Neuerscheinung „Hardwired... To Self-Destruct“

Kritik zum neuen Metallica-Album: Spätes Statement

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Metallica bei einem Auftritt.

München - Die Zeit der Experimente ist vorbei. Mit ihrem zehnten Album „Hardwired... To Self-Destruct“ setzen Metallica auf bewährte Klänge aus drei Jahrzehnten Bandgeschichte. Eine Kritik.

Ein Album pro Jahrzehnt – auf diesen Rolling-Stones-Rhythmus scheinen sich Metallica inzwischen eingependelt zu haben. Acht Jahre nach dem gut gemeinten Death Magnetic (über die Lou-Reed-Kollaboration Lulu decken wir gnädig den Mantel des Schweigens) bescheren uns die Brioni-Metaller aus San Francisco nun also Hardwired… to self-destruct, eine „leicht zynische Annährung an die Menschheit und ihre Veranlagung zur Selbstzerstörung“, wie es Frontmann und Cheftexter James Hetfield kürzlich formulierte.

Mit Selbstzerstörung kennen sich Metallica bestens aus. Auch mit der ihres künstlerischen Denkmals, das spätestens 2003 mit dem kruden St. Anger bedenkliche Risse bekam. Death Magnetic markierte 2008 als Reaktion darauf das Ende der Experimente. Problem nur: Die Rückbesinnung auf die Großtaten der 80er geriet über weite Strecken zum langatmigen Selbstplagiat. Selten hatte Begeisterung eine geringere Halbwertszeit.

Sound dynamischer, aber...

Besser stehen die Chancen beim neuen Werk. Der Sound ist weniger komprimiert und klingt dadurch dynamischer als auf dem Vorgänger, auch auf übermäßiges Riff-Wiederkäuen haben Metallica weitestgehend verzichtet. Dennoch hat höchstens die Hälfte des neuen Song-Dutzends die Klasse und Tiefe, um von einer echten Bereicherung für den dreistelligen Lieder-Katalog sprechen zu können.

Dazu gehört das eröffnende Titelstück, das zwar frappierend an sein Death Magnetic-Pendant This Was Just Your Life erinnert, aber mit seiner punkig-thrashigen Wucht überzeugt. Dazu gehört auch der ähnlich gelagerte Rauswerfer Spit Out The Bone, dessen Metal Militia/Whiplash-Sperrfeuer Trommelveteran Ulrich einen Werbevertrag im Sauerstoffzelt-Business bescheren sollte.

Der größte Hit ist Metallica indes eindeutig mit Moth Into Flame gelungen. Rhythmus und Riffs lassen Fuß und Nacken sofort mitwippen, die Melodien treffen souverän ins Wohlfühlzentrum. Ja, dieses Prachtstück hätte auch auf dem schwarzen Album eine ausgezeichnete Figur gemacht. Womit wir allerdings auch beim Hauptproblem dieses neuen Doppeldeckers wären: der allzu großen Anlehnung an den Millionenseller von 1991.

Metallica kein reiner Nostalgie-Act

Das neue Album.

Während sich die Querverweise zu Enter Sandman, Sad But True und Wherever I May Roam auf der ersten CD (oder Vinylscheibe) noch recht schlüssig mit Master Of Puppets-Referenzen ergänzen, können Metallica ihre Ideenlosigkeit im zweiten Teil des Albums kaum mehr kaschieren. Confusion geht gerade noch als gut durch, die Trujillo-Co-Komposition ManUNkind hat zumindest ein paar interessante Taktverschiebungen vorzuweisen. Bei Am I Savage? und Murder One (Lemmy-Tribut) hilft dann aber auch kein Schönhören mehr. So viel Speed hätte sich selbst der Meister selig nicht einwerfen können, um diese Gähn-Veranstaltung offenen Auges zu überstehen.

Und trotzdem: Hetfields Aussage, er und seine Mitstreiter fühlten sich durch das Schreiben neuen Materials „relevant“, klingt heute plausibler als noch vor acht Jahren. Metallica haben mit ihrem zehnten Album die Gefahr gebannt, zum reinen Nostalgie-Act zu verkommen. Hardwired… to self-destruct ist das Statement, das Death Magnetic hätte sein sollen.

Ludwig Krammer

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