Ein Leben auf der Überholspur

Ralph Siegels Autobiografie: Reine Herzenssache

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Ralph Siegel mit 69 daheim bei sich im Studio in Solln.

München - Er hofft auf einen weiteren Grand-Prix-Sieg, glaubt immer noch an die ewige Liebe und schenkt einer kleinen Chance großen Glauben - Ralph Siegel schreibt in seiner Autobiografie nicht nur, aber viel über seine Frauen.

Wer Ralph Siegel (69) ein bisschen kennt, weiß, dass er ein Mann ist, der sein Herz auf der Zunge trägt. Einer, der zu seinen ­Tränen steht – in Momenten großer Triumphe genauso wie in denen schmerzlichster Niederlagen. Der Komponist, Produzent und Musiker lebt seine Emotionen mit jeder Faser seines Seins, und kein Scheitern kann so verheerend sein, dass sich ein Ralph Siegel nicht doch noch einmal aufmachen würde, auch nach drei Ehen an eine ewige Liebe zu glauben, auf einen weiteren Grand-Prix-Sieg zu hoffen, und einer kleinen Chance unbedingten Glauben zu schenken. Das ist Ralph ­Siegel, wie ihn die Autorin dieser Zeilen seit bald 20 Jahren kennt.

Wie Ralph Siegel sich selber sieht, wie Ralph Siegel überhaupt Ralph Siegel geworden ist, wer und was ­Ralph Siegels Herz bewegt hat – das ist ab Montag schwarz auf weiß nachzulesen – in seiner Autobiografie, die heute in die Läden kommt.

Fast 70 Jahre pralles Leben auf 480 Seiten. Eine lückenlose Würdigung aller Freunde und Feinde, Künstler und Ärzte – und – vor allem seiner Frauen! Ja, in Ralph Siegels Herz haben viele Platz, kaum eine dürfte je gänzlich herausgefallen sein, bis vielleicht auf Claudia. Die Liebe – die zieht sich als roter Faden durch Siegels Biografie. Da war Giselle – „diese bildschöne 27-jährige blonde Engelsfrau“, auch Haus- und Kindermädchen, die quasi als Allererste den Avancen des Teenagers handfest nachgab. Allerdings bereitete Mutter Sternchen Siegel dieser Lust bald ein jähes Ende und chauffierte ihre Angestellte zum nächsten Arbeitsamt.

Dann kamen Pina, Kirsten, Helga, ­Heike, Ilanit und – ja auch – Hannelore. Jawohl, Hannelore Elsner. Kurz und heftig. 1965. Siegel: „Hannelore war damals mit einem Schauspieler liiert und für mich einfach unerreichbar. Wir trafen uns zwar immer wieder heimlich, aber es blieb eine fast verzweifelte, kurze, intensive Liebe.“

Das Cover der Autobiografie (24 Euro, LangenMüller).

Kurz und intensiv – das war auch die Affäre mit Gerda. Model. Eine Münchnerin in New York, die zur Wiesn kam und sich im Vier Jahreszeiten einmietete. Siegel poetisch: „Ich hatte Frühling, Sommer, Herbst und Winter samt Weihnachten und Ostern in einer Nacht. Eine einzige Nacht im Paradies und der blonde Engel flog zurück nach Los Angeles.“ Das war’s. Dafür kamen dann Renate, Ilse, Marie und Dunja. Letztere wurde Siegels erste Frau, und als sie es dann nur mehr auf dem Papier war, traf Siegel auf Jane, die ihm den heißesten Realtraum seines Lebens bescherte: Liebe auf dem Highway, auf der Interstate 95, bei voller Fahrt im Cadillac. Wie das geht – das steht auf Seite 241.

Ja, Ralph Siegel trägt sein Herz zu Papier, aber immer respekt- und liebevoll – vor allem auch gegenüber seinen drei Ehefrauen Dunja, Dagmar und Kriemhild sowie seinen drei erwachsenen Töchtern Giulia, ­Marcella und Alana, die sein ganzer Stolz sind. Noch vor seinen Erfolgen als Komponist, Produzent und Musikverleger.

In 50 Jahren schrieb Ralph Siegel deutsche Musikgeschichte – nicht nur mit seinem Grand-Prix-Sieg 1982. Er schrieb Hits, die Millionenseller wurden, insgesamt 2000 Lieder. Darunter Fiesta Mexicana (Michael Holm schrieb den Text, das Hossa steuerte Siegel bei) für Rex Gildo, Sand in deinen Augen für Roy Black, Griechischer Wein für Udo Jürgens und Steck dir deine Sorgen an den Hut für Peter Alexander. Er formierte die Gruppe Dschinghis Khan, die Moskau zur Hymne machte. Er entdeckte Andrea Berg und verkaufte die Kabarettisten Gerhard Polt und Willy ­Astor auf Schallplatte. Er machte Millionen.

Ralph Siegel hatte bei Jupiter-Records und seinen Verlagen weit über Hundert Leute beschäftigt. Aber da war die Welt noch analog. Wie die ­Digitalisierung die Musikwelt erschütterte und veränderte – auch dies dokumentiert die Biografie. Sie blickt hinter die Kulissen – bei der Arbeit mit Künstlern und Plattenfirmen.

Die Biografie lässt aber auch die bitteren Tage nicht aus, denn ein Leben auf der Überholspur fordert irgendwann seinen Tribut. So bedankt sich Ralph Siegel auch namentlich bei denen, die ihm Leben, Ohren, Finger und Augen gerettet haben: 28 Ärzte und Heilpraktiker.

Auch das ist Ralph Siegel: aus tiefstem Herzen dankbar. Für die Eltern, die ihm Talent und Möglichkeiten gegeben haben, für seine Ausbildung in der Schweiz, in München, Paris, New York und Nashville. Das ganze Buch ist ein lückenloser Dank an alle, die in Ralph Siegels Leben eine Rolle gespielt haben, egal, ob gut oder bös, und es erlaubt einen tiefen Blick in ein Herz, das Alleinsein nicht leiden mag!

Ulrike Schmidt

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