Lang gehegter Traum

Umjubelte Uraufführung von Ralph Siegels "Johnny Blue"

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Ralph Siegel feiert mit dem Musical Johnny Blue Erfolg. 

Brünn - Am Samstagabend feierte Ralph Siegels Musical "Johnny Blue" im tschechischen Brünn Uraufführung. Der Hit-Komponist  erfüllte sich damit einen Lebenstraum - und das mit großem Erfolg.

Dreizehn Minuten lang stehende Ovationen. Jubel. Und Tränen bei Ralph Siegel (69). Ein Leben lang hat der Hit-Komponist von einem Musical geträumt; am Samstagabend, fünf Monate vor seinem 70. Geburtstag, wurde dieser Traum im tschechischen Brünn (Brno) wahr – mit der Welturaufführung des Musicals Johnny Blue, vor 700 Premierengästen – darunter viele Münchner – im Stadttheater Mestské Divadlo, das zum großen Triumph wurde.

Warum ausgerechnet in Brünn? Weil dort einer der renommiertesten Musiktheater-Autoren und -Regisseure Europas, Stanislav Moša, zu Hause ist und von dort seine Arbeiten die großen Metropolen erobern. Er hat das Libretto zu Johnny Blue und damit eine Hommage an Ralph Siegels Schaffen geschrieben: 38 seiner berühmtesten Schlager und Grand-Prix-Hits durchziehen das Stück, in dem sich der blinde Straßenmusiker Johnny Blue von Teufelin Satana zu einem Handel verführen lässt: Ruhm und Sehkraft gegen Johnnys Seele, die Maria so liebt... Und obwohl Johnny endlich die Welt sehen und über alle Maßen genießen kann – das Wesentliche sieht er längst nicht mehr, wie die Liebe seiner Maria, die sich mit Satana anlegt, um ihren Johnny wieder zugewinnen...

Siegels Welthits im Musical bedienen alle Gefühlslagen - von Partykrachern (Moskau, Dschingis Khan) über Herzensbrecher wie Peter Pan oder Ich hab Dich geliebt und den großen Grand-Prix-Hits Johnny Blue, Theater, Theater oder Ein bisschen Frieden. Lachen wechselt mit Gänsehautschauern – das modern inszenierte und mit provokant pracht- und bis ins Detail liebevoll ausgestatten Kostümen (Andrea Kucerová) fesselte über zwei Stunden das Publikum, das mit Zwischenapplaus schon zu Anfang nicht geizte. Die Bühne, die Künstler, die Musik – das Musiktheater Brünn leistet sich noch ein 30-köpfiges Orchester – alles aus einem Guss! Dafür hatte sich die Tagesreise nach Böhmen gelohnt. Wie für Katja Ebstein, deren Grand-Prix-Song von 1980 – Theater – das Eröffnungslied Johnny Blue ist: Theater, Theater, der Vorhang geht auf... „Eine tolle Idee – das Musical!“, schwärmte sie und freute sich vor allem über den Erfolg für Ralph Siegel.

Schauspielerin und Grand-Prix-Teilnehmerin Dorkas Kiefer ist aus Düsseldorf angereist und war nur noch hingerissen! Sie vertrat Deutschland 1994 mit der Gruppe MeKaDo beim ESC in Dublin mit dem Lied Wir geben ne Party, mit dem sie den 3. Platz erreichte. Im Musical vermittelt der Song die ausschweifende Feierlaune, der sich Johnny bis zum Exzess hingibt. „Für mich ist dieses Musical ein Bad der Gefühle und eine Reise der Erinnerung. Es passt alles wunderbar zusammen.“ Dass das Musical nicht nur eine Aneinanderreihung großer Hits ist, sondern eine durchinszenierte Geschichte liefert, das hat dem ehemaligen Chef des Deutschen Theaters, Heiko ­Plapperer, besonders gefallen. Auch der aktuelle Chef der Münchner Unterhaltungsbühne, Werner Steer, war absolut begeistert und wird das Musical wohl auch nach München holen.

Extra aus London angereist kam Valentina Monetta – ihr Grand-Prix-Song für San Marino 2013 in Malmö, Crisalide, hat neben zwei weiteren Liedern ebenfalls einen Platz im Musical gefunden, und sie hat sich vor Freude gar nicht mehr fassen können: „Alles überragend - ich freue mich so für Ralph!“ Die Italienerin orientiert sich gerade neu; in London hat die 40-Jährige eine große Liebe...

Den Titel Johnny Blue sang ursprünglich Lena Valaitis. Sie belegte 1981 den zweiten Platz beim Eurovision Song Contest in Dublin. Am Samstagabend in Brünn konnte sie leider nicht mit von der Partie sein, weil sie selbst einen Auftritt hatte. Auch Grand-Prix-Siegerin Nicole musste sich entschuldigen – sie war weit weg im Ausland.

Aber die Siegel-Familie war da! Ex-Frau Dunja, die die Komposition vieler dieser Hits in ihrer 21-jährigen Beziehung mit Ralph Siegel live miterlebt hatte und am Samstag von einem Tränenbad ins nächste steuerte, weil dieser ganze Abend so emotional und berührend war. Tochter Marcella, die inzwischen in Zürich lebt, war „mit Stolz erfüllt“ auf ihren Papa. „Es war so schön, das alles einmal auf der Bühne zu sehen. Ein großer Traum, der für meinen Vater in Erfüllung geht.“

Und auch Ralph Siegel selbst kämpfte immer wieder gegen die Tränen in den Augen – ein Gefühlsmensch sondergleichen. 43 Jahre seiner Schaffensgeschichte umfasst das Musical. „Für mich ist das eine große Ehre, dass Regisseur und Autor Stanislav Moša meine Musik entdeckt hat.“ Und der wiederum kann Siegels Komponisten-Qualitäten gar nicht genug hochloben. Er hat aus Siegels 2000 Kompositionen zunächst 80 für seine poetische Inszenierung in die engere Wahl genommen, 38 wurden dann für das Orchester arrangiert. „Es war immer Ralphs großer Traum, seine Lieder auf die Bühne zu bringen“, weiß auch er.

An der Erfüllung dieses Traums arbeitete auch die Berliner Theaterverlegerin und Agentin Bettina Migge (Gallissas), die die Rechte an Johnny Blue übernommen hat und auch schon an einem Plan arbeitet, das Musical in Deutschland groß rauszubringen. Vielleicht klappt es ja noch an Ralph Siegels 70. Geburtstag am 30. September!

Blue blue blue Johnny Blue, alle singen deine Lieder...

Mit dabei an diesem denkwürdigen Abend in Brünn, der bis in die frühen Morgenstunden mit den Künstlern gefeiert wurde, u.a. auch: Ralph Siegels Tochter Alana (18 – aus der Ehe mit Dagmar Siegel), die so bewegt war, dass sie richtig gezittert hat und „Stolz ohne Ende“ auf ihren Papa ist (ab Sommer wird sie in New York an der Filmakademie in Richtung Regie studieren); Sängerin, Textdichterin und Musical-Autorin und Gerhart-Hauptmann-Enkelin Anja Hauptmann, die auch Musicals schreibt, früher auch ein Tonstudio in München hatte, aber seit 18 Jahren in Berlin lebt; Komponisten-Legende Dr. Christian Bruhn („Ralph Siegel ist der Größte!“), Silver-Convention-Legende Penny McLean und Heimatkanal-Chef Reinhard Ehret. Giulia Siegel ist auf dem Weg von einem DJ-Auftritt in Düsseldorf nach Wien steckengeblieben – ihr Gepäck ging verloren.

Ulrike Schmidt

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