Sascha Hehn schimpft über das "Musikhotel"

Die "Mannschaft" von "Das Musikhotel am Wolfgangsee" (von links): Geschäftsführer Alexander (Sascha Hehn), Eigentümer und Chef Patrick (Patrick Lindner), Francine (Francine Jordi), Oberkellner Mike (Mike Krüger), Melanie (Melanie Oesch) und Marc (Marc Pircher).
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Die "Mannschaft" von "Das Musikhotel am Wolfgangsee" (von links): Geschäftsführer Alexander (Sascha Hehn), Eigentümer und Chef Patrick (Patrick Lindner), Francine (Francine Jordi), Oberkellner Mike (Mike Krüger), Melanie (Melanie Oesch) und Marc (Marc Pircher).

Interviewtermin mit Sascha Hehn im Bayerischen Hof: „Nachdem ich den Film am Abend zuvor zum ersten Mal gesehen habe, wollte ich die heutigen Termine mit der Presse alle absagen“, eröffnet der 53-Jährige das Gespräch mit der tz.

„Ich bin geschockt von dem Ergebnis. Ich hoffe noch immer, dass das alles für die Versteckte Kamera ist.“

Hintergrund: Am 18. Oktober wird der HR-Film "Das Musikhotel am Wolfgangsee" im Ersten ausgestrahlt, in dem Sascha Hehn einen Bösewicht spielt, den zwielichtigen Geschäftsmann Alexander. Es handelt sich um ein neues TV-Format, die sogenannte Schlagerette, die sich an den Musikfilmen der 60er Jahre orientiert und in der Stars aus der Schlager- und Volksmusikszene mitspielen wie Patrick Lindner oder Marc Pircher.

Sascha Hehn: „Man kann mich zurecht fragen, warum ich bei so einer Produktion mitspiele. Aber mich hat die Idee sehr gereizt, einen Film à la Peter Alexander zu machen. Doch dann muss man auch genug Zeit und Geld investieren, um das Format anständig umzusetzen. Doch der Film ist dilettantisch gemacht.“

So habe es zum Beispiel kurz vor Drehbeginn nicht einmal ein Drehbuch gegeben: „Ich selbst habe ihnen den Autor Marc Rosenberg besorgt.“ Auch die Kameraführung sei eine Katastrophe gewesen, ärgert sich Sascha Hehn: „Ich kam an den Drehort, sehe eine wunderschöne Kulisse, aber nur zwei kleine Kameras und einen Regisseur, der wohl sonst Videoclips dreht.“ Machen wir eine Soap, oder was soll das hier?, habe Hehn das Team gefragt.

Nein, er habe kein Problem damit, über den Film so schlecht zu sprechen. „Wenn wir Schauspieler nicht laut werden, wer dann?! Warum sollte ich das Projekt schönreden, wenn ich nicht hinter ihm stehe?“ Die Fernsehmacher haben ihrem Publikum gegenüber die Verpflichtung, Filme anständig zu drehen, so Hehn. „Es mag ja sein, dass das "Musikhotel" bei der Erstausstrahlung möglicherweise fünf Millionen schauen, aber beim nächsten Mal sind es dann nur noch drei, weil die Zuschauer sich zu Recht nicht für dumm verkaufen lassen.“ Dass ein öffentlich-rechtlicher Sender einen Film ohne Anspruch am Samstagabend zur Primetime zeigt, sei wirklich kaum zumutbar.

Sascha Hehn, der in den 80er-Jahren zu Traumschiff-Zeiten noch bis zu 24 Millionen Menschen an die Bildschirme lockte und heute immer noch bis zu 40 Fanbriefe in der Woche bekommt, ärgert sich, wie mit Schauspielern und dem Publikum umgegangen wird. „Macht sich denn keiner mehr Gedanken darüber, welche Persönlichkeiten wir sind, was für Menschen, und was wir denken?“

Ehrliche Worte eines Schauspielers, der die Zukunft des Fernsehens sehr kritisch sieht. Beim Hessischen Rundfunk allerdings nahm man Hehns Äußerungen gelassen: „Das zeigt doch nur, dass er sich sehr stark mit seiner Rolle identifiziert“, sagte gestern der HR-Sprecher Tobias Häuser zur tz. „Er spielt jetzt den Bösewicht auch nach Drehschluss. So wie er als Alexander den Erfolg des Musikhotels zu verhindern versucht, so versucht er als Sascha Hehn jetzt auch, den Erfolg des Fernsehfilms zu verhindern.“

Quelle: tz

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