Ralph Siegel: Seine Tränen des Glücks

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Es gab viele Momente, die Hit-­Gigant Ralph Siegel zu ­Tränen rührten.

München - In Schuhbecks Spiegelzelt "Teatro" feierten Mittwochabend 310 auserwählte Gäste das 50. Komponistenjubiläum und den 65. Geburtstag des Münchner Hit-Komponisten nach dessen schweren Kampf gegen den Krebs.

Tränen, heiße Tränen laufen ­Ralph Siegel (65) über die Wangen – immer wieder. Wer ihn kennt, weiß, dass dieser Mann Gefühl auf zwei Beinen ist, sonst hätte er auch nie 2000 Ohrwürmer komponieren können. Doch an diesem Abend sind es die Tränen des Lebens, die der Musiklegende in den Augen stehen.

Ja, er hat es noch einmal geschafft, dem Tod das pralle Leben abzuringen. Er darf weiter lieben – seine Frau Kriemhild, seine Töchter Giulia (35) Marcella (33) und Alana (14). Er kann noch einmal so groß und ausgelassen Geburtstag feiern, wie er es immer gern getan hatte – diesmal hinein in den 65. nebst 50. Komponistenjubiläum – an diesem Mittwoch in Alfons Schuhbecks Teatro. Eigentlich ist die Saison im Spiegelzelt in Riem noch längst nicht eröffnet, doch für Siegel laufen Schuhbeck und Show auch außerhalb der regulären Spielzeit. Aber eben nur für Siegel. Weil: Es gibt nur einen.

Die Bilder der Gala

Promi-Mangel auf der Wiesn: Wo die Stars stattdessen feierten

Einen, der mit Ein bisschen ­Frieden den ersten und für Jahrzehnte einzigen Grand-Prix-Sieg nach Deutschland geholt hat. Einen, der 45 Grand-Prix-Songs lieferte – nicht nur für Deutschland – unermüdlich und mit heillosem Optimismus, um doch noch einmal an diesen Triumph seines Lebens mit ­Nicole 1982 in Harrogate anknüpfen zu können. Einen, der seit 25 Jahren an seinem Musicaltraum Clowntown arbeitet, dafür schon ein ganzes Vermögen investierte und es im Oktober mit der zehnten Version in New York noch einmal versuchen will, die Produzenten für den Broadway zu überzeugen. Und einen, den Deutschland die größten Schlagerhits verdankt: Theater, Moskau, Dschinghis Khan, Fiesta ­Mexicana, Griechischer Wein. Auf der Wiesn ist Siegel mit ­Christian Bruhn der meistgespielte Komponist. Eben ein Hit für sich.

Weshalb zu seinem Festtag auch alle Schlager- und Volksmusikstars von Rang Spalier gestanden sind – alle Legenden der Hitparade!

Wie Costa Cordalis, der mit ­Siegels Pan dereinst die Charts stürmte und es trotz Streik in Spanien auf die einzige Maschine nach München schaffte; Katja ­Ebstein (Abschied ist ein bisschen wie sterben), die in Siegel das gütigste Wesen sieht, das sie kennt; Chris Roberts (Du kannst nicht immer 17 sein), Peggy March (Einmal verliebt, immer verliebt), Karel Gott (Babicka), Florian Silbereisen, dessen Hit Ich glaube an Gott bei jeder Tournee dabei ist, ­Stefan Mross (Heilige Berge), Roberto Blanco (Der Puppenspieler von Mexico), Michael Holm (Meilenweit), Marianne & Michael (Unser Land) oder Penny McLean (Lady Bump).

Mit seinen Noten hat Siegel Aber-Millionen Menschen glücklich gemacht – im Fernsehen und mit über 30 Millionen verkauften Tonträgern. „Er komponiert in Dur, selbst wenn ihn das Leben in den dunkelsten Moll-Tönen hernimmt“, schrieb einmal ein Schweizer Journalist. Ja, Siegel ist ein hoffnungsloser Optimist.

Allein bei seiner großen Party verließ ihn das Selbstvertrauen. „Ich habe meine Dankesrede von der Echoverleihung für mein Lebenswerk vor drei Jahren genommen, weil ich heute zu nah am Wasser gebaut habe. Sie stimmt noch immer. Nur heute bin ich unendlich dankbar, dass ich überhaupt hier stehen darf, denn vor drei Jahren war das noch nicht sicher. Meine Ärzte haben gesagt, ich kann noch ein paar Jahre machen!“ Stehende Ovationen der 310 Gäste! Tränen. Ein Kuss von Kriemhild.

Ja, Kriemhild. Ihre Liebe strahlte im ganzen Zelt. Trotz der sorgenvollen Jahre, in denen ­Siegel gegen den Krebs kämpfte, sprach die ausgebildete Sopranistin ins Mikrofon: „Die letzten neun Jahre waren die schönsten meines Lebens! Da, wo du bist, möchte ich sein.“

Worauf die fünfstöckige Torte mit Goldener Schallplatte on top in die Manege geschoben wurde. Wieder Tränen. Wieder Umarmungen.

Vor genau 50 Jahren hielt Siegel seine erste Schallplatte in der Hand: In der Heimat blühn die letzten Rosen. Da war er 15. Sein Vater Ralph Maria Siegel beherrschte die Musikwelt der 40er bis 70er Jahre (Caprifischer), die Mama Ingeborg Döderlein war Opernsängerin, und beide gaben ihm mit, was Siegel heute ist.

Dafür steht man auch gern Schlange zum Gratulieren und zur Geschenkabgabe – Präsente, die von Herzen kommen. Wie der Siegerpokal mit Inschrift und voller weißer Trüffel von seinem kongenialen Partner, Textdichter Dr. Bernd Meinunger mit Frau Barbara, der selbst in seinen 66. Geburtstag hineinfeierte und für Siegel seit über 40 Jahren Textzeilen schreibt.

Das Volksmusikduo Marianne & Michael Hartl brachte einen Korb Wein aus der steirischen Heimat. Und auch Unternehmensberater Ralph Weyler und seine Frau Birgitt ­haben einen extra guten Tropfen ausgesucht: „Etwas ganz Persönliches, ein kleines Kunstwerk. Wir haben so viele nette Fußballabende bei Ralph Siegel verbracht – er ist ein so großzügiger Gastgeber.“

Weil er das ist, schenkte Ralph Siegel zurück: einen Schuber mit 14 CDs – Teil 1 seines Lebenswerks. Von größten Hits über Lieblingssongs bis zu Weihnachtsliedern. Zum 70. Geburtstag soll Teil II auf den ­Tischen liegen. Karel Gotts Lieblingslied ist Das Mädchen aus Athen. Für den Millionenseller-Kollegen und Hit-Komponisten Dr. Christian Bruhn (Marmor, Stein und Eisen bricht) ist ­Johnny Blue der Favorit aus der Feder Siegels.

Nicht gekommen ist übrigens Siegels Triumph­interpretin Nicole – sie hatte einen Auftritt. Dafür kamen die größten Showlegenden: Frank Elstner, Harald Schmidt, ­Carolin Reiber und Dieter Thomas Heck, der Siegel kennt, „als er noch gar nicht Siegel war und ich kein Heck“. ­Also – ohne Fernsehsendung. „Mein Größter Hit“, sagt Heck, „stammt auch von Siegel. Ich verliebte mich in seine Sekretärin Ragnhild Möller. Aus Ragnhild machte ich Hildchen, aus Möller machte ich Heck und in Hildchen Heck bin ich bis heute verliebt.“

Alles klar?! Siegel ist eben wie eine Wundertüte – er gibt immer zu staunen, und er macht immer ­Laune!

Also: Steck dir deine Sorgen an den Hut! Auch ein Siegel-Hit.

Linda von Beck & Ulrike Schmidt

Gäste der Gala

Moderator Alexander-Klaus ­Stecher mit Ehefrau Judith ­Williams, Bunte-Chefin Patricia Riekel und Focus-Herausgeber Helmut Markwort nach dessen Verabschiedung; Dagmar Kögel (ehemals Siegel) mit Tochter Alana, Medienmanager Helmut R. Beierlein („Siegels Geliebte ist der Grand Prix!“); Texter und Komponist Robert Jung mit Frau Rosi, TV-Unternehmer Ralph und Sabine Piller, die Siegel Massage-Gutscheine und Schampus schenkten; Regisseur Otto W. Retzer mit Ehefrau Shirley, Ex-Ski-Ass Christa ­Kinshofer mit Ehemann, dem Knie-Spezialisten Dr. Erich Rembeck, dem Siegel beschied: „Für Sie wird nichts abfallen, meine Knie sind top in Schuss!“; SPIO-Chef ­Steffen Kuchenreuther und Gattin Soo Leng, Promi-Wirt Kay ­Wörsching mit Freund Achim Neumann, Künstlerin Antje Tesche-­Mentzen mit Ehemann Thorsten, Eagles-Präsident Frank Fleschenberg, die Schauspieler Dorkas Kiefer und Ralf Bauer, Gundis Zambo sowie DJ John Jürgens: „Für mich ist Ralph wie ein Onkel. Ich kenne ihn von klein auf, er war immer bei uns in Kitzbühel und mein Vater und er haben getextet und Musik gemacht. Er ist ein herzlicher Mensch, der ehrliche Gefühle hegt.“

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