„Ich rufe keine Sender an“

Thomas Gottschalk rechnet mit dem TV ab und grantelt gegen die junge Generation

Thomas Gottschalk spricht im SWR 3 Studio vor Beginn seiner Radioshow "SWR 3 Gottschalk und Zöller" ins Mikrofon.
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Thomas Gottschalk spricht im SWR 3 Studio vor Beginn seiner Radioshow ins Mikrofon.

Thomas Gottschalk ist einer der großen Entertainer, der medial auch mit 70 noch sehr präsent ist. Nun gibt er ein Abrechnungs-Interview mit dem TV.

München - Gerade erst ist er 70 Jahre alt geworden: Thomas Gottschalk. Der ehemalige „Wetten, dass...?“-Moderator gehört aber noch lange nicht zum alten Eisen, ist aktiv im Fernsehen wie eh und je - und das auf den verschiedensten Sendern. Die Corona-Pandemie machte Thomas Gottschalk dieses Jahr jedoch scheinbar sehr zu schaffen. In einem Gastbeitrag der Zeitung Bild machte er deutlich: „Für Pandemien bin ich nicht gebaut, für die Quarantäne auch nicht.“ Er vermisse die Menschen um sich herum: „Deswegen bin ich gerade etwas aus dem Flow geraten, den ich mein ganzes Leben nur als Rückenwind gespürt habe.“

Thomas Gottschalk: „Ich bin offensichtlich noch gefragt“

Dennoch: Im Interview mit DWDL stellt er klar: „Ich bin offensichtlich noch gefragt.“ Stimmt, denn gerade war Thomas Gottschalk in der Jubiläumssendung von „Verstehen Sie Spaß?“ zu sehen, am Montag Abend (21.12.2020) moderiert er die Show „2020 – Gottschalk holt’s nach“ in der ARD um 20.15 Uhr.

Thomas Gottschalk: YouTube und Instagram ist etwas für junge Leute?

Das Problem: Gottschalk fällt auch auf mit Kommentaren wie YouTube sei etwas für die jungen Leute und „Ich bin ja glücklich, wieder einmal auf einem Sofa zu sitzen, wo ich jeden Menschen kenne, der da sitzt.“ Schade, wenn man bedenkt, wie aktiv dort eine junge Zielgruppe ist, die man erreichen könnte. Moderatoren wie der 53-jährige Kai Pflaume feiert dort Erfolge; Jan Hofer, der 68-Jahre alt ist, hat Spaß auf TikTok. Beide sind auch auf Instagram sehr aktiv, Thomas Gottschalk hat dort nur einen Fan-Account. So wird immer wieder Kritik laut.

Thomas Gottschalk: „Ich rufe ja keine Sender an“

Die Aussagen „Ich rufe ja keine Sender an und frage, ob ich da nochmal auftreten darf, sondern die rufen mich an und fragen, ob ich Lust hätte“ und: „Solange es keiner besser macht, mach ich‘s halt selber. Natürlich möchte ich dem Publikum beweisen, dass ich noch weiß, wie‘s geht. Und der Nachwuchs scheint von mir was lernen zu können. Deshalb freue mich, wenn mich Joko nach einer Show anruft, in der ich bei ihm zu Gast war, und sagt: ‚Alter, das hat Spaß gemacht‘“, wirken hier wie eine leicht überhebliche Abrechnung mit dem deutschen TV.

Thomas Gottschalk möchte eine gute Quote für die Sender

DWDL fragt weiter nach: „Nehmen Sie eine schlechte Quote eigentlich persönlich?“ Thomas Gottschalk erklärt: „Nein, aber ich ärgere mich im Interesse meines Arbeitgebers. Ich möchte, dass jemand, der auf mich setzt, Erfolg hat. Wenn sich Joko Winterscheidt dafür entscheidet, mich in seiner neuen ProSieben-Show ins Panel zu nehmen, dann möchte ich, dass sich das für ihn rechnet. Das gilt genauso fürs ZDF, die ARD und RTL. Ich will das bisschen Kohle, das die noch für mich ausgeben, wert sein.“ Das Fernsehen war früher also besser in seinen Augen?

Thomas Gottschalk: Die Musik von heute ist nichts für ihn

Thomas Gottschalk findet: „Ach, das ist wie mit der Musik. Wenn ich den Namen Felix Jaehn höre, dann denke ich an einen DDR-Astronauten. Das ist gefällige Musik, die geht zum einen Ohr rein, zum anderen raus und man zuckt dabei ein bisschen. Aber kann man Jimi Hendrix mit Felix Jaehn vergleichen? Nein, kann man nicht, darf man nicht und muss man auch nicht. Ich bin allerdings froh, dass ich mit Jimi Hendrix groß geworden bin und nicht mit Felix Jaehn. Und Billie Eilish hat sicher ein ähnliches Talent wie Janis Joplin. Ich kann ihr nur wünschen, dass sie länger lebt.“ Solche Aussagen dürften nicht zu einer Versöhnung mit der jungen Zielgruppe beitragen, die einen Song wie „Ain’t Nobody (Loves Me Better)“ gerne hören. Er hielt sich 2015 immerhin insgesamt 56 Wochen in den Charts, sage und schreibe acht Wochen davon auf Platz eins. Und auch 2020 erreicht der DJ mit seinen Songs ein Millionenpublikum. (jh)

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