Ihre Leben, der schreckliche Tiger-Unfall und der Tod

Siegfried und Roy: Waren die beiden etwa privat ein Liebespaar?

Ihre Zaubertricks mit weißen Tigern ließen Siegfried und Roy zum erfolgreichsten Magier-Duo der Welt werden. Dabei scheint ihre gesamte Karriere von einem gewissen Zauber geprägt.

  • Siegfried und Roy wurden im Laufe ihrer langjährigen Karriere zum erfolgreichsten Magier-Duo der Welt.
  • Prägend für ihre Shows war ihre Arbeit mit weißen Tigern und zahlreichen anderen Raubtieren.
  • Während die Zauberkünstler damit auf der Bühne überirdische Illusionen schafften, scheint ihr ganzes Leben von einer überirdischen Kraft geprägt. 
  • Die beiden waren nicht nur beruflich ein Paar, sondern auch lange privat.

Wenn es andere gibt, die mit Wölfen tanzen oder zu Pferden flüstern, waren definitiv sie es, die als legendäres Magier-Duo mit Tigern zauberten: Siegfried und Roy. Wenn man das Leben der beiden einstigen Dorfjungen auf ihrem Werdegang zu zweien der bekanntesten Zauberkünstlern überhaupt allerdings genauer verfolgt, scheint ihr gesamter Lebensweg bereits von einer gewissen überirdischen Magie begleitet.

Siegfried Fischbacher wird vom Dorfjungen zum weltbekannten Zauberkünstler

So wirkt es tatsächlich so, als wären es Vorsehung und Magie gewesen, die Siegfrieds Karriere und später auch das Zusammenwirken mit Roy in die Wege geleitet haben. Alles begann mit einem Buch über Zauberei, welches der damals achtjährige Junge in seiner Heimat Rosenheim in einem Schaufenster entdeckte und von dem er sofort auf unerklärliche Weise fasziniert war. „Alles was mich davon trennte waren fünf Mark - damals eine Menge Geld für einen kleinen Jungen in Deutschland im Jahre 1947”, wird der Magier auf seiner offiziellen Website zitiert. Doch dann das beinahe Übernatürliche: Nur einen Tag später findet der kleine Siegfried Fischbacher einen Fünfmark-Schein direkt vor sich auf dem Bürgersteig. Siegfried kauft sich das Buch - und sofort ist seine Leidenschaft für die Zauberei geweckt: “Ich übte tagein tagaus, immer wieder dieselben Tricks“, erinnert er sich. Bald fing er an, öffentlich aufzutreten. „Es war Teil meines Programms den trockenen Humor meiner bayrischen Landsleute auf die Schippe zu nehmen und mich auch über die eine oder andere lokale Größe lustig zu machen, dadurch wurde ich dann sogar so etwas wie einer kleinen Berühmtheit in Rosenheim”, beschreibt Siegfried seine Anfangsjahre als Magier. 

Siegfried Fischbacher startet seine Weltkarriere als Zauberer auf einem Kreuzfahrtschiff

Mit siebzehn zog er schließlich komplett von zu Hause aus, schlug sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs wie dem beinahe schon klassischen Tellerwaschen durch, bis er schließlich als Steward auf der TS Bremen landete. Dort führte er seine Tricks zunächst nur seinen Kollegen vor. Als der Kapitän jedoch davon erfuhr, ließ er den jungen Magier auch vor den Passagieren auftreten. „Es war einfach himmlisch“, schwärmt Siegfried von dieser großen Chance, „ich musste mir nicht länger mein Publikum vorstellen. Ich war plötzlich ein Künstler.” Wie weit Siegfried es als Künstler tatsächlich schaffen sollte, entschied sich wenig später an Bord desselben Schiffes, als er dort auf seinen späteren Partner Roy traf.

Roy Horn: Seine schwere Kindheit sollte seine Zauberillusionen mit weißen Tigern prägen

Roy wuchs unter dem bürgerlichen NamenUwe Ludwig Horn in Nordenham in Niedersachsen auf - zu einer damals alles andere als leichten Zeit. Geboren im Jahr 1944 war die Wahrscheinlichkeit für den Säugling, das letzte Kriegsjahr zu überleben, „alles andere als gut“, wie der Magier einst gesagt haben soll. Entsprechend war seine gesamte Kindheit geprägt von den Nachwehen des Krieges und Roy wurde nach der Scheidung seiner Eltern in ärmlichen Verhältnissen groß. Diese fehlende Leichtigkeit seiner ersten Jahre sollte auch seine Arbeit als Künstler prägen: „Auf der Bühne lebe ich eigentlich meine Kindheit“, sagte Roy einst in einem Interview, „also ich lebe meine Fantasie und meine Träume, ich mag gerne eine heile Welt.“ Diese heile Welt sollte es aber lange Zeit für ihn nicht geben. 

Roy Horn wuchs sein Leben lang mit Tieren auf

Doch auch in den schwierigen Zeiten seiner Jugend war ausgerechnet ein Vierbeiner Roys einziger echter Freund: sein Hund Hexe. „Als Kind habe ich gelernt, dass all mein Gefühl von Sicherheit, meiner Gewissheit von bedingungslosem Vertrauen und auch von Stärke von den Tieren ausgeht”, zitiert die offizielle Website des Zauberduos den Magier. So sollte es später auch sein Hund gewesen sein, der Roy als kleinem Jungen in gewisser Weise das Leben rettete. Nachdem der beim Spielen plötzlich bis zur Hüfte im Matsch versunken war und sich selbst nicht mehr befreien könnte, lief Hexe und holte einen Bauern zu Hilfe. „Es war weder das erste noch das letzte Mal, dass ich einem Tier dankbar dafür war, dass es mir das Gefühl von Sicherheit gegeben hatte oder dass es überhaupt so eine starke, ja fast schon magische Verbindung zwischen mir und einem Tier geben sollte.” 

Später begann Roy als Tierpfleger in einem Zoo auszuhelfen, wo er auf den Geparden Chico traf - der ersten Großkatze, die mit Siegfried und Roy in einer Show auftreten sollte. “Monatelang redete ich mit Chico durch die Eisengitter des Käfigs”, erinnert sich Roy. „Jeden Tag, kurz bevor ich im Zoo ankam, pfiff ich eine ganz besondere Melodie. Wenn ich dann bei ihm war erwiderte er meinen Pfiff mit einem vogelähnlichen Gezwitscher, das so einfühlsam war, dass man es niemals von einer großen starken Katze erwartet hätte.“ Bald durfte er sogar deren Käfig betreten, sodass sich die beiden noch enger „anfreundeten“ und sich Chico sogar, wie einst Roys Hund, am Halsband spazieren führen ließ. Dass es dem Zauberkünstler allerdings gelingen sollte, das ausgewachsene Wildtier später an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zu schmuggeln, hätte zunächst wohl keiner für möglich gehalten. Nichtsdestotrotz markierte genau diese scheinbare Absurdität den Beginn der großen Karriere des Magier-Duos. 

Siegfried und Roy erleben schicksalshafte erste Begegnung auf einem Kreuzfahrtschiff

Die erste Begegnung der beiden Magier lief dabei noch recht normal, wenngleich erneut ein wenig schicksalhaft ab. So trafen die beiden Zauberlegenden im Treppenhaus jenes Kreuzfahrtschiffes, in dem Siegfried seine Showkarriere gestartet hatte, aufeinander. Da dessen Zauberprogramm bei den Passagieren allerdings recht erfolgreich geworden war, hatte er es erweitert, sodass er für seine Darbietungen die Hilfe einer zweiten Person brauchte. Anstatt die lange zu suchen, bat Siegfried kurzerhand den jungen Mann aus dem Treppenhaus um seine Unterstützung. Später soll er gesagt haben, er habe schon damals, bei ihrer ersten Begegnung gewusst, dass sie gemeinsam die Welt verändern würden, denn „es hätte keinen Siegfried ohne Roy und keinen Roy ohne Siegfried gegeben.“

Siegfried und Roy zeigen erste Zaubershow mit Raubtieren auf dem Kreuzfahrtschiff ihres Kennenlernens

Was dasMagier-Duo beruflich allerdings erst noch komplett machen sollte, waren die wilden Tiere. Der Legende zufolge, wie sie auf der Website der Künstler erzählt wird, hätten sie die bereits auf besagtem Kreuzfahrtschiff ihres Kennenlernens mit in ihre Shows einbezogen. „Wenn Du Kaninchen und Vögel verschwinden lassen kannst, könntest Du dann auch einen Gepard verschwinden lassen?”, soll Roy seinen Zauberpartner noch nach ihrem ersten gemeinsamen Auftritt auf dem Schiff gefragt haben, um ihm anschließend Chico vorzustellen, der in seiner Kabine wartete. Denn hatte der tollkühne Tierfreund zuvor in einem Wäschesack an Bord geschmuggelt und in seiner Kabine versteckt. Wohl wissend, dass sie sich damit großen Ärger einhandeln würden, bauten die Magier den Geparden dennoch in ihre nächste Show mit ein - und bekamen das erste Mal stehende Ovationen des Publikums. Zwar wurden die beiden danach vom Kapitän gefeuert, trafen aber noch an Bord des gleichen Schiffes auf das amerikanische Ehepaar Mr. und Mrs. Nagle, selbst Besitzer eines Kreuzfahrtschiffes. Ganz begeistert von der Raubtier-Show der beiden jungen Zauberkünstler, heuerten sie die beiden an, für sich zu arbeiten. „Aus allem wurde unsere Bestimmung“, formulierte Roy einst - und sollte Recht damit behalten. 

Siegfried und Roy werden dank ihrer Raubtiere und Tiger zum weltweit bekannten Magier-Duo

Was folgte, war eine beispiellose Karriere der zwei Männer, die während ihres gemeinsamen Weges privat von einem Liebespaar zu Freunden fürs Leben wurden. Essenziell für ihr Tun auf der Bühne waren stets ihre Raubtiere. „Ein Magier braucht etwas Besonderes, etwas Charakteristisches“, erklärt Siegfried worauf ihr Erfolgsgeheimnis beruht, „Selbst wenn sich jemand nicht an unsere Namen erinnern konnte, so konnte er sich doch gewiss an ‘die beiden Typen mit dem Gepard’ erinnern.“ Über die Jahre wurden diese „beiden Typen mit dem Gepard“ zum erfolgreichsten Show-Duo der Welt,  standen auf den Bühnen aller Herren Länder und spielten eigene Vorstellungen im "Mirage" in Las Vegas. Der Fokus ihrer glamourösen Shows lag dabei nicht einfach nur auf dem Schaffen von Illusionen, sondern vor allem auf der Integration der verschiedensten Wildtiere. So traten Siegfried und Roy später auch mit Elefanten und Tigern auf - gerade letztere sollten sich gewisserweise zum Markenzeichen der beiden etablieren. Gleichzeitig hat vor allen Dingen Roy die Raubkatzen als eine Art Familienmitglied betrachtet: „Er ist mein Bruder“, sagte er einst in einem Interview über den weißen Tiger Montecore, der nicht nur das Herzstück der Zaubershows bildete, sondern zugleich das Karriereende von Siegfried und Roy einleiten sollte. 

Der Unfall mit dem weißen Tiger Montecore beendet die Magier-Karriere von Siegfried und Roy

So war es - in den Worten der beiden Zauberer - ein „Unfall“ am dritten Oktober 2003 - ausgerechnet an Roys Geburtstag, der alles für immer verändern sollte. Während in vielen Medien von einer Attacke auf offener Bühne berichtet wird, in der Montecore Roy vor den Augen der Zuschauer plötzlich angriff, ist die Sichtweise des Magiers eine komplett andere. Ihm sei auf einmal sehr schwindelig gewesen; habe einen Schlaganfall erlitten, weshalb er gestolpert und gestürzt sei. Anschließend habe ihn der Tiger am Genick gepackt und von der Bühne geschleift - nicht um ihn zu töten, sondern um ihn das Leben zu retten. Trotzdem blieb Roy nach dem Unfall halbseitig gelähmt und zog sich aus dem Showgeschäft zurück. Die Karriere von Siegfried und Roy war zu einem abrupten Ende gekommen - ihre innige Verbundenheit und die Liebe zu den Tieren allerdings nicht. So lebten die beiden Magier gemeinsam mit zahlreichen Wildtieren bis zu Roys Tod gemeinsam auf ihrem Anwesen in Las Vegas.

Siegfried und Roy waren wohl auch privat ein Paar

Dass die beiden auch privat ein Liebespaar waren, galt lange als offenes Geheimnis. Laut Bild (Bezahlinhalt) hätten sie es nie offiziell bestätigt. Wie verschiedene Medien wie FAZ.net hingegen unter Berufung auf die Autobiografie der beiden berichten, waren die beiden bis 1998 ein Paar, danach trennten sich die beiden, blieben sich aber innig freundschaftlich verbunden.

Nur ein einziges Mal sagte Siegfried zu Roy „Ich liebe dich“, daran erinnerte er sich in einem Bild-Interview aus dem Jahr 2009. Es war an dem Tag des Bühnenunfalls 2003, als Roy von seinem weißen Tiger Montecore gebissen und lebensgefährlich verletzt wurde. „Die letzten Worte, die ich vor der Show zu Roy sagte, waren: ‚Ich liebe Dich‘. In den 45 Jahren unserer Partnerschaft habe ich es nie zuvor geschafft, diesen Satz über die Lippen zu bringen.“

Roy Horn verstirbt nach seiner Infektion mit dem Coronavirus

Am 08. Mai 2020 verstarb Roy im Alter von 75 Jahren nach seiner Infektion mit dem Corona-Virus . Die Welt habe einen Großen der Magie verloren, wird Siegfried in einem offiziellen Statement zitiert, "aber ich habe meinen besten Freund verloren." Erst kurz vor Ostern hatten die beiden ihren Fans auf Facebook noch einen speziellen Gruß geschickt, aus welchem diese - und womöglich auch die Magier selbst - Kraft schöpfen können. Darin hieß es, die Leute sollen in diesen „beschwerlichen Zeiten“, in denen sie einen ihrer heiligsten Feiertage ohne alle ihre Liebsten verbringen müssten, trotzdem Vertrauen zu haben, dass der „Mann da oben“ einen Plan für sie habe. „Gemeinsam sind wir stark“, heißt es weiter in dem offiziellen Ostergruß der Magier, „und wir werden belastbar und freudvoll“ aus der Krise hervorgehen. Worte, die angesichts Roys späteren Todes nach seiner Covid-19-Erkrankung, einen ganz besonderen Nachklang bekommen sollen. 

Doch so, wie überirdisch wirkende Illusionen jahrelang das Lebenswerk von Siegfried und Roy prägten, ist es vielleicht auch jene spirituell wirkende Hoffnung auf ein freudvolles Dasein nach Corona, die Roy nun an einem anderen, überirdischen Ort, ausleben darf. Auf Erden zumindest wird sein und Siegfrieds Zauber wohl auch für immer erhalten bleiben. 

lros

Rubriklistenbild: © dpa / Fotoreport

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