YouTuberin Annikazion im Exklusiv-Interview mit tz.de

„Princess Charming“ ist die erste lesbische Datingshow weltweit – und räumt mit Trash-TV-Klischees auf

Die erste Staffel von „Princess Charming“ ist beendet. Die Resonanz riesig. Mit einer der bekanntesten YouTuberinnen Deutschlands spricht tz.de über die Bedeutung der Show.

München – Weltweit ist „Princess Charming“ die erste lesbische Datingshow. Auf Kreta suchte die 30-jährige Anwältin Irina Schlauch ihre Partner:in. Das Konzept ist simpel und bekannt aus zwei Staffeln „Prince Charming“ und gängigen Trash-Formaten. Das war es aber schon mit den vertrauten Stilelementen. „Princess Charming“ überzeugte das Publikum durch Empathie, Respekt und einen feministischen Umgang mit Sexualität.

Kandidatin Wiki kam mit einem „Bildungsauftrag“ in die Show, Miri gab an, sich als Teenagerin lesbische Vorbilder im TV gewünscht zu haben – und wurde selbst zu einem. Gea ist non-binär, thematisierte Transfeindlichkeit in der queeren Community – und wischte Bine die Tränen von der Wange, als diese von dem Vorwurf getroffen, zu weinen begann. Und Gea zeigte, wie eine konstruktive Diskussion entstehen kann, die notwendig ist, um zu sensibilisieren.

Im Finale standen die 20-jährige Lou aus Saarbrücken und die 23-jährige Elsa aus Berlin. Auch, wenn mit Spannung erwartet wurde, für wen sich Irina am Ende der Staffel entschied, kristallisierte sich bereits zuvor eine klare Gewinnerin heraus: Die Freundschaft zwischen den Teilnehmenden. Auf Instagram war zu verfolgen, wie eng die Bindung geworden ist.

Die bekannte Münchner YouTuberin Annikazion war zwar nicht auf Kreta dabei – obwohl sie sich sogar für die Staffel beworben hatte –, fasst aber auf ihrem YouTube-Kanal die TVNow-Folgen (RTL)voller Humor und Respekt zusammen. Und ist mittlerweile fester Bestandteil der „Princess Charming“-Gang. Mit der 23-Jährigen hat tz.de über „Princess Charming“, die Bedeutung der Sendung für die queere Community und ihre Arbeit auf YouTube gesprochen.

Die YouTuberin Annikazion aus München.

„Princess Charming“: Münchnerin und YouTuberin Annikazion über erste lesbische Datingshow weltweit

Du bist bekannt für deine Parodie von Datingshows. Was macht „Princess Charming“ besonders?
Die Sendung wird ernst genommen. Das Format wird nicht ins Lächerliche gezogen, einfach, weil es so ein wichtiges Thema ist: Dass queere Menschen Aufmerksamkeit bekommen. Es gibt einen klaren Bildungsauftrag, es wird aufgeklärt und die Teilnehmenden gehen respektvoll miteinander um. Das führt dazu, dass ich als Zuschauende „Princess Charming“ ernst nehme, die Sendung sich selbst ernst nimmt. Und gleichzeitig wird unterhalten. Das erreicht dann auch Menschen, die nicht in der queeren Bubble sind. Das ist, was ich auf YouTube versuche: Mit Unterhaltung und Humor Leute außerhalb der LGBTQIA+-Gemeinschaft zu erreichen.
Du machst deine queere Identität nicht zum Fokus deiner Arbeit, sondern LGBTQIA+-Themen passieren eher nebenbei. Warum ist dir das so wichtig?
Ich hatte bewusst kein Outing-Video, sondern nur Hinweise gestreut, beispielsweise eine Regenbogen-Flagge eingebaut. Schließlich habe ich das bei einem Q&A-Video kurz angesprochen. Ich will nicht als „die Lesbe“ gesehen, sondern die, die Comedy macht und unterhält. Meine Sexualität macht nicht meinen Charakter aus. Und ich will nicht nur die queere Bubble erreichen.
Du hast für deine YouTube-Videos die einzelnen Episoden von „Princess Charming“ geradezu seziert. Gab es für dich Herausforderungen?
Herausfordernd waren Themen, die sowieso schon kritisch sind. Beispielsweise das Gespräch zu Transfeindlichkeit oder die Übergriffigkeit einer Kandidatin gegenüber „Princess“ Irina. Es ist schwer, immer nur alleine aus seinem Zimmer heraus aufzunehmen – und dann solch eine Diskussion angemessen aufzugreifen. Deswegen habe ich in dem Fall gesagt, ich möchte nicht viel dazu äußern, weil ich keine Person dazu bei mir im Raum habe, die selbst betroffen ist. Ich habe gelernt, so etwas nicht mehr zu tun, weil man sich schnell angreifbar macht. Aber trotzdem wollte ich übergriffiges Verhalten kurz thematisieren und klar machen, was das Problem dabei ist.
Und was waren besondere Momente für dich?
Allgemein die Dynamik zwischen den Kandidat:innen, weil sie richtig süß miteinander umgehen. Das fand ich sehr schön zu sehen. Und die Sendung zeigt, dass respektvoller Umgang unterhaltsam ist. Und viel wichtiger, als einfach nur ein Trash-Format zu machen.
Trifft „Princess Charming“ ein Bedürfnis innerhalb der Community? Gerade weil es die erste lesbische Datingshow weltweit ist?
Das Bedürfnis ist stark da und man erlebt jetzt, dass die lesbische Community immer lauter und größer wird – und sich zeigen will. Das sieht man an den Kandidat:innen von „Princess Charming“, die gerne weiterhin Zeit miteinander verbringen. Der Cast war wirklich gut. Natürlich ist nicht jede Person etwas für Irina, aber das war auch nicht der Sinn dahinter. Sondern: Vielfalt zu zeigen. Und das wurde geschafft.
Angesichts der engen Beziehungen zwischen den Kandidat:innen: Gewinnt bei „Princess Charming“ eigentlich die Freundschaft?
Absolut, das sieht man jetzt auch im Nachhinein. Die Kreta-Zeit hat stark verbunden und da es keinen Trash-TV-Charakter hatte oder Streits entstanden sind, haben sich die Kandidat:innen so gerne. Das merkt man an der Freundschaft zwischen Irina, Miri und Bine. Auch, wenn vielleicht Gefühle da waren, haben sie sich jetzt als Freundinnen einfach gefunden.
Hat „Princess Charming“ deiner Meinung nach hinsichtlich lesbischer Repräsentation in der Öffentlichkeit etwas ausgelöst?
Auf jeden Fall. Nach der Sendung sagen viele – gerade auch gegenüber der Kandidat:innen –, dass sie sich für die zweite Staffel von „Princess Charming“ beworben haben, weil sie das Format so toll finden. Dabei konnte man sich ja bereits für Staffel eins bewerben. Aber jetzt erst wurde der Schritt gemacht, dass Menschen sich wirklich trauen, das nach außen zu tragen. Und jetzt auch noch diese Resonanz zu bekommen, ist motivierend. Das inspiriert viele Personen.
Ich habe tatsächlich auch ein bisschen das Gefühl, dabei gewesen zu sein. Ich war zwar nicht auf Kreta, aber irgendwie bin ich jetzt in der Gruppe. Und ich habe mich selten so über neue Freundschaften gefreut wie über diese.

(aka) *tz.de ist ein Teil von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Markus Haner

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