Nicht nur Musik

Till Lindemanns Engagement als Gedichte-Autor

Till Lindemann, Sänger der Band Rammstein, steht beim Wacken Open-Air Festival.
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Till Lindemann hat neben seiner Tätigkeit als Sänger der Band Rammstein mehrere Gedichtbände verfasst.

Der Dichter Till Lindemann veröffentlichte seine Lyrik in mehreren Gedichtbänden. Deren kontroverse Inhalte sind häufig Gegenstand von Interpretationen.

  • Till Lindemann ist ein deutscher Dichter und Sänger der Band Rammstein.
  • Der Autor hat mehrere Gedichtbände veröffentlicht.
  • Die Lyrik von Till Lindemann beschäftigt Kritiker aufgrund ihrer Gewaltthematiken.

BerlinTill Lindemann ist ein Dichter, Künstler und Schauspieler aus Deutschland, der seit dem Jahr 1991 Gedichte schreibt. Zudem ist er Sänger und Textautor der Band Rammstein. Bislang hat er vier Bücher veröffentlicht, teils als alleiniger Autor und teilweise gemeinsam mit einem Co-Autor.

Till Lindemann verwendet in seinen Gedichtbänden eine polarisierende Sprache – von bilderreich und romantisch-anachronistisch bis brachial und blutrünstig. Dabei setzt er meist ein lyrisches Ich ein, das zugleich abgründig und verletzlich ist. Der Stil seiner Werke orientiert sich an der deutschen Lyrik seit der Romantik: Es geht beispielsweise um den Körper, die Natur, Gewalt, Liebe, Einsamkeit, Schmerz und Tod. Außerdem verwendet Till Lindemann klassische Formen der Dichtung wie etwa Balladen, Volkslieder oder Abzählreime.

Till Lindemann: Lyrik in mehreren Gedichtbänden

Der Dichter und Sänger aus Berlin hat bislang die folgenden Lyrik-Bände veröffentlicht:

  • Messer (2002): In diesem Gedichtband sind kurze lyrische Werke enthalten, die der deutsche Lichtkünstler und Regisseur Gert Hof ausgewählt hat. Hauptmotiv der Anthologie ist der Gegensatz zwischen Hässlichkeit und Schönheit. Teilweise sind in den Gedichten Parallelen zu den Texten der Rammstein-Lieder erkennbar.
  • In stillen Nächten (2013): Diese zweite Anthologie von Till Lindemann befasst sich inhaltlich mit Fatalismus, Sehnsucht und Weltschmerz – aber auch Komik. Stilistisch zeigen die Gedichte Anleihen aus Expressionismus und Romantik und verwenden dabei die Motive Seefahrt, Wasser und Sog. Immer wieder geht es um den sexuellen Akt, bis hinein in grenzüberschreitende Bereiche wie Pädophilie oder Nekrophilie. Auffällig ist zudem, dass Till Lindemann den kompletten Gedichtband in alter deutscher Rechtschreibung und unter bewusstem Verzicht auf Zeichensetzung verfasst hat.
  • Die Gedichte (2015): In dieser Taschenbuchausgabe sind die Werke „Messer“ und „In stillen Nächten“ zusammengefasst. Die Motive dieser Gedichte sind unter anderem Schmerz, die Abgründe der Existenz, sexuelles Verlangen, Gewalt und Einsamkeit. Das Buch wurde von Matthias Matthies mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen illustriert.
  • Yukon: Mein gehasster Freund (2017): Diesen Bild- und Gedichtband verfasste Till Lindemann gemeinsam mit dem Extremsportler Joey Kelly. Die Bilder und Texte dokumentieren die Fahrt der beiden Autoren in einem Kanu auf einem Fluss in Alaska. Zusätzlich enthält das Buch ein Interview mit den Künstlern.
  • 100 Gedichte (2020): Dieses Buch beinhaltet Lyrik in kurzer, pointierter Form. Die Gedichte sind in einer sehr direkten und eindrücklichen Sprache formuliert. Ihre Themen sind typisch für die Werke Till Lindemanns und erinnern an seine vorherigen Veröffentlichungen.

Till Lindemann: Die Interpretation seiner Gedichte sorgt für Kontroversen

Verschiedene Kritiken der Gedichte des Rammstein-Sängers weisen auf ähnliche Schwierigkeiten in der Interpretation hin. Der Grund: Die Texte von Till Lindemann haben sehr oft allgemeine und sexuelle Gewalt zum Thema. Kritiker sind sich uneinig, ob diese sehr offensichtlich beschriebenen Handlungen noch unter die Kunstfreiheit fallen. Es wird zum Beispiel die Frage aufgeworfen, was ein lyrisches Ich darf und was Grenzen überschreitet.

Interpretationen der Gedichte von Till Lindemann identifizieren ein immer wiederkehrendes idyllisches bis prüdes Umfeld mit einer traditionellen Kleinfamilie – als Hintergrund für die Gewalthandlungen der Gedichte. Nikolai Okunew, Mitarbeiter am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, ist auf die Analyse der Schriften von Till Lindemann spezialisiert. Er gibt an, in den Texten des Dichters wiederkehrend Verletzlichkeit und Zerbrochenheit zu erkennen. Seinen Erkenntnissen nach sei zudem die Darstellung der Weiblichkeit in den Gedichten von Till Lindemann bewusst gewählt: als Kommentar zu einer defizitären Hypermaskulinität.

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