Schräge Töne

Sebastian Horn und Gerd Baumann mit bayerischen Liedern

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Humorvoll, aber nicht um jeden Preis: Sebastian Horn.

München - Bananafish­bones-Sänger Sebastian Horn und Regisseur Marcus H. Rosenmüllers Komponist Gerd Baumann haben ein gemeinsames Projekt mit dem düsteren Namen Dreiviertelblut. Über mehrere Jahre sind Stücke entstanden, die nun auf ein Album kamen.

Es ist kurz vorm Nockherberg: Für die Lieder des Singspiels beim Starkbieranstich sind auch heuer wieder Bananafish­bones-Sänger Sebastian Horn und Regisseur Marcus H. Rosenmüllers Komponist Gerd Baumann zuständig. Die beiden Musiker haben aber noch ein weiteres gemeinsames Projekt mit dem düsteren Namen Dreiviertelblut. Über mehrere Jahre sind Stücke entstanden, die nun auf ein Album kamen. Der Titel: Lieder vom Unterholz. Der Untertitel: 15 Stücke über Leben und Sterben in Bayern. Auf dem Cover sind Horn und Baumann, jeweils im Dirndl wie Leichen zu sehen. Für skurrilen Humor sind beide bekannt. Aber Vorsicht: Die Lieder aus dem Unterholz sind nicht alle lustig. Sebastian Horn steht ohnehin nicht auf die humorige Maske der meisten Mundartmusiker, wie er uns im Interview verriet.

Herr Horn, sind Sie arg im Stress?

Sebastian Horn: Naa ... Ja. Ich bereite gerade vier Heimatsound-Sendungen vor. Und wir stecken natürlich mitten im Nockherberg.

Wie sieht es da aus?

Sebastian Horn: Die Musik steht. Ich habe die Texte geschrieben. Jetzt muss man das alles zusammensetzen. Am Montag fängt der Rosi (Rosenmüller) mit der Regie an. Respekt, wie er das alles zusammenbringt.

Wird das Singspiel gut?

Sebastian Horn: Es wird gut! Beim ersten Mal 2013 war es schon super, letztes Jahr war es superer, ob es jetzt noch superer werden kann? Es wird auf jeden Fall anders, aber auf keinen Fall schlechter.

Einige Lieder von „Dreiviertelblut“ haben auch Einzug in die Singspiele gefunden. Heuer wieder, und wird man sie am Freitag hören?

Sebastian Horn: Da darf ich natürlich nichts dazu sagen.

Bei dem Trubel finden Sie noch Zeit, mit Gerd Baumann das Album von Dreiviertelblut herauszubringen?

Sebastian Horn: Dreiviertelblut ist kein Stress. Da singe ich ja nur, und die Combo sorgt für den Rest. (lacht)

Die Lieder haben sich schon eine Weile angekündigt ...

Gerd Baumann bei der Arbeit in seinem Studio.

Sebastian Horn: Ja, vier Jahre. Die ersten sind damals entstanden für den Niederbayernkrimi Sau Nummer vier. Der Gerd Baumann und ich waren sofort auf einer Linie. Inzwischen sind es so viele Lieder, dass wir beschlossen haben, eine Platte zu machen.

Bezieht sich der Name darauf, dass Sie zu drei Viertel Bayer und zu einem Viertel Österreicher sind?

Sebastian Horn: Ja, aber auch, weil Dreiviertel der Lieder im Dreivierteltakt sind.

Kommt von Ihrer österreichischen Seite auch die Todessehnsucht, die bei manchem Lied durchschimmert?

Sebastian Horn: Die Todessehnsucht kenne ich schon seit meinem 13. Lebensjahr. Ich hatte damals den Eindruck, dass etwas mit mir nicht stimmt. Da hat uns ein Lehrer in der Schule Texte von Baudelaire und Rimbaud lesen lassen. Da war ich beruhigt: Es gab also noch andere. Ich war ein Hippie-Gruftie, habe Sisters of Mercy und The Cure gehört.

Das scheint Sie aber nicht gehindert zu haben, das Leben positiv zu betrachten.

Udes Abschied beim Singspiel 2014.

Sebastian Horn: Es ist ja eher umgekehrt. Das Bewusstsein über die Endlichkeit im Leben hat die Auswirkung, dass man am liebsten alles gleich auf der Stelle macht. Morgen könnte es ja schließlich vorbei sein. Mit den Kindern hat sich jetzt ohnehin alles ein wenig verändert.

Viele der Lieder beruhen auf wahren Begebenheiten …

Sebastian Horn: Ja, Etwa das Hakenkreuz auf dem Heiglkopf. Da wurde immer erzählt, dass Partisanen das Kreuz umgesägt haben. Dabei geschah das, als die Amis schon da waren. Ich habe mich mit einem Mann unterhalten, der erzählte, wie sie damals Fahnenmasten der Hitlerjugend umgesägt und ein Hitlerbild angezündet haben. Die Tat wurde nie aufgeklärt, aber der Bauer, auf dessen Grund das geschehen war, kam für ein Jahr nach Dachau.

Wie haben Sie die Balance zwischen skurril, ulkig und ernst gefunden?

Sebastian Horn: Ich habe mich da auf mein Gefühl verlassen. Das habe ich im Lauf der Jahre entwickelt. Ich bin ja auch einer, der gerne Schmarrn erzählt auf der Bühne. Aber bei manchen Geschichten fällt einem das Schlucken schwer.

Die Mundart-Szene boomt ja momentan ...

Sebastian Horn: Aber viele machen einen auf Humor. Als müsste man sich hinter dem Spaß verstecken. Da fehlt mir oft die Identität und die Tiefe.

Antonio Seidemann

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