Start von Fast & Furious 7

Vin Diesel im tz-Interview: "Paul Walker war wie ein Bruder"

Vin Diesel
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Vin Diesel steht schon zum siebten Mal in einem "Fast & Furious"-Film vor der Kamera.

Los Angeles - Der siebte Teil der "Fast & Furious"-Reihe ist für Hauptdarsteller ein ganz besonderer. Nicht zuletzt wegen dem vor einem Jahr gestorbenen Paul Walker.

Zum tz-Interview für Fast & Furious 7 erscheint er mit Sonnenbrille. Das hat für Vin Diesel nichts mit cool sein zu tun, sondern mit Selbstschutz. Bei Fragen nach seinem toten Kollegen und Freund Paul Walker schießen dem sonst so taffen 47-Jährigen Tränen in die Augen.

Vin Diesel: Paul war ein ganz besonderer Mensch. Er war wie mein Bruder, der für mich da war. Immer wenn ich eine richtige Krise hatte, aus der mir keiner raushelfen konnte, rief ich Paul an. Er konnte mir helfen.

Können Sie sich noch erinnern, was Sie zuletzt zu ihm gesagt haben?

Diesel: Das geht mir nie mehr aus dem Kopf. Im Film gibt es eine Szene, wo Paul nach einem Crash zu dem Autowrack rennt, in dem ich bewusstlos liege. Nach Drehschluss habe ihm gesagt: „Wenn ich mal wirklich sterben sollte, lass alle wissen, dass wir wie Brüder füreinander waren.“ Paul hat mich umarmt. Danach haben wir uns nie wieder gesehen.

Sie haben Ihre Tochter Pauline nach ihm benannt.

Diesel:  Woher wissen Sie das? Die Geburt ist doch erst eine Woche her! Es stimmt, ich habe sie nach Paul benannt. Er hat mir nämlich vor fünf Jahren am Set von Fast & Furious 4 den wohl besten Ratschlag meines Lebens gegeben.

Walker schickte Diesel zur Geburt des ersten Kindes

Können Sie uns den verraten?

Diesel: Paul kam zu mir und wollte wissen, was mit mir los ist. Er sagte „Ich weiß, dass dich etwas bedrückt. Ich kenne dich zu gut“. Ich gestand ihm, dass die Fruchtwasserblase meiner Frau geplatzt war und mein Sohn jederzeit auf die Welt kommen könnte. Aber der Drehtag war noch nicht zu Ende, und ich konnte nicht weg. Paul hat mich regelrecht gezwungen, sofort nach New York zu fliegen, damit ich im Kreißsaal dabei sein kann. Er sagte: „Wenn du bei der Geburt hilfst, wird es der beste Tag deines Lebens!“ Und er hatte damit völlig recht.

Bei der Geburt von Pauline waren Sie jetzt wieder mit dabei?

Diesel: Genau. Als ich ihre Nabelschnur im Kreißsaal durchschnitt und diesem kleinen Engelchen ins Gesicht schaute, konnte ich nur an einen denken: Paul. Ich hatte das Gefühl, dass er bei der Geburt der Kleinen mit im Raum war. Als ich dann den Namen in die Geburtsurkunde eintragen musste, war mir total klar, was ich zu tun hatte. Also habe ich sie Pauline genannt.

Man hört Ihrer Stimme den Vaterstolz an.

Diesel: Meine Familie bedeutet alles für mich. Ich gebe und bekomme bedingungslose Liebe. Ich würde alles für meine Lieben tun, um sie zu schützen. Und Familie heißt nicht, dass man blutverwandt sein muss.

Sind Sie als Vater verantwortungsvoller und vorsichtiger geworden?

Diesel: Auf jeden Fall. Die Stunts in dem Film sind sehr gefährlich. Wenn man drei kleine Engel zuhause hat, ist man viel achtsamer. Man kann nicht mehr so leichtsinnig wie früher sein. Jetzt springe ich nicht mehr zum Spaß zum Fallschirmspringen aus Flugzeugen oder rase mit 165 Meilen pro Stunde mit meinem Motorrad durch die Gegend. Ich möchte meinen Kindern so lange es geht erhalten bleiben.

Wie ist das Verhältnis zu Ihren eigenen Eltern?

Diesel: Sehr innig. Ich arbeite hart dafür, um sie stolz zu machen. Sie haben uns Kids außergewöhnlich gut aufgezogen. Das ist unbezahlbar. Meine Stärke habe ich von meiner Mutter, die Weisheit von meinem Vater. Solange ich lebe werde ich alles tun, um Ihnen das zurück zu zahlen.

Diesel: "Als Kind hatte ich Hunger"

War Sie immer ein guter Junge?

Diesel: Haha, nicht immer. Ich habe meiner Mutter in den 70er Jahren immer die Essensmarken geklaut. Ich hatte Hunger.

Wie haben Sie das wieder gut gemacht?

Diesel: Ich zahle bis heute dafür. Sie müssten Mal meine Kreditkartenrechnung sehen (lacht). Ein Scherz. Materialismus ist meiner Mutter völlig egal. Wenn ich ihr einen Mercedes schenken würde, würde sie mich auslachen. Stattdessen fliege ich sie so oft es nur geht ein, damit sie Zeit mit den Enkelkindern verbringen kann. Das ist das Allerschönste fuer sie.

Fast & Furious hat Sie reich gemacht. Geben Sie Ihr Geld schnell aus?

Diesel: Obwohl wir in sehr armen Verhältnissen aufgewachsen sind, ist mir Geld unwichtig. Ich dachte früher, wenn ich einmal viel Knete habe, würde ich es verprassen und stolz darauf sein. Doch so ist es nicht. Ich besitze keine teuren Uhren und kaufe zerlöcherte Jeans. Ich trage nicht einmal Unterwäsche! (lacht).

Aber ein Autonarr wie Sie wird wohl einen teuren Sportwagen fahren.

Diesel: Sie werden lachen. Ich fahre zur Zeit einen Minivan. Als Vater mit drei Kindern sind die Zweisitzer-Zeiten vorbei.

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Auto?

Diesel: Ein Monte Carlo. Baujahr 1978. Ich habe ihn ersteigert, für nur 175 Dollar. Bei meiner ersten Fahrt ist die Schrottkarre nach nur 15 Minuten zusammen gebrochen.

Was würden Sie sagen, wenn sich Ihr Sohn zum fünften Geburtstag anstatt eines Autos eine Barbie-Puppe wünscht?

Diesel: Was sollte ich schon sagen? Ich würde ihm eine Barbie kaufen. Meine Engel sollen so sein, wie sie sind und dabei muss ich sie unterstützen.

"Facebook ist wie Meditieren"

Anders als viele Ihrer Hollywood-Kollegen sind Sie sehr aktiv in den sozialen Netzwerken.

Diesel: Für mich ist es wie Meditieren. Ich trete in Verbindung mit anderen Menschen und rede mit ihnen. Es ist eine sehr reine Connection. Als ich die liebevollen Kommentare zu dem Bild meiner Tochter gelesen habe, musste ich weinen.

Die Frage, die Millionen Fans von „Fast & Furious“ beschäftigt ist: Geht es weiter?

Diesel: Ich finde, wir haben für Teil 7 erst einmal einen Oscar verdient. Im Ernst. Ob es ein nächstes Kapitel gibt, ist noch nicht entschieden. Doch wenn, dann wäre ich bestimmt wieder mit dabei.

Interview: Christian Thiele/Dierk Sindermann

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