Biografie: Lustig, launig und lesenswert

Gottschalk: "Das ist mein Dank an alle Zuschauer"

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Als Autor ein launiger Erzähler: TV-Titan Thomas Gottschalk.

München - Rechtzeitig vor seinem 65. Geburtstag am 18. Mai und noch bevor ihm der Rentenbescheid ins Haus ­flattert, hat Thomas Gottschalk seine Autobiografie geschrieben.

Seit Montag ist der Titel Herbstblond in den Buchläden dekoriert. Es sei „ein Dank an die Zuschauer“, die den TV-Titanen fast vierzig Jahre in ihr Wohnzimmer gelassen haben, erklärt Gottschalk ganz unbescheiden im Vorwort. Jedes Wort auf den folgenden 367 Seiten habe er selbst geschrieben und keinen professionellen Hilfsdichter bemüht, versichert der Entertainer. „Ich werde an meinem eigenen offenen Herzen operieren, und lasse Sie dabei über die Schulter schauen.“

Keine Sorge, blutig wird’s nicht bei den zahlreichen Geschichten, die Gottschalk aus der Erinnerungskiste klaubt – dafür umso lustiger. Er trifft den Ton, für den ihn einst Millionen Zuschauer liebten und der seine Leser aufs Beste unterhalten wird. Fast meint man, ihn vor sich sitzen zu sehen: die Beine übereinandergeschlagen mit einem spitzbübischen Lächeln auf den Lippen. Ausführlich plaudert Gottschalk über seine friedliche und gut behütete Kindheit im fränkischen Kulmbach, wo er „mit Penatencreme am Po schon im Bett lag“, während andere Kinder noch auf der Straße tobten. Blumig beschreibt er die Anfänge beim Bayerischen Rundfunk, den Durchbruch im Fern­sehen und sein Leben hinter den Kulissen von Wetten, dass..?. Es geht um Geld, Ruhm, Vergänglichkeit, Freunde und Familie. Dabei schützt Gottschalk jene, die er liebt, und geht mit allen anderen äußerst milde um.

Eine Abrechnung im Stile von Dieter Bohlen, dem Thommy in der Autobiografie „fehlende Teamfähigkeit“ bescheinigt, sucht man in Herbstblond vergeblich. Es ist ein liebevolles und warmherziges Buch geworden, gespickt mit Anekdoten, die einem die Lachtränen in die Augen treiben.

Astrid Kistner

Auszüge aus Gottschalks Biografie „Herbstblond“

Über seine Kindheit: Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern sich ­jemals gestritten hätten, und meine schlesische Sippschaft umgab uns wie eine wohlige Plazenta. (...) Wir pflegten das überkommene Familienbild der Fünfzigerjahre: Der Vati ging ins Büro, die Mutti war für Kinder und Haushalt zuständig. (...) Sie war immer da, wenn wir sie brauchten, und leider auch, wenn wir sie überhaupt nicht brauchten.

Seine schönste Erinnerung an die Heimat: Das Kulmbacher Schwimmbad, so wie ich es von früher in Erinnerung habe, ist heute noch ein Fluchtort für meine Fantasie, an den ich mich gedanklich zurückziehe, wenn ich ich mich von der Wirklichkeit bedrängt fühle. (...) Wann immer ich will, höre ich das Trampeln nackter Füße auf den hölzernen Lattenrosten, die das Becken einrahmten, und habe das Gemisch aus Sonnenöl, Chlor und Schweiß in der Nase.

Über seinen Frauengeschmack als Jugendlicher: Die höheren Töchter waren mir zu wohlerzogen, es zog mich eher zu Fleischfachverkäuferinnen und Friseusen.

Über den modischen Stil in seiner Jugend: Ich kombinierte Kram aus der kirchlichen Kleidersammlung mit ein paar Teilen, die ich mir hatte leisten können, und tat so, als sei ich modisch nicht hinterher, sondern voraus. In der Kleinstadt und mit meiner Klappe ging das. In München wäre ich ein Clown gewesen, in Kulmbach war ich ein Exot.

Über seine Anfänge beim Bayerischen Rundfunk: Wir machten großes Radio, mit kleinem Aufwand. Es gab keinen Redakteur, keinen Producer, keinen Autor. Das war alles ich. (...) Im Rückblick war dies die unbeschwerteste und beruflich glücklichste Zeit meines Lebens.

Über seine Ehe mit Thea: Wenn Thea Kinder, Haus und Hof nicht im Griff gehabt hätte, wäre es mir nicht möglich gewesen, fröhlich pfeifend durch die Lande zu ziehen. Sie gönnt mir die Zuneigung des Publikums, auch wenn diese sich manchmal im falschen Moment und in unpassender Form Luft macht. (...) Thea hat mir nie einen Karriereverzicht vorgeworfen.

Gottschalk über seine Söhne: Promi-Sprösslinge stehen unter verschärfter Beobachtung. Roman, den ein eher ruhiges Wesen auszeichnet, sah sich als mein Sohn stets einer gewissen Erwartungshaltung ausgesetzt. Ich erinnere mich, wie er mir einmal von einer enttäuschten Betreuerin zurückgegeben wurde: „Ist das wirklich ­Ihrer? Der sagt ja nix!“

Über seinen Umzug nach ­Amerika: Meine Bekanntheit hatte ­angefangen, auf mein Privatleben abzufärben. Meine Lebenswirklichkeit drohte mir wegzurutschen, ich begann mich auf die Wirkung meines Namens zu verlassen. (...) Alldem wollte ich in Kalifornien vorbeugen, wo ich meinen Namen zweimal buchstabieren musste, um dann die Reservierung im angesagten Beverly-Hills-Restaurant doch nicht zu kriegen.

Über die Kritik an „Wetten, dass..?“: Ich hatte immer ein unerschütterliches Selbstbewusstsein, und die einzige Schelte, die ich mir freiwillig abholte, war die meiner Mutter. Gleich nach der Sendung, während aus der Halle noch die Schlussmelodie zu hören war, rief ich sie an – und zwar jedes Mal, bis zu ­ihrem Tod: „Mutti, wie war ich?“

Über den Unfall von Samuel Koch bei „Wetten, dass..?“: Ich fühlte mich in einer Weise verantwortlich, die ich kaum ­beschreiben kann. Ich war so sehr zum ­Gesicht dieser ­Sendung geworden, dass ich mich auch als deren Gewissen verstand. (...) Die Tür zum Ausstieg hatte sich plötzlich geöffnet, auf die unglücklichste Art und Weise, die ich mir vorstellen konnte. Ich entschloss mich, sie zu durchschreiten.

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