Interview 

„Es wäre das Ende einer Epoche“: Reinhold Messner über den Versuch einer K2-Winter-Erstbesteigung

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Reinhold Messner spricht im Interview mit der tz über die Gefahren des K2

Reinhold Messner spricht über die Gefahren des K2. Der zweithöchste Berg der Welt wurde im Winter noch von keinem Menschen erklommen. 

München - Der K2 an der Grenze zwischen China und Pakistan ist mit 8611 Metern, nach dem Mount Everest (8848 Meter), der zweithöchste Berg der Welt. Und er ist der einzige der 8000er-Gipfel, der noch nicht im Winter, der dafür gültige Zeitraum erstreckt sich von 21. Dezember bis 21. März, bezwungen wurde. Aktuell versuchen zwei Expeditionen diese Lücke zu schließen.

Der "Berg der Berge", wie Reinhold Messner den K2 nannte, liegt an der indisch-pakistanisch Grenze und ist mit 8 611 Metern der zweithöchste Berg der Erde.

Eine Gruppe Spanier um Alex Txikon befindet sich in Camp 2 auf 6700 Metern. Ebenso der erfahrene russische Bergsteiger Artem Braun mit kirgisischen und kasachischen Kollegen. Während die Spanier noch überlegen, hat sich die zweite Gruppe für die Abruzzi-Route auf dem Südsüdostgrad entschieden. Gemütlich ist keiner der möglichen Wege. Die Temperaturen erreichen im Winter bis minus 50 Grad. Die Luft ist extrem dünn, in der Todeszone über 8000 Meter überlebt der Mensch maximal 48 Stunden. 83 von 414 Besteigungsversuchen endeten am K2 tödlich. Jeder zehnte Gipfelbezwinger stirbt noch auf dem Rückweg ins Basiscamp. Reinhold Messner (74) hat den Berg 1979 zusammen mit Michl Dacher (†61) ohne Sauerstoff bezwungen. Im tz-Gespräch ordnet er die Expedition historisch ein und spricht über die Gefahren des K2.

Herr Messner, sollte die Besteigung gelingen, wie hoch ist sie zu bewerten?

Die Expedition ist medial interessant, weil der K2 als letzter 8000er noch nicht im Winter bezwungen wurde. Ein Anstieg dort hinauf birgt immer Gefahren, aber ein Erfolg wäre nicht mehr als eine Fußnote in der Geschichte des Alpinismus. Es ist keine bahnbrechende Neuigkeit, sondern das Ende einer Epoche. 

Warum? 

Winterbesteigungen sind eine Modeerscheinung. Es begann in den 60er-Jahren in den Alpen, beispielsweise mit der Eiger Nordwand, ebbte aber wieder ab. In den vergangenen 30 Jahren hat dieses Phänomen die 8000er ergriffen. Als dem Polen Krzysztof Wielicki 1980 zusammen mit Leszek Cichy die erste Winterbesteigung des Mount Everest gelang, das war noch ein Ereignis. Sie hatten keine Sherpas, die vorangegangen sind, und nicht die Menge an Hilfsmittel, die heute zu Verfügung stehen.

Können Sie Beispiele nennen?

Die Polen kannten den Wetterbericht maximal einen Tag im voraus. Heute ist man ständig mit der Außenwelt in Kontakt und lässt sich von Wetterstationen die Vorhersage für drei bis vier Tage übermitteln. Der K2 ist im Winter herausfordernd, weil er von starken Winden umspült ist. Wenn der Jetstream auffrischt, ist dort oben nicht viel zu machen. Aber die Wahrscheinlichkeit, in Gipfelnähe in einen Sturm zu gelangen, ist heutzutage aufgrund der vielen Informationen sehr gering. 

Wie unterscheiden sich Sommer- und Winterbesteigungen?

Die äußeren Bedingungen machen es im Winter schwerer. Das Wetter ist zwar besser, aber die Tage sind kürzer und es ist kälter. In den nächsten Tagen wird aber noch keiner auf den Gipfel marschieren, Ende März wird es wärmer. 

Welche Gruppe hat mehr Chancen?

Die russische Expedition hat gute Möglichkeiten, die Jungs sind zäh und gehen zügig. Sie haben sich für die Abruzzi-Route, den Weg, den auch ich damals gewählt habe, entschieden. Die Spanier überlegen noch und liebäugeln mit dem Amerikaner-Grad, aber ich vermute, dass sie letztlich der anderen Gruppe hinterhergehen. Es gäbe noch eine andere Variante über die Ostseite, aber dort ist noch nie jemand gegangen, ich denke nicht, dass sie sich dafür entscheiden. 

Welchen alpinen Leistungen zollen sie derzeit den höchsten Respekt? 

David Lama oder Hansjörg Auer sind für mich im Moment die Stars. Sie sind Vertreter des Verzichtsalpinismus. Kein Sauerstoff, keine Bohrhaken, keine Kommunikation und keine Drogen, das zeichnet für mich echten Alpinismus aus. Man ist in dieser Zeit auf sich alleine gestellt, dafür braucht man eine gute Portion Leidensfähigkeit. Auf vieler der heutigen Expeditionen wird jedes Hilfsmittel eingesetzt, das man heutzutage zur Verfügung hat. Ganz besonders beim Pisten-Alpinismus, zum Beispiel auf dem Everest. 

Klingt nicht nach Genussklettern. 

Es ist kein Hönigschlecken. Jeder echte Alpinist, der Ihnen erzählt, dass alles nur spaßig ist, redet Unsinn. Das ist oberflächliches Gewäsch. 

Und außerhalb des Hochalpinen? 

Der Amerikaner Alex Honnold imponiert mir auch. Ohne Sicherung in einer 1000 Meter hohe Wand, das macht sonst niemand. 

Interview: Mathias Müller

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