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St.-Pauli-Kiezpfarrer: Kirche muss einladend und verständlich sein

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St.-Pauli-Kiezpfarrer: Kirche muss einladend und verständlich sein © IMAGO

Der auf der Reeperbahn bekannte Kiezpfarrer Karl Schulz empfängt alle Personen mit offenen Armen – egal, wo sie herkommen. Zu seinen Freunden gehören auch der Sänger Udo Lindenberg und die Dragqueen Olivia Jones.

Hamburg - Karl Schultz, katholischer Kiezpfarrer auf St. Pauli, hofft auf Veränderungen in der Kirche. «Die katholische Kirche ist im freien Fall. Aber viele Verantwortliche, auch viele Bischöfe, haben den Ernst der Lage erkannt und wissen, dass wir dringend Reformen brauchen», sagt der 65-Jährige Hamburger, der vor kurzem auch ein Buch herausgebracht hat («Zwischen Kirche und Kiez») der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Reformen bedeuteten nicht, die Lehre der Kirche über Bord zu werfen. «Aber die Kirche muss für die Menschen einladend und verständlich sein, und die Lehre muss ins Heute übertragen werden», sagt Schultz, der seit 2010 die Pfarrei St. Joseph leitet. Mit Veranstaltungen wie «St. Joseph at Night» lädt er alle Menschen ein, die auf dem Kiez unterwegs sind. «Es gibt nichts, womit Jesus nicht fertig wird», steht auf einer Mauer neben dem Gittertor am Eingang. «Mit einer Kirche auf St. Pauli rechnen die wenigstens, dabei sind wir hier der älteste Club - seit 1658», sagt Karl Schultz schmunzelnd. «Viele Menschen kommen nicht mehr zu uns, also gehe ich dorthin, wo sie anzutreffen sind», sagt Schultz. Und dazu gehören auch die Kneipen auf St. Pauli. Eine seiner Stammkneipen heißt «Sünde».

Zusammen mit seinem evangelischen Kollegen Sieghard Wilm von der St. Pauli-Kirche nimmt der Pfarrer regelmäßig an Aktionen auf dem Kiez teil. So lernte Schultz auch Rocksänger Udo Lindenberg, Theaterchef Corny Littmann und Dragqueen Olivia Jones kennen. «Mit Udo haben wir 2017 eine Ausstellung mit seinen Bildern zu den Zehn Geboten gemacht. Das war ein toller Erfolg.» Mit seiner Kirche ringt der engagierte Geistliche oft. Vor allem nach der jahrzehntelangen Vertuschung von Missbrauchsfällen haben viele Gläubige der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. «Aber die meisten Menschen können zwischen der Person und der Amtskirche unterscheiden», sagt Schultz, der gerade eine Frau aus der Ukraine mit Tochter und Enkelin bei sich im Pfarrhaus aufgenommen hat. (dpa)

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