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"In den Medien bin ich die Summe der Klischees"

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Die Autorin Sara Schätzl © Moritz Thau

München - Die Autorin Sara Schätzl füllt seit sechs Jahren die Medien mit ihrer Brustvergrößerung, begangenen PR-Fauxpas und Red Carpet-Looks.

Aber der Schein trügt - das Leben der 24-jährigen ist keine Dauer-Party. Vielmehr organisiert die Wahlmünchnerin ihr Leben zwischen Kolumnen, Büchern, Interviews, Kunstfilmen mit Freunden und Castings. Peter Alexander ist ihr Vorbild und Entertainment ihr Ding. Im Schreiben hat die baldige Mutter ihre Berufung gefunden. Sie begeistert mit ihren persönlichen Erlebnissen 12-jährige Teenies ebenso wie 45-jährige Manager. Nach „Glamourgirl“ arbeitet sie derzeit an ihrem zweiten Buch.

Sara, Du wolltest berühmt werden und hast mit 16 Jahren nach der Mittleren Reife die Schule verlassen und bist nach München gegangen. Wow!

Das war die logische Konsequenz. Ich wusste, dass ich weder Jura noch Medizin studieren wollte. Für mich kam nichts anderes in Frage, schon gar nicht ein Büro-Job. Abi war also unnötig. Zudem wusste ich, dass mein Traum von der Popularität womöglich etwas auf sich warten lässt. Und da ich ja nicht schon so alt sein wollte, wenn der Ruhm an meine Tür klopft, war für mich klar: Ich muss das jetzt machen! Ich will das unbedingt, denn es macht mich glücklich!

Durch meine Erfahrungen im Internat, wo von Stand-Up über Malen bis Schauspielerei alles angeboten wurde, wollte ich unbedingt entertainen. Alles, was mit Unterhaltung zu tun hat, macht mir eine unglaubliche Freude. Zudem hatte ich natürlich Lust die Welt kennenzulernen. Wenn du wie ich bis dahin dein Leben nur in der Kleinstadt gefristet hast, dann willst du einfach raus. Gerade wenn du weißt, dass du da mit deinem Berufswunsch nicht weit kommst. Da gibt es niemanden, der diese Begeisterung mit dir teilt. Also ab in die nächste Großstadt – ab nach München.

Welche Rolle spielte Peter Alexander dabei?

Peter Alexander ist mein großes Vorbild. Schon als Kind hatte ich eine riesige Sammlung an Videos, weil mein Vater ihn so gern mochte. Und immer wenn ich traurig war, habe ich ein solches Video und später auch seine Shows angeschaut. Und danach war ich fröhlich, weil das alles ja so fröhlich war. Ist ja auch kein Wunder, das war Film und Fernsehen für die Nachkriegszeit und hatte eben nur den einen Sinn, die Leute fröhlich zu machen. Diese gute und stimmungsvolle Welt fand ich ganz toll. Ich war wirklich fasziniert.

Nun bist Du bekannt. Bist Du an Deinem Ziel angekommen?

Angekommen bin ich auf keinen Fall. Hier und jetzt bin ich mit vollem Herzen Autorin und bald auch Mama. Mit dem Schreiben habe ich einen wichtigen Meilenstein erreicht, den ich mir selbst erarbeitet habe und auf den ich sehr stolz bin. Auf dem langen Weg hierhin lagen aber viele Castings, Demo-Tapes, TV-Rollen, Projekte und vor allem Schlagzeilen. Zu Beginn war die Kolumne holprig und niemand hat gedacht, dass sie innerhalb von zwei Jahren so erfolgreich wird. Aber Kolumne und Buch sind noch nicht das Ende. Es gibt noch viele künstlerische Bereiche, die ich noch nicht oder kaum ausgereizt habe.

Welchen Einfluss hat Deine Bekanntheit auf Dein Privatleben?

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Das Buch „Glamourgirl“ von Sara Schätzl. Erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf. © Schwarzkopf & Schwarzkopf

Viele haben starke Vorbehalte gegenüber den Leuten aus dem Showgeschäft, weil sie denken, diese seien arrogante Säcke, die zu viel verdienen, nix tun und denen die Sonne immer aus dem Arsch scheint. Da höre ich dann oft so Sprüche wie „Was machst Du denn überhaupt den ganzen Tag?“. Diese Menschen denken, ich gebe mal ein Interview und habe einmal die Woche einen lustigen Drehtermin und sonst mache ich nichts. Völliger Quatsch. Du musst Dir den Arsch aufreißen, damit Leute den Drehtermin mit Dir überhaupt wollen. Das bedeutet Telefonate, Castings, Vorbereitungen, Termine, Interviews und das ganze Drumherum im Vorfeld wie Demo-Tapes, kreative Projekte mit Freunden etc., damit die Leute überhaupt etwas mit Deinem Namen anfangen können. Und der eine Drehtermin garantiert nicht den nächsten. Zudem solltest Du alles, was Du verdienst beiseite legen, weil Du ja gar nicht weißt, ob im nächsten Jahr noch irgendwer Deinen Namen hören will. Man muss also immer vorsorgen.

Ich habe das Glück, dass ich seit Jahren dieselben Freunde habe und schon hatte als ich noch in meiner Sozialwohnung herumsaß. Aber als ich meinen Freund kennengelernt habe, da haben ihn seine Freunde komisch angeguckt, als er sagte ich bin jetzt mit Sara Schätzl zusammen. Da musste der sich einiges anhören - von „Du weißt nicht, worauf Du Dich einlässt“ bis hin zu „Pakt mit dem Teufel“. Das ist natürlich nicht so leicht. Auch nicht für meinen Freund, der schon 35 ist und weiß, was er tut. Dennoch musste er seine Freunde erst einmal beruhigen und ihnen erklären, dass sie nicht alles für bare Münze nehmen dürfen, was sie da lesen. Auch ich bin von meinen Schlagzeilen immer wieder mal überrascht. Aber die Skepsis bleibt dennoch.

Fühlst Du Dich mittlerweile ernst genommen oder eher als Sinnbild Deiner Fehler?
Gute Frage. Wenn ich zum Beispiel mit Journalisten vom Spiegel oder Focus konfrontiert bin, dann bin ich für sie nicht die Summe meiner Fehler. Denn das sind gestandene Journalisten, die wissen, wie schwer es ist, sich über viele Jahre hinweg als Boulevard-Thema aufrecht zu erhalten. Die merken, dass ich so blöd nicht sein kann. Aber ich bin für die immer noch die Summe eines Klischees, weil ich immer noch Fragen höre wie „Haben Ihre neuen Brüste ihre Karriere gepusht?“. Dann denke ich mir: ‚Recherchiert doch bitte, bitte besser, dann wüsstet Ihr, dass ich meine kaum merklich größeren Brüste erst lange nachdem ich meine größten Schlagzeilen hatte habe machen lassen.‘

Die Tatsache, dass Leute immer noch glauben, meine Brüste seien ein Thema für die Medien, ist erstaunlich, auch naiv und ein Barbie-Klischee. Da ist ein 24-jähriges Mädchen, das seit sechs Jahren da ist und niemand kann sich erklären, warum sie Quote macht. Aber dann kommt die zündende Idee mit den Brüsten und alles ist klar! Und so werde ich dann ein wandelndes Klischee, ohne überhaupt unbedingt etwas Klischeehaftes tun zu müssen. Das wird man dann auch nicht mehr los. Ich bin also eher die, die Klischees bedient, als die, die für ihre Fehler herhalten muss. Aber ich finde beides nervig.

Was wünschst Du Dir von den Leuten und den Medien, wie sie auf Dich zu gehen sollten?

Neugierig und unkritisch! Ganz klar. Ich würde mich freuen, wenn vielmehr Leute ein ehrliches Interesse hätten, mir gegenüberzutreten, die selten 100%ig wahre Berichterstattung außen vor zu lassen und mich wirklich kennenlernen zu wollen. Weg von vorgefertigten Meinungen hin zu offener Neugier. Das würde ich mir wünschen.

In ihrem kürzlich erschienen Buch „Glamourgirl“ beschreibt Sara Schätzl ihren Weg vom Land in die Großstadt und weg von der einsamen Jugend hin zum Mittelpunkt der Medienaufmerksamkeit. Erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf.

Interview: Bente Matthes (UNDERCOVER Magazin)

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