Im kalten Biergarten

Rücktritt vom Rücktritt: Jürgen von der Lippe im tz-Interview

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München - Frohe Kunde für alle Fans von Jürgen von der Lippe: Im tz-Interview sagt der 67-Jährige, dass er nun doch ein weiteres großes Bühnenprogramm schreibt.

Rücktritt vom Rücktritt also – denn eigentlich, so hatte es der Allrounder bekannt gegeben, gehe ihm die Kraft aus für große Hallen-Gaudi.

Womit wir bei unserer Gaudi wären in einem großen Biergarten der Stadt. Bevor’s in die warme Hüttn geht, gibt’s Fotos im Frost. Von der Lippe hat sein neues Buch im Gepäck, Der König der Tiere. Der ­Komiker, Musiker und Autor auf dieser Seite in Wort und Bild.

Jürgen von der Lippe: Im Gleichgewicht

Die berühmte Work-Life-Balance, der Einklang zwischen Arbeit und Privatleben. Ein Beispiel dieses neuzeitlichen Begriffs ist etwa die Elternzeit des Mannes. Joschka Fischer sagte vor über 30 Jahren mal, dass ihn die „Klemm-Chauvis“ nerven, die „auf breiter Schleimspur der Frauenemanzipation hinterherkriechen“. Mal abwarten, ob sich dieses Modell durchsetzen wird oder es Episode bleiben wird.

Ein ausgewogenes Miteinander zwischen Arbeit und Freizeit findet bei mir überhaupt nicht statt. Wenn ich nicht schreibe, schaue ich Fernsehen oder lese oder treffe Menschen – aber immer mit ausgefahrenen Antennen über eine mögliche Verwertbarkeit. Das ist ein Hintergrundprozess, der sich automatisiert hat. Den werde ich auch nicht mehr ändern können.

Was nicht heißen soll, dass ich keine normalen Gespräche führen kann, ohne zu kategorisieren. Ich lasse mich schon sehr weit auf Menschen ein, weil ich sie interessant finde und ihnen erst einmal wohlwollend gegenüberstehe.

Privat höre ich viel lieber zu und frage nach. Öffentlich muss ich ohnehin viel mehr reden. als ich zuhören kann.

Ab und zu denke ich mir: Herrgott, ich bräuchte mehr Zeit für Musik, Zaubern, Freunde bekochen. Aber das ist Klagen auf hohem Niveau.

Jürgen von der Lippe: Ordnungshüter

68er? Ja, aber Probleme mit der Polizei hatte ich nie, im Gegenteil. Zu Studentenzeiten war ich mal mit der bildhübschen Freundin eines Kumpels im VW unterwegs. Er ist liegen geblieben. Der VW, nicht der Kumpel. Zwei Gesetzes­hüter schleppten uns zum Schrottplatz, wo sie die Kiste wieder zum Fahren gebracht haben. Dass sie so eifrig halfen, lag wohl nicht an mir.

Jürgen von der Lippe: Gewichtige Zahlen

Ich mache jetzt Weight Watchers. Meine Frau ist da schon seit vergangenen Oktober sozusagen stationär, und sie hat mir zu Weihnachten einen jener berühmten, nicht ganz uneigennützigen Gutscheine geschenkt – mit Selbstbeteiligung. Das Prinzip ist nicht schlecht: Man hat eine Punkteskala – bei mir lautet die Maximalzahl 36 –, die man am Tag zu sich nehmen darf. Also: Wenn ich Nahrung im Wert von 22 Punkten verzehrt habe, dann bleiben mir am Abend 14 Punkte übrig für drei Gläser Wein. Beispielsweise. So lernt man, sein Essverhalten nachhaltig und vernünftig zu ändern. Auf der dazugehörigen App gibt es auch schöne Rezepte. Aber das folgende ist von mir – köstlich und hat nur ganz wenig Punkte. Gemüse und Obst zählen übrigens null Punkte, egal, wie viel man isst. Also:

Die Möhren (Jürgen meint Karotten oder Gelbe Rüben, d. Red.) nicht zu fein raspeln, dann Rosinen, eine kleine Zwiebel, Pinienkerne und je nach Geschmack eine frische Chilischote dazu und ein arabisches Sieben-Kräuter-Gewürz. Mit ganz wenig Rapsöl kurz andünsten, dazu Magerjoghurt mit indischer Minzmischung.

Als Krönung hole ich mir von meinem Türken ein frisches halbes Grillhähnchen, teile es und schiebe eine Hälfte 40 Minuten in den Backofen. Ein viertel Hühnchen mit dem Salat macht sieben Punkte.

Jürgen von der Lippe: Das ewig Weibliche ...

Das, was heterosexuelle Männer magisch anzieht, mal mehr, mal weniger, ist das Frau-Sein an sich. Grundsätzlich kann man von „magic“ sprechen. Ich habe kein spezielles Beuteschema. Zur Ironie meines Schicksals zählt, dass ich schlanke Frauen bevorzuge. Aber es gibt auch einen ganz bestimmten Typ von üppigen Frauen, die toll sind. Kompakt, fest …

Dazu gesellen sich natürlich die geistigen Werte, die Aussicht auf ein intellektuelles Gespräch. Danach. Dabei muss es nicht schaden, wenn die Frau aus, sagen wir, Brasilien kommt. Wenn man nichts versteht, weiß man ja nicht, ob sie nicht über Quantenphysik oder Philosophie reflektiert. Wobei einem dieses Phänomen auch in heimischen Gefilden widerfahren kann. Monika Gruber etwa, die ich sehr attraktiv finde, habe ich mal in einem ihrer Programme gesehen und kein Wort verstanden. Kein Wort.

Jürgen von der Lippe: Das neue Buch

„Der König der Tiere“ heißt das jüngste Werk mit Geschichten und Glossen (Knaus, 223 Seiten, 16,99 Euro). Von der Lippe erzählt launig und lässig von menschlichen Unzulänglichkeiten (klar geht es auch oft um Erotik), Sprachtücken, das Individuum in der Gesellschaft, unverschämte Tagebücher und vieles mehr. Und immer spürt man auch bei deftiger Kost: Dahinter steckt ein ausgesprochener intellektueller und sinnenfreudiger Feinschmecker, der seine ungebrochen kindliche Freude daran hat, auf seine Luftschlösser ordentlich draufzuhauen. Warum er so gerne schweinigelt? „Weil ich’s kann. Ich liebe diese Fallhöhe“, sagt er. Operation gelungen. Die Gefallhöhe ist prima.

Matthias Bieber

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