Lob für Talent

Staatsopern-Chef: Golda Schultz? "Ein echter Hingucker"

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Die junge südafrikanische Sopranistin Golda Schultz (31).

München - Golda Schultz ist die einzige dunkelhäutige Sängerin an der Staatsoper in München. Die 31-Jährige ist ein Ausnahmetalent. Staatsopern-Intendant Nikolaus Bachler ist voll des Lobes für die junge Frau. Ein Porträt:

Die junge südafrikanische Sopranistin Golda Schultz (31) ist die einzige dunkelhäutige Sängerin an der Staatsoper. Sie weiß, dass für manche Multikulti auf der Bühne noch keine Selbstverständlichkeit ist. In der Walküre wird sie erstmals als Fricka im Nationaltheater auf der Bühne stehen (siehe Kasten unten). Unser Porträt der Nachwuchssängerin:

Im Rosenkavalier gibt es einen Mohren. Er taucht nur zu Beginn und zum Ende des Stückes auf. „Die Bühne bleibt leer, dann geht nochmals die Mitteltür auf. Herein kommt der kleine Neger mit einer Kerze in der Hand, sucht das Taschentuch, findet es, hebt es auf, trippelt hinaus“, lautet dazu die politisch nicht korrekte Regieanweisung des Librettos von Hugo von Hofmannsthal. Meist findet das Publikum den Auftritt recht putzig, es wird gekichert.

Golda Schultz liebt und kennt das Stück. Sie hat mehrfach die Rolle der Sophie gesungen. „Als Schwarze muss ich da schon tief durchatmen“, sagt sie. „Aber dann muss ich auf die Bühne und meinen Job machen. Wenn ich all das von vornherein ausschließen würde, was politisch nicht korrekt ist, wäre die Auswahl ziemlich eingeschränkt.“

Zwei "Ring"-Rollen

Golda Schultz wird erstmals in Andreas Kriegenburgs Ring-Inszenierung mitwirken – unter Staatsopern-Generalmusikdirektor Kirill Petrenko. Die 31-Jährige wird als Freia im Rheingold und als Ortlinde in der Walküre (Szenenfoto) mit von der Partie sein. Infos: 2185-1920.

Schultz ist ein Ausnahmetalent. Sie studierte in ihrem Heimatland, ging dann an die New Yorker Juilliard School und wurde nach einem Vorsingen ins Opernstudio der Staatsoper aufgenommen, der Talentschmiede des Hauses. Nach einer Zwischenstation in Graz ist sie jetzt festes Ensemblemitglied am Haus. „Golda ist ein echter Hingucker“, sagt Staatsopern-Intendant Nikolaus Bachler. „Neben ihrer wunderbaren Stimme verfügt sie über eine große Bühnenpräsenz.“ Ihr Vater ist übrigens Mathematikprofessor und hat in Freiburg/Breisgau studiert.

Besonders viele schwarze Opernsänger haben es bisher nicht an die Weltspitze geschafft. Die bekannteste, Jessye Norman, ist eine der großen Diven des 20. Jahrhunderts. Norman war US-Amerikanerin, ebenso wie ihre bedeutende Kollegin Grace Bumbry. Doch langsam ziehen junge Talente vom afrikanischen Kontinent nach.

Südafrika hat zwar keine tief verwurzelte Operntradition, aber: „Wir lieben es, zu singen und zu tanzen. Wir haben ganz große Chöre mit sehr vielen wertvollen Stimmen. Aus diesen Ensembles kamen manche der besten Opernsänger unseres Landes“, erklärt die Sopranistin. Dort hat sich die paradoxe Situation eingestellt, dass auf der Bühne mehrheitlich schwarze Künstler agieren, während sich das Opernpublikum vorwiegend aus Musikliebhabern europäischer Abstammung zusammensetzt. „Viele Schwarze haben einfach zu wenig Geld, um sich die teuren Opernkarten leisten zu können.“

Staatsopern-Chef ­Nikolaus Bachler ist voll des Lobes für die 31-Jährige.

Vor ihrem Salzburg-Debüt im Sommer wird Schultz in der Wiederaufnahme von Richard Wagners Ring des Nibelungen, von Kirill Petrenko dirigiert, die Rollen der Freia und der Walküre Ortlinde verkörpern. Die Besetzung ist international. „Es muss heute selbstverständlich sein, dass Sophie von einer schwarzen US-Amerikanerin oder einer Südafrikanerin und Brünnhilde von einer Asiatin verkörpert wird“, sagt Opernchef Bachler. „Auch wenn sich der eine oder andere im Publikum immer noch daran stört.“

Dass es an vielen Häusern üblich ist, Sänger, die „schwarze“ Rollen verkörpern sollen, entsprechend zu schminken, findet Bachler „unmöglich“. Othello sei ein Sonderfall, weil die Hautfarbe thematisiert werde. Und der Rosenkavalier-Mohr? Schultz sagt pragmatisch: „Muss man sterben für sein politisches Gewissen? Ich bin nicht dafür gemacht. Mir ist vor allem wichtig, dass das Publikum sich auf meine Kunst konzentriert, nicht auf meine Hautfarbe.“

G. Etscheid

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