Menge schrieb die Drehbücher für zahlreiche Tatort-Folgen und war unter anderem der Erfinder der Figur "Ekel Alfred" und der Sendung "Das Millionenspiel". Wolfgang Menge starb im Alter von 88 Jahren am 17. Oktober. © dpa
Tote 2012
Emanuel Steward, Trainer von Box-Weltmeister Wladimir Klitschko, ist am 25. Oktober im Alter von 68 Jahren gestorben. © dpa
Tote 2012
"Supertalent"-Kandidat Nilson Mufume starb im Alter von nur 23 Jahren überraschend am 5. November. © dpa
Der brasilianische Fußballspieler Alex Alves ist mit nur 37 Jahren am 14. November an Leukämie gestorben. © AP
In Fernsehserien wie "Dallas" oder "Die bezaubernde Jeannie" wurde Larry Hagman weltberühmt. Am 23. November starb der Schauspieler im Alter von 81 Jahren. © AP
Er war Verteidigungsminister, SPD-Fraktionsvorsitzender und zuletzt Chef der Friedrich-Ebert-Stiftung: Der Politiker Peter Struck ist am 19. Dezember im Alter von 69 gestorben. © dpa
Der zweimal für einen Oscar nominierte US-Schauspieler Charles Durning ist 24. Dezmber im Alter von 89 Jahren gestorben. © dpa

Ohne ihn, der vor vier Jahren überraschend starb, wären die pädagogischen Erfolge, das internationale Renommée der Ballettakademie, die großen Gastspiele nach Fernost oder in die USA, die Teilnahme an den berühmtesten Wettbewerben und das gute Abschneiden der Bosl-Schützlinge nicht denkbar gewesen.

Konstanze Vernon hatte keine eigenen Kinder. Aber sie hatte unzählige Mädchen und Buben, die sie liebte, förderte und forderte. Die Absolventen der Bosl-Stiftung sind Legende. Namen mit Klang, der in diesem an sich kurzen Tänzerberuf nur zu schnell verhallt. Der Klang des Namens Konstanze Vernon aber wird bleiben, zu nachhaltig war das Wirken dieser First Lady des Münchner Balletts.

Einer Primaballerina, die aus Berlin nach Bayern kam. Sie war die Tochter des Berliner Musikwissenschaftlers Friedrich Herzfeld. Als Sechsjährige schon stand sie im Studio von Tatjana Gsovsky, der Ballettchefin der West-Berliner Oper, an der Stange. Mit 14 wurde sie Mitglied der Opern-Compagnie. Und Konstanze hieß auf Anraten Gsovskys von nun an nicht mehr Herzfeld, sondern wurde in Vernon umbenannt. Seit ihrem 17. Lebensjahr tanzte Konstanze Vernon als Solistin. Und als 1963 Heinz Rosen bei ihr anfragte, folgte sie dem Ruf aus München und verzauberte fortan das Publikum in Bayern. Konstanze Vernon war 24 Jahre alt.

Ihre Giselle, ihre Tatjana und so viele Rollen mehr haben Münchner Tanzgeschichte geschrieben. Ihr Charme, ihre Fröhlichkeit, ihre künstlerische Intelligenz und Sinnlichkeit werden jedem in Erinnerung bleiben, der sie kannte. Fünfzig Jahre lang hat sie, die sich immer treu geblieben ist, dem kulturellen Leben der Stadt und des Freistaats ein unvergleichliches Gesicht gegeben.

Nur drei Wochen nach ihrem 74. Geburtstag, den sie am 2. Januar noch feiern konnte, hat Konstanze Vernon München für immer verlassen. Bleiben wird ihr unschätzbares Vermächtnis, nämlich dem Tanz in Deutschland wieder eine Zukunft gegeben zu haben.

Von Sabine Dultz

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