Gedenken an Schlager-Star

Roy Black starb vor 30 Jahren einsam in Hütte - Gerichtsmediziner äußerte sich zur Todesursache

Roy Black
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Schlagersänger Roy Black bei der Verleihung der „Löwen“ von Radio Luxemburg am 11.04.1981 in Dortmund.

Zu seinem 30. Todestag am 9. Oktober wird Schlager-Legende Roy Black gedacht. Er starb einst einsam in seiner Fischerhütte in Bayern.

Bobingen - Jahrzehntelang gehörte Roy Black zu den größten Unterhaltungsstars in Deutschland, eine treue Fangemeinde verehrt ihn bis heute. Nun jährt sich der Todestag des Sängers zum 30. Mal. Mit einem Galaabend will Blacks Geburtsort an den Schlagersänger erinnern. Zu dem Konzert am 9. Oktober in Bobingen (Landkreis Augsburg) wird auch Anita Hegerland erwartet, die vor genau einem halben Jahrhundert als erst zehn Jahre alte Duettpartnerin mit Black und dem Song „Schön ist es auf der Welt zu sein“ in mehreren Ländern oben in den Hitparaden landete.

Roy Black: Gedenk-Konzert in Bobinger Singoldhalle

„Ich vermisse Roy noch immer. Wir hatten eine schöne erfolgreiche Zeit gemeinsam auf der Bühne über viele Jahre“, sagte die norwegische Sängerin kürzlich über ihre Zeit als Kinderstar an der Seite von Black. Hegerland ist bis heute eine gefragte Sängerin, mit Mike Oldfield wurde sie einst auch durch Hits wie „Pictures in the dark“ und „Innocent“ international bekannt. Bei der Gala wird sie zusammen mit dem Sänger Kay Dörfel auftreten, der sonst auch mit einer Roy-Black-Show tourt.

Anita sang „Schön ist es auf der Welt zu sein“ mit Roy Black - 1971 kletterte der Song in die Charts.

Roy Black: Er starb am 9. Oktober vor 30 Jahren an einem Herzanfall

Das Konzert ist am 9. Oktober in der Bobinger Singoldhalle geplant. An jenem Tag war im Jahr 1991 Roy Black im Alter von erst 48 Jahren an einem Herzanfall gestorben, nachdem er bereits lange Probleme mit dem Herzen hatte. Black war damals allein in seiner abgelegenen Fischerhütte im oberbayerischen Landkreis Mühldorf, sein Bruder fand ihn dort später tot.

Einer der an der Obduktion beteiligten Gerichtsmediziner sprach 2016 mit der Bild über die Todesursache. „Die genaue Todesursache war eine schwere natürliche Erkrankung des Herzens, wobei sicher der Alkohol eine Mitursache ist, denn Alkohol ist aus medizinischer Erfahrung kardiotoxisch, das heißt, es ist für den Herzmuskel ein schädigendes Agens“, so Professor Wolfgang Eisenmenger. Die Bild berichtete, es seien vier Promille Alkohol im Urin und drei Promille Alkohol im Blut festgestellt worden. Der Gerichtsmedizinier nannte oder bestätigte die Zahlen zwar nicht, meinte aber: „Ich sage Ihnen, dass es ein Wert war, der üblicherweise nur bei vorliegender Alkoholkrankheit überhaupt erreicht und überlebt wird.“

Roy Black: Viele Spekulationen über Todesursache

Die Bild zitierte zudem aus dem Protokoll der Obduktion: „Eine anatomisch eindeutig nachweisbare Todesursache hat die Obduktion des Herrn Höllerich nicht ergeben. Bei der schweren krankhaften Veränderung des Herzens ist davon auszugehen, dass der Tod an einem natürlichen Herzversagen eingetreten ist.“

Dass Roy Black sich „zu Tode getrunken habe“, wie manchmal geschrieben wird, sei „eine Interpretation - und nicht meine“, ordnete Eisenmenger allerdings schon 2011 gegenüber dem Spiegel entsprechende Spekulationen ein. Das Obduktionsgutachten, so der Spiegel seinerzeit weiter, bezog sich laut Eisenmenger auf eine Herzerkrankung Blacks. Diese sei „jederzeit geeignet, den Todeseintritt zu erklären“. Die Herzerkrankung habe zwar nicht zwangsläufig zum Tode geführt, es sei aber wahrscheinlich - deshalb sei diese als Todesursache im Gutachten festgehalten worden.

Black, gebürtiger Schwabe, hieß eigentlich Gerhard Höllerich. Seit den 1960er Jahren stürmte er mit Titeln wie „Du bist nicht allein“ die Charts, im Sog des Erfolgs wurde der blendend aussehende Künstler auch noch ein Filmstar. Es war kein Geheimnis, dass er mit seinen Schlagern nicht immer ganz glücklich war. Denn ursprünglich hatte Roy Black die Augsburger und die zahlreichen in der Stadt stationierten US-Soldaten mit seiner Rock'n'Roll-Band Cannons unterhalten.

Roy Black: Schlager-Star war eigentlich Rock‘n‘Roller

Doch dann habe er mit 22 Jahren „Ganz in Weiß“ gesungen, obwohl er gar nicht ans Heiraten gedacht und es nicht so empfunden habe, erinnerte sich der Musiker bei Joachim Fuchsberger in der ARD-Talkshow „Heut' abend“ im Jahr 1988. Dieser Titel habe ihn geprägt und aus einem Rock'n'Roller „plötzlich einen deutschen Schnulzensänger gemacht“, sagte Black unumwunden.

Auch Uschi Glas erklärte, dass er sich unverstanden fühlte. Sie sagte 2016 der Bild: „Er war ein sehr nachdenklicher Mensch. Wir sind nach dem Drehen oft in kleine Wirtshäuser gegangen, in die hintersten Ecken. Da hat er dann Gitarre gespielt und ich habe dazu gesungen. Er hat mir immer gesagt: Die Leute wissen gar nicht, dass ich wirklich Musiker bin.“

Uschi Glas und Roy Black drehten zusammen fünf Filme, verstanden sich auch hinter der Kamera gut. Ihr vertraute er sich an. Er habe „es nie verkraftet, ein ,Schlagerfuzzi‘ sein zu müssen. Er wäre lieber Rocker geworden, das war sein Leben“, so Glas.

Anfang der 1990er war er nach einigen Auf und Abs beruflich wieder obenauf. Die RTL-Serie „Ein Schloß am Wörthersee“ mit dem Sänger in einer der Hauptrollen wurde ein großer Erfolg. Privat erlebte Black damals Höhen und Tiefen. Seit Vater war gestorben, seine Freundin hatte die gemeinsame Tochter zur Welt gebracht - wenige Wochen später starb auch der Sänger überraschend.

In Bobingen und im nahen Augsburg erinnern heute Straßen und eine Büste an Black. Pilgerziel für Fans ist aber insbesondere sein Grab im Bobinger Ortsteil Straßberg. Immer wieder wird auch die Errichtung eines eigenen Roy-Black-Museums diskutiert, doch in der Verwaltung von Bobingen gibt es keine konkreten Pläne diesbezüglich.

Ein Foto auf dem Grabstein von Roy Black, mit bürgerlichem Namen Gerhard Höllerich, aufgenommen am 30.09.2016 in Bobingen-Straßberg (Bayern).

Roy Black: Mehrere CD-Sammlungen zu seinem Jahrestag

Die Kommune würde solch ein Projekt zwar unterstützen, habe selbst aber kein Geld, erklärt eine Sprecherin. Ein Museum hänge daher von einem Investor ab. Allerdings gibt es bereits im Museum Oberschönenfeld des Bezirks Schwaben eine kleine Roy-Black-Abteilung. Dort können Fans beispielsweise den hessischen Bembel besichtigen, den der Sänger einst für einen Besuch in Heinz Schenks Fernsehshow „Zum Blauen Bock“ erhielt.

Das Gedenken der Black-Fans nimmt allerdings kontinuierlich ab. Davon zeugt auch die Internetseite promigrab.de, auf der auch an Künstler wie Heinz Erhardt oder Heidi Kabel erinnert wird. Dort gibt es auf rund 220 Seiten zahlreiche Kondolenzeinträge für Black, aber in den vergangenen Jahren kamen nur wenige hinzu. Vor einigen Wochen schrieb ein Fan aus den Niederlanden noch: „Roy, danke für alles! Auch 2021 ist deine Musik noch wunderbar!“

Die Musik- und Erinnerungsindustrie zehrt dennoch weiterhin etwas von dem längst verstorbenen Schlagerstar. In den Monaten vor dem Jahrestag seines Todes sind mehrere CD-Sammlungen neu erschienen. Und Bewunderer des Künstlers können sich auch im kommenden Jahr wieder täglich von ihm begleiten lassen: Ein Verlag hat bereits wieder den „Sternstunden Roy Black“-Kalender für 2022 veröffentlicht. Eine andere Schlager-Legende ist kürzlich nach einer Corona-Infektion gestorben. (dpa/lin)

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