Er hofft auf Weihnachten 2015

Schlussrunde Leben: Rudolf W. Brem hat Lungenkrebs

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Humor ist, wenn man trotzdem lacht ... Der an Lungenkrebs erkrankte Fassbinder-Star Rudolf Waldemar Brem mit seiner Frau, der Maskenbildnerin Helga Marr, in ihrer Küche.

München - Im letzten Winter hat Rudolf Waldemar Brem schon gespürt, dass irgendwas nicht in Ordnung ist. Doch dann kam die Nachricht mit dem Befund Lungenkrebs.

Es gibt Weihnachtsbotschaften, die lassen einem das Herz gefrieren: Eine Mail mit der Nachricht von aggressivem Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium und der in Buchstaben gesetzten Hoffnung, dem ­Boandlkramer den Grasober wenigstens noch für ein paar Monate abluchsen zu können. Gern auch noch mehr. Nebst Hinweis, an den Adressaten, bei alledem locker zu bleiben.

Wer von so einer Diagnose noch ein paar so lockere Zeilen absetzen kann, muss schon viel erlebt haben. Zum Beispiel ­Rainer Werner Fassbinder (1945 – 1982) als Regiegenie überlebt zu haben. Wie dessen Freund und Ensemble-Mitglied Rudolf ­Waldemar Brem (66), der schon mit 18 in die Fänge des genialen Filmemachers geriet. Das wird Brem jetzt in seinen Memoiren aufarbeiten: I survived Fassbinder. Seit bald 33 Jahren. Ob es noch mehr werden – Ausgang offen.

Im letzten Winter hat Rudolf Waldemar Brem schon gespürt, dass irgendwas nicht in Ordnung ist. Aber ernste Sorgen? Nein, die wollte er sich nicht machen. Schließlich gab’s Wichtigeres und vor allem Schöneres: Nach 17 Jahren hatte er ja gerade erst seiner Lebensgefährtin ­Helga Marr einen Antrag gemacht. Und jetzt waren beide mitten in den Vorbereitungen für ihre Hochzeit … Doch dann kam diese Mail (!) mit dem Befund des Untersuchungslabors: Lungenkrebs! „Fortschreitend und aggressiv“, wie Brem berichtet. Aber was macht einer, der von Fassbinder in elf Filmen traktiert und bis zum Umfallen gefordert wurde? Er spielt das Spiel des Lebens einfach weiter. Trotz Chemo und dem, was der Krebs mit einem anstellt: Angst, Müdigkeit, Haarausfall und, und, und …

Fast ein Jahr geht das so. Unterstützt von seiner Frau, der Maskenbildnerin Helga Marr, spielt er allen was vor: den Kollegen beim Dreh des ZDF-Dreiteilers Tannbach (ab 4.1.), dem Publikum im Torturmtheater in Sommerhausen, wo er mit Thomas Brussigs Fußball-Monolog auf der Bühne stand – und sogar der eigenen Familie. So grandios und authentisch, dass niemandem etwas auffällt. „Wir haben den Kampf aufgenommen, wir wollten den Krebs besiegen“, schildert Brem die Situation.

Dann ist das Versteckspiel vorbei. Zwei Tage vor dem Nachdreh zu Trash Detectiv, in dem Brem die Hauptrolle spielt, packt ihn eine Lungenentzündung.

Lungenkrebs. „Ja“, sagt Brem, „ich war Kettenraucher. Aber der Arzt hat gemeint, die Art, die ich hab, hätte jeder bekommen können.“ Ein Trost ist das auch nicht …

Jetzt ist er wieder zu Hause – und meistert die Tage mit Galgenhumor: „Jetzt möchte ich mich endlich outen. Diskretion aus Berufsgründen lohnt sich nicht mehr …“ Und wie geht’s weiter? „Ich bin wieder in meiner Onkologiepraxis und werde zu Hause palliativ behandelt. Meine Helga pflegt mich mit Hingabe.“

Brem hat noch viel vor: die Memoiren, und auch sonst lässt ihn Fassbinder nicht los. Seine erste größere Theaterrolle hatte er in dem legendärem Stück Katzlmacher. Und jetzt möchte Brem gern noch ein eigenes Fassbinder-Theaterprojekt entwickeln. Aber freilich hat er Angst – Angst, dass ihm die Zeit davonläuft.

Sein größter Weihnachtswunsch: „Ich hoffe, dass ich auch noch im nächsten Jahr Weihnachten erlebe.“ Heiligabend wird er die Christmette besuchen. „Ich bin nicht gläubig“, sagt er. „Aber ich mag das Katholische, den Weihrauch, die Orgel – und ich will mich auf meine Schlussrunde besinnen. Ich bemühe mich jetzt, dieses Schauspiel Leben so zu Ende zu bringen, wie Schauspieler das eben machen: Sie warten auf ihr Stichwort und gehen dann möglichst gekonnt ab.“

Wolfgang de Ponte

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