Sänger und Kunstfigur

Thomas Neuwirth und die Kunstfigur Conchita Wurst

Dragqueen Conchita Wurst, mit bürgerlichem Namen Tom Neuwirth, am Rande eines dpa-Interviews
+
Conchita Wurst ist eine Kunstfigur des Österreichers Thomas Neuwirth

Conchita Wurst ist bereits seit 2011 als Dragqueen in der österreichischen Travestie-Szene unterwegs. Dem Sänger Thomas Neuwirth gelang mit seiner Kunstfigur aber erst 2014 beim ESC in Kopenhagen international der Durchbruch. Alle Infos über Karriere und Privatleben.

  • Conchita Wurst alias Thomas Neuwirth begann ihre Karriere als Dragqueen in Österreich
  • Mit dem Song „Rise Like a Phoenix“ gewann sie den ESC 2014
  • 2019 nahm Thomas Neuwirth mit „Conchita“ und „WURST“ einen Imagewechsel vor

Gmunden in Oberösterreich – Der österreichische Sänger und Travestiekünstler Thomas „Tom“ Neuwirth tritt bereits seit 2011 mit seiner Kunstfigur Conchita Wurst in der Öffentlichkeit auf. In der ORF-Talentshow „Die große Chance“ belegte Conchita Wurst den sechsten Platz. Doch erst drei Jahre später gelang ihr mit dem Song „Rise Like a Phoenix“  der große Durchbruch beim Eurovision Song Contest. Lange polarisierte die Diva mit Vollbart, die sich gegen Diskriminierung und für mehr Diversität einsetzte. Im März 2019 verpasste Tom Neuwirth seiner Kunstfigur einen Imagewandel und tritt nun seitdem abwechselnd als „Conchita“ oder „WURST“ auf.

Thomas Neuwirth: Von der Boyband zum Solo-Star

Thomas Neuwirth stammt aus Gmunden in Oberösterreich und ist 1988 geboren.

Der Sohn der Gastwirte Helga und Siegfried Neuwirth ist in Bad Mitterndorf in der Steiermark groß geworden. Bereits 2006 zog es den leidenschaftlichen Sänger ins Rampenlicht. Bei der dritten Staffel der ORF-Castingshow „Starmania“ belegte er Platz Zwei, nur knapp hinter der österreichischen Soul- und Pop-Sängerin Nadine Beiler. 2007 gründete er gemeinsam mit Falco De Jong Luneau, Johannes „Johnny“ K. Palmer und Martin Zerza die „Boyband jetzt anders!“.  Die Gruppe löste allerdings noch im selben Jahr wieder auf. Die Musik-Karriere schien vorübergehend wieder auf Eis gelegt zu sein. In den Folgejahren widmete sich Tom Neuwirth verstärkt seiner Ausbildung an der Grazer Modeschule, die er 2011 abschloss. Im selben Jahr trat auch das erste Mal mit seiner Kunstfigur „Conchita Wurst“ an die Öffentlichkeit.

Thomas Neuwirth: Die Kunstfigur Conchita Wurst

Conchita Wurst“ war ursprünglich als Dragqueen konzipiert. Neuwirth erfand hierfür eine fiktive Biografie: Die Kunstfigur hat ihre Wurzeln in den Bergen Kolumbiens. Nachdem sie ihre Kindheit in Deutschland verbracht hat, startete sie ihre Karriere als Sängerin in Österreich. Neuwirth wollte mit seiner Kunstfigur auf Diskriminierung gegen Homosexualität aufmerksam machen, die er selbst in seiner Jugend erfahren hatte. Den Vornamen von Conchita bekam die Diva von einer Freundin aus Kuba. Der Nachname hätte sich laut Neuwirth ergeben, weil für ihn Aussehen und Herkunft „wurst“ sind. Daraus entwickelte sich auch das markante Erscheinungsbild von Conchita Wurst: Eine Diva mit Vollbart. Mit diesem Stilbruch wollte Neuwirth bewusst provozieren und Geschlechteridentitäten aufweichen. Gleichzeitig sollte Conchita Wurst dadurch noch mehr zur Kunstfigur werden und sich auch von anderen Travestie-Figuren absetzen. Ein Erscheinungsbild, das durch sein ungewöhnliches Äußeres anfänglich nicht nur polarisierte, sondern auch für viele Künstler sowie für die LGBT-Community zur Stil-Ikone wurde.

Conchita Wurst: Highlight beim Eurovision Song Contest

In der Öffentlichkeit trat Neuwirth in der Rolle der Conchita Wurst erstmals 2011 bei der ORF-Talentshow „Die große Chance“ in Erscheinung. Der Sänger belegte damals den sechsten Platz. Die TV-Karriere nahm somit ihren Lauf. Bereits ein Jahr später war Conchita Wurst beim österreichischen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2012 vertreten und belegte mit dem Song „That’s What I Am“ den zweiten Platz hinter „Trackshittaz“. Der Song wurde im Folgejahr auf dem Benefiz-Album „Licht ins Dunkel 2013“ veröffentlicht. Es folgten 2013 weitere TV-Auftritte im ORF („Die härtesten Jobs Österreichs) und bei RTL („Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika“). Damals bestimmten eher Trash-Formate die Medienpräsenz von Conchita Wurst. Doch dieses Image mochte sich bald ändern.

Im Herbst 2013 wurde schließlich bekannt, dass Conchita Wurst Österreich beim Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen vertreten sollte. Viele Plattenfirmen hatten sich jedoch im Vorfeld geweigert, den Song „Rise Like a Phoenix“ zu veröffentlichen, weswegen der ORF sich gezwungen sah, den Titel in Eigenproduktion auf den Markt zu bringen. Bereits im Vorfeld hatte Conchita Wurst wegen ihres Erscheinungsbildes aus osteueropäischen Ländern viel Kritik geerntet. In Russland riefen Politiker sogar zum Boykott auf. In einem Statement auf Facebook hatte Neuwirth auf die homophoben Äußerungen reagiert und „GEGEN Diskriminierung und FÜR Toleranz“ ausgesprochen.

Etwa 180 Millionen Zuschauer verfolgten am 11. Mai 2014, wie Conchita Wurst mit „Rise Like a Phoenix“ beim Eurovision Song Contest nicht nur den begehrten Sieg für Österreich holte, sondern sogar noch das viertbeste Ergebnis in der Geschichte des ESCs erzielte.

Der überraschende Erfolg sorgte für ein großes Medien-Echo. Zahlreiche Künstler-Kollegen wie der ESC-Gewinner Udo Jürgens, Julio Iglesias, aber auch internationale Stars wie Elton John, Lady Gaga oder Cher gratulierten der Diva zum Sieg. Der Gewinner-Song schaffte es in sieben Ländern unter die Top Ten und hielt sich in Österreich auf Platz eins der Charts.

Conchita Wurst: Singles und Alben

Ein Jahr nach dem Erfolg beim ESC 2014 brachte Conchita Wurst ihr Debütalbum „Conchita“ auf den Markt, dem bereits die Veröffentlichung zweier Singles („Heroes“, „You Are Unstoppable“) vorangegangen war. Kurz nach dem Release erreichte das Album Platin-Status. Im Oktober 2018 folgte das zweite Album mit dem Titel „From Vienna With Love“, das Conchita gemeinsam mit den Wiener Symphonikern aufgenommen hatte. Und im Herbst 2019 ging das dritte Album „T.O.M. – Truth Over Magnitude“ an den Start, das Tom Neuwirth bereits unter seinem neuen Namen „WURST“ veröffentlichte.

Neuwirths Imagewechsel: Früher „Conchita“, heute „WURST“

Mit seinem letzten Album, auf dem verstärkt Elektropop den Ton angab, hatte Neuwirth auch einen finalen Imagewechsel durchgezogen und seine bisherige Kunstfigur in „Conchita“ und „WURST“ getrennt. Unter dem Pseudonym „WURST“ rückte Neuwirth vor allem seine männliche Seite in den Fokus, was sich auch optisch bemerkbar machte. Statt in Perücken und Kleidern, war der Sänger nun in Fetisch-Outfits auf den roten Teppichen vertreten. So sorgte der Künstler mit Glatze und tief ausgeschnittenem Latex-Kleid für viel Wirbel beim Wiener Opernball 2019.

Heute ist Neuwirth im TV verstärkt als Moderator und Juror im Einsatz. So saß er neben Heidi Klum und Bill Kaulitz in der Jury der ProSieben-Show „Queen of Drags“. Auch in der von Stefan Raab 2020 produzierten ProSieben-Sendung „FameMaker“ verzichtet der Künstler auf sein Conchita-Wurst-Image.

Conchita Wurst: Auszeichnungen und Preise

Unmittelbar nach dem ESC-Sieg wurde Conchita Wurst mit zahlreichen Ehrungen und Preisen überschüttet. Hier ein Auszug:

  • Ehrenbürgerschaft von Bad Mitterndorf (2014)
  • „Goldener Rathausmann“ der Stadt Wien (2014)
  • „Amadeus-Awards“ als Künstlerin des Jahres sowie Song des Jahres („Rise Like A Phoenix“) und Video des Jahres („Heroes“) (2015)
  • „Romy“ für den „TV-Moment des Jahres“ (2015)
  • „Amadeus-Award“ als Künstlerin des Jahres (2016)

Conchita Wurst/Tom Neuwirth: privat

Auch in Sachen Privatleben geht es bei Conchita Wurst bzw. Thomas Neuwirth schillernd zu. So war die Kunstfigur Conchita Wurst nach eigenen Angaben zwischenzeitlich mit dem Tänzer Jacques Patriaque verheiratet. Die „Hochzeit“ der beiden fand 2011 in einer freien Zeremonie statt. Dabei handelte es sich allerdings ebenfalls um eine inszenierte Kunst-Ehe, die inzwischen wieder geschieden sein soll. Sein Privatleben hält Thomas Neuwirth dagegen gut unter Verschluss.

2018 hatte ein Ex-Freund versucht, Tom Neuwirth zu erpressen, indem er die HIV-Erkrankung des Künstlers öffentlich machen wollte. Doch Neuwirth kam dem zuvor. Auf Instagram gab er bekannt, dass er seit vielen Jahren HIV-positiv ist. Neuwirth erhielt für sein Outing jede Menge Rückenwind und Zuspruch. Wie der Homepage von Conchita Wurst zu entnehmen ist, setzt sich Tom Neuwirth heute verstärkt für Aidshilfe-Kampagnen rund um den Globus ein und unterstütz mit Charity-Events Flüchtlingshilfen.

Auch interessant

Kommentare