Krimi-Autorin Rita Falk spricht erstmals über den Tod ihres Mannes

Das Drama meines Lebens

Krimi-Autorin Rita Falk mit ihrem Ehemann Robert bei der „Leberkäsjunkie“ Premiere im Münchner Mathäser-Kino
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Rita Falk mit Ehemann Robert

„Er war mein Seelenmensch“, sagt Rita Falk (57) über ihren Robert. Ihr halbes Leben, 25 Jahre verbrachten die beiden Seite an Seite, erlebten den Aufstieg Ritas zur bayerischen Erfolgsautorin (Winterkartoffelknödel). Das hat ihren Alltag verändert, aber nicht ihre tiefe Liebe. Robert, als ehemaliger Polizist, war ein Quell an Ideen für den schrägen Dorfpolizisten Eberhofer. Die Bücher schossen sofort auf die Bestsellerlisten, die Kinofilme waren Kassenknüller. Doch die Falks blieben auf dem Boden, bauten ein altes Schulhaus auf dem Land bei Landsberg am Lech zu ihrem privaten Paradies um. Rita schrieb, Robert hielt ihr als Hausmann, Gärtner und Manager den Rücken frei. Bis Anfang 2020 – dann kam die niederschmetternde Diagnose für Robert: Krebs. Ein halbes Jahr später musste Rita von ihm für immer Abschied nehmen. Für sie brach ihre Welt zusammen. Denn neben dem Schmerz ihren Herzensmenschen verloren zu haben, musste sie sich neu organisieren. 

Wie schön, Dich wieder lachen zu sehen...

Rita Falk: Seit ein paar Wochen geht’s mir richtig gut. Der Winter war hart, da gab es schon krasse Tage. Ich hab’ in meinem ganzen Leben nicht so viele Tränen vergossen, wie im letzten Jahr. Meine Augen waren manchmal ganz zugeschwollen.

Hast Du Dir keine Hilfe geholt? Zum Beispiel beim Therapeuten?

Falk: Nein, ich kann mich nur Menschen öffnen, die ich kenn und mag, sonst bin ich wie zubetoniert. Ich habe viel mit meiner Familie und meinen Freunden gesprochen, das ist eine wahnsinnig gute Basis. Als ich zu Robert sagte, du kannst doch jetzt nicht gehen! sagte er: „Doch für mich ist es gut jetzt. Und schau dich um, du hast lauter großartige Leute um dich.“

Deshalb geht’s Dir jetzt auch besser.

Falk: Jetzt steh ich gut im Leben und weiß auch dass es wieder weitergeht. Ich weiß auch, dass ich den Robert wieder seh‘. Ich habe scheinbar noch etwas zu erledigen, wo er nicht mit sollte.

Deshalb auch die neue Wohnung in München?

Falk: Ja, das ist total wichtig für mich. Im Haus draußen (Auf dem Land bei Landsberg am Lech, Anm.) ist Robert in jeder Ecke. Wir haben jeden Kissenbezug miteinander ausgesucht. Das ist hier ist alles jungfräulich und ist nur meins.

Und typisch Rita, fröhlich und bunt. Kannst Du hier auch schreiben?

Falk: Ja gut, aber das hat gedauert. Wie wir Roberts Diagnose erfahren haben, waren schon acht Kapitel vom Reh­ragout Rendevous fertig. Aber dann ist gar nichts mehr gegangen. Ich hab’ den Verlag angerufen und gesagt: Ich kann jetzt kein lustiges Buch schreiben.

Wie ging’s dann weiter?

Falk: Robert seine Krankheit hat genauso lange gedauert, wie es für uns gut war, um uns ordentlich zu verabschieden. Es waren sechs Monate, das hat gerade gereicht, das unser Ältester in Amerika seine Zelte abgebrochen hat und heimgekommen ist. Der Jüngere hat in Landshut ein Lokal, dass er eh wegen Corona zumachen musste. Und so hatten wir ein paar Wochen eine total schöne Familienzeit. Obwohl wir gewußt haben, wohin die Reise geht, war es wahnsinnig schön, harmonisch und eng. Eine großartige Zeit.

Und nach seinem Tod?

Falk: Als Robert gestorben ist, hab ich mich immer wieder hingesetzt und mir gesagt: so, jetzt schreibt’s was. Ich konnte nicht, keine Zeile. Dann hab ich die acht Kapitel gelesen und dacht mir: was ist das denn? Ich habe alles hinterfragt, total, auch den ganzen Eberhofer. Ich hatte das Gefühl, zehn Jahre lang einen Schmarrn geschrieben zu haben, so schlimm war das.

Wann konntest Du wieder schreiben?

Falk: Erst als mir eine sehr gute Freundin richtig den Kopf gewaschen hat. Sie ist zu mir ins Gästezimmer gezogen und hat gesagt, Rita, du musst dich um nichts kümmern. Du hockst Dich nur ins Zimmer und schreibst! Und das hat sie gemacht, zehn Tage lang. Das war die Lösung.

Und Eberhofer dich auch auf andere Gedanken gebracht...

Falk: Mir hat der böse, schräge Witz vom Eberhofer gut getan. Und wenn ich abends noch mal drüber gelesen habe, hab ich sogar lachen müssen.

Robert war immer Deine Inspirationsquelle für den Eberhofer. Hast Du die Figur jetzt verändert?

Falk: Er ist ein bisserl anders, der Ton hat sich geändert. Ich bin durch die Geschichte mit Robert erwachsener geworden. Auch die Susi ist emanzipierter geworden, das spiegelt wohl mein eigenes Leben wieder.

Emanzipierter? Robert hat dich doch nicht unterdrückt?

Falk: Nein, nein, das nicht, sondern ich habe viel auf ihn abgelegt. Mit Robert habe ich nicht nur meinen Seelenmenschen verloren, sondern auch meinen Rückenfreihalter. Ich habe geschrieben und er hat alles andere gemacht, vom Einkaufen, mich zu Lesungen gefahren, Buchhaltung, Termine, was anfiel. Ich habe geschrieben und Wäsche gemacht. Ich war nicht nur seelisch am Ende, sondern auch logistisch. Es ist alles zusammengebrochen. Das will ich nie wieder erleben.

Du hast aber scheinbar alles wieder gut im Griff...

Falk: Du wirst es nicht glauben, aber ich konnte nicht mehr Autofahren. Ich bin zehn Jahre nicht mehr gefahren, war nur Beifahrerin. Und dann muss ich auf einmal nach München reinfahren! Ich hatte Schweißausbrüche, war fix und fertig. Der Verkehr hat mich unglaublich gestresst. Und jetzt? Jetzt fahr ich durch München, als hätte ich die Autobahn gebaut (lacht). Fenster runter und laute Musik an, wie ein Teenager.

Auf der Suche nach Abenteuern. Und einer neuen Liebe?

Falk: Ich glaube nicht, dass ich für den Rest meines Lebens allein bleibe, aber ich bin jetzt nicht auf der Suche. Ich freu mich erstmal, wenn’s Wetter schöner wird, dann flanier ich durch den Englischen Garten, vielleicht flirte ich auch ein bisserl? Aber einen neuen Partner würde ich nicht mit ins Haus nehmen, das ist Roberts Platz.

Dort habt ihr auch, unweit von Eurem Haus, die Trauerfeier abgehalten. Wo ist er begraben?

Falk: Er ist eingeäschert worden, daraus habe ich einen Diamanten machen lassen. Der Anhänger geht jetzt in unserer Familie herum. Gerade hat ihn Patrick, er hat ihn bei seiner Hochzeit getragen.

Und ein frisches Tattoo auf Deinem Arm mit Dalien und einem Schmetterling erinnert auch an Robert.

Falk: Ja, gleich in der Woche wo er gestorben ist habe ich das machen lassen. Mit den Blumen habe ich praktisch die Trauer und die Trauerfeier verarbeitet und aus den Blumen steigt ein Schmetterling empor, wie Robert – und geht dann in die Freiheit.

Einen neuen Hund hast Du auch?

Falk: Ja, die Zenzi. Wie es dem Robert so schlecht gegangen ist im letzten Jahr, hat Patrick gesagt, du brauchst jetzt was für deine Seele. Er zeigte mir ganz viele Fotos im Internet und sie, die Madame hier, wollte ich mir mal ansehen. Aber plötzlich hatte ich das Gefühl, es wird mir alles zu viel. Ich wollte den schon Termin absagen, da rief Robert von der Couch her: „Rita, du fahrst jetzt mit Patrick dahin und schaust den Hund an. Du brauchst jetzt was für deine Seele.“ Das war sein letzter Auftrag an mich.

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