Fernsehpreis für ihr Lebenswerk

Kubitschek: Mit Stil und Persönlichkeit

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Ruth Maria Kubitschek sieht man ihre 81 Lebensjahre nicht an.

München - Ruth Maria Kubitschek wird am Freitag mit dem Bayerischen Fernsehpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. In der tz verrät die Schauspielerin (Monaco Franze, Kir Roal), wie sie zu dem wurde, was sie ist.

Es ist schon ein Weilchen her, dass Ruth Maria Kubitschek ihre Runden auf dem Münchner Society-Parkett gedreht hat. Viel lieber arbeitet die 81-Jährige in ihrem paradiesischen Garten in der Schweiz, schreibt Bücher oder dreht neue Filme. Am Freitag ist die große Schauspielerin, die sich in Serien wie Monaco Franze oder Kir Royal selbst ein Denkmal setzte, in der Stadt. Im Prinzregententheater wird sie den Bayerischen Fernsehpreis für ihr Lebenswerk entgegennehmen (19 Uhr, live bei 3sat). Im tz-­Gespräch erzählt sie, wie sie wurde, was sie ist. Wie wir finden: eine wunderbare Dame mit Stil und Persönlichkeit.

Frau Kubitschek, welche Bedeutung hat das Wort „Lebenswerk“ für Sie?

Ruth Maria Kubitschek: Ich sehe darin eine Anerkennung. Da wird der Weg gewürdigt, den ich bis hierher gegangen bin, und meine Arbeit, die vielleicht etwas Bleibendes und auch Schönes hinterlässt.

Was in der Schauspielerei nicht immer gelingt …

Kubitschek: Unser Beruf ist sehr flüchtig. Da läuft am Abend ein Film, er huscht vorbei, und schon am nächsten Morgen weiß man oft nicht mehr, was man gesehen hat. Wir werden so überflutet von Filmen, dass die Dinge vorbeifließen, ohne uns zu berühren.

Sie wussten schon mit vier Jahren, dass Sie Schauspielerin werden wollen. Was ist damals geschehen?

Ruth Maria Kubitschek mit Helmut Fischer.

Kubitschek: Ich habe im Kindergarten in derTschechoslowakei, wo ich geboren bin, Theater gespielt. Und das war damals genauso aufregend für mich wie heute. Ich stehe also als kleiner Chinese verkleidet in einem kleinen Häuschen. Und da habe ich vor Aufregung in die Hosen geschissen.

Klingt wie ein traumatisches Erlebnis ...

Kubitschek: Ja, aber ich habe tapfer weitergespielt – ich wusste, dass mich die Kulisse halb verdeckt. Ja, der Wille war fest in mir. Ich wollte Schauspielerin und eine Dame werden.

Beides ist Ihnen gelungen. Wobei Sie auch noch Malerin und Schriftstellerin sind. Talente, die Sie alle gleichzeitig entwickelt haben?

Kubitschek: Nein, das kam später. Mit meiner kleinen Rolle in Melissa von Francis Durbridge bin ich von null auf nix in das Bewusstsein der Leute gesprungen. Auf einmal war ich bekannt, eine junge Frau, die vom Erfolg überrollt wurde. Damals habe ich kapiert, dass diese Bühne kein fester Untergrund ist. Dass ich mir selbst einen Boden bauen muss, der mich trägt.

Wie wichtig sind Malerei und Schreiben für Sie?

Kubitschek: Elementar wichtig. Sehen Sie, das Spielen ist zwar schön, aber da sind Sie abhängig von anderen. Davon, ob Sie jemand besetzt oder nicht. Ich habe in meinem Leben manchmal zwei Jahre ohne Job rumgehangen. Was machst du in zwei Jahren, in denen du kein Engagement hast? Da kannst du wahnsinnig werden. Deshalb habe ich angefangen, mir ein Leben außerhalb dieser Filmwelt zu bauen.

Dazu gehörte auch Ihr Rückzug in ein Dorf am Bodensee …

Kubitschek: Ja, ich habe mich ganz bewusst aus der Gesellschaft herausgezogen. Das haben viele Münchner Freunde damals nicht verstanden, aber es war meine Überlebensstrategie. Wenn ich heute in meinen Garten blicke, weiß ich, dass es ein guter Schritt war.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Münchner Zeit, in der „Monaco Franze“ und „Kir Royal“ gedreht wurden?

Kubitschek: Die schönsten! Es waren wunderbare Zeiten. Helmut Dietl war damals so gut drauf. Ein Genie, das gemeinsam mit Patrick Süskind Einzigartiges geschaffen hat. Ich erinnere mich, wie wir beim Schwabinger Italiener Rossini saßen und Dietl und Süskind sagten: Ruthlein, Ruthlein, rede. Die Rolle des Spatzls im Monaco Franze sollte rund werden.

Und Sie haben dafür gesorgt?

Kubitschek: Ich habe erzählt. Und die beiden haben mein Leben durchforstet und viel Persönliches von mir in die Figur eingewoben. Dass ich Bilder liebe und gerne male, dass ich Antiquitäten sammle und keinen Alkohol vertrage...

Was passiert, wenn Sie trinken?

Kubitschek: Dann macht es bumm, und ich vergesse alles. Außerdem habe ich immer, wenn ich im Suff war, meinen Schmuck abgelegt. Und am nächsten Morgen kam dann Patrick Süskind und hat ihn mir zurückgebracht. Das war rührend.

Wie war Ihr Draht zu Helmut Fischer?

Kubitschek: Er war ein feiner Kerl, der wirklich einen Schlag bei Frauen hatte. Er hat mich immer die Wesenheit genannt, die Wege geht, die man nicht versteht.

Wie bitte?

Kubitschek: Na ja, schon damals habe ich meditiert. Das war für die anderen Quatsch, der nix bringt. Dabei ist es so wichtig, immer wieder in sich hineinzuhören und sich zu fragen, wer bin ich, was mache ich hier? Die Meditation gehört zu meinem täglichen Leben.

Sie sind ein spiritueller Mensch. Haben Sie Angst vor dem Tod?

Kubitschek: Überhaupt nicht. Mein neues Buch, das im August erscheint, trägt den Titel Anmutig älter werden. Es soll den Frauen die Angst vor dem Alter und dem Tod nehmen. Es gibt nur das ewige Leben. Alles kommt und geht und ist im Fluss und damit ist wirklich nichts endgültig. Und dieser Gedanke ist doch recht schön, oder?

Interview: Astrid Kistner

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