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tz-Nachruf zu Bowie: Er ist jetzt Sternenstaub

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Von: Klaus Rimpel

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David Bowie, Krebs, tz-Nachruf
David Bowie starb im Alter von 69 Jahren. © dpa

München - David Bowie ist tot. Der Musiker starb am Montag nach seinem Krebsleiden. Ein tz-Nachruf auf den Star von Klaus Rimpel.

Was für ein Abgang! David Bowie zeigte auch in seinem Kampf gegen den Krebs Stil: An seinem 69. Geburtstag am vergangenen Freitag erschien seine letzte Platte, die von vielen Kritikern als Geniestreich bejubelt wurde. Drei Tage später erfahren wir: Ziggy Stardust ist Sternenstaub … Blackstar – schwarzer Stern, so der düstre Titel des neuen Albums, war offensichtlich als Vermächtnis geplant.

Bowie ist „nach einem mutigen 18-monatigen Kampf gegen den Krebs im Kreis seiner Familie friedlich verstorben“, teilten seine Frau, das aus Somalia stammende Model Iman (60), seine Tochter Alexandria Zarah (15) und sein Sohn aus erster Ehe Duncan Zowie Haywood Jones (44) mit. Seine Ex-Ehefrau Angie Bowie wurde zunächst nicht über seinen Tod informiert: Sie nimmt derzeit an der britischen Fassung des Promi-Big-Brother teil, wo die Teilnehmer keinen Zugang zu Medien oder zu ihrer Familie haben.

Seine Krankheit, dem Vernehmen nach Leberkrebs, hatte Bowie vor der Öffentlichkeit verborgen. Das Album Blackstar, mit dem sich das Genie wieder einmal neu erfunden hatte, war Bowies Abschiedsgeschenk an uns, seine Fans. Es ist schwierige, vom Jazz beeinflusste Musik. Bowie, der sein Leben lang wie ein Chamäleon in verschiedenste Rollen geschlüpft ist, hat sich auch am Ende noch einmal eine neue Verkleidung übergestülpt.

Begonnen hatte alles mit diesem Klagelied aus dem Weltall: Ground control to Major Tom…: Der Song Space Oddity von 1969 war eine Offenbarung – und der Start einer beispiellosen Karriere als Musiker, Sänger, Produzent, Schauspieler und Maler. Bowie, der bürgerlich David Robert Jones hieß, verkaufte in den fünf Jahrzehnten seiner Karriere mehr als 140 Millionen Tonträger.

Der am 8. Januar 1947 im Londner Stadtteil Brixton geborene Brite war stilprägend: Anfangs in schrillen, androgynen Kostümen war er die Speerspitze des Glamrock, in seiner Berliner Zeit 1976 bis 1979 experimentierte er mit Brian Eno mit elektronischer Musik. Mal waren die Klänge seiner Musik sphärisch-entrückt, mal (in den 80ern) hitparadenträchtiger Funk und Blues (Let‘s Dance).

Diese ständigen Veränderungen waren aber mehr als nur Pose fürs Geschäft. Wenn er sich veränderte, veränderte sich seine Musik mit ihm: So litt Bowie, der selbst fast an Kokain zugrunde gegangen wäre, darunter, dass Christiane F. in „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ beschrieb, dass sie sich ihre erste Heroin-Spritze ausgerechnet bei einem Berliner Bowie-Konzert gesetzt hatte. Deshalb war es Bowie wichtig, bei der Verfilmung 1981 mitzumachen – wo er auf Deutsch seinen Hit Heroes/Helden singt: „Dann sind wir Helden, nur diesen Tag.“ Es sind Filmszenen, bei denen man auch beim Wiedersehen nach 34 Jahren noch Gänsehaut bekommt. Nur ganz wenige Menschen wussten von Bowies Krankheit – sein langjähriger Produzent und enger Vertrauter Tony Visconti etwa. „Dennoch war ich nicht darauf vorbereitet. Er war ein außergewöhnlicher Mann, voller Liebe und Leben. Vorerst ist es angebracht zu weinen.“

Und sogar das Weltall weint mit Major Tom: Der britische Astronaut Tim Peake meldete von der Internationalen Raumstation ISS aus: Auch wir hier oben sind traurig...

Bowie als Schauspieler

Er war nicht nur ein Pop-Star: David Bowie hat auch als Schauspieler

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Bowie als Schauspieler. © obs/Arte

Filme hinterlassen, die weit mehr als nur leicht verdauliche Massenware waren. Seine erste Rolle war seine beste: 1975 spielte er in Nicolas Roeg Science-Fiction-Film den Mann, der vom Himmel fiel. Der rätselhafte

Außerirdische mit der kalkweißen Haut: Bowie erzählte später, er habe mit dieser seltsamen Rolle eigentlich nur sich selbst gespielt. Bowie war zur Zeit der Dreharbeiten schwer kokainsüchtig.

1979 spielte er in dem deutschen Film Schöner Gigolo, armer Gigolo einen Homosexuellen im Berlin der Nazi-Zeit. Sein erfolgreichster Film war 1983 Nagiso Oshimas Anti-Kriegsfilm Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence. Danach sah man den Schauspieler Bowie nur noch in Nebenrollen, etwa in Die letzte Versuchung Christi als Pontius Pilatus.

Die Berliner trauern

Mit seinem legendären Song Heroes hat David Bowie der einstigen

Berlin, David Bowie, Tod
Menschen in Berlin trauern um den Musiker David Bowie. © dpa

Mauerstadt Berlin weltweit ein Denkmal gesetzt. In den 70er-Jahren verbrachte der britische Superstar hier eine seiner kreativsten Zeiten. „In dieser Stadt kann man sich leicht verlieren, man kann sich aber auch selbst wieder finden“, sagte er einmal. Bowie war 1976 an einem Wendepunkt seines Lebens in die Stadt gekommen. Nach einem kometenhaften Aufstieg in den USA und dem Zerwürfnis mit seinem Manager war er ausgebrannt, kokainsüchtig und pleite. Die Anonymität der Großstadt, die Spannung im geteilten Berlin mit seiner quirligen Kreativszene gaben ihm neuen Halt. Die berühmte Berliner Trilogie mit den Alben „Low“ (1977), Heroes (1977) und Lodger (1979) entsteht. „Erstmals seit Jahren empfand ich Lebensfreude und ein großartiges Gefühl der Befreiung und Heilung“, sagte er später.

Angefangen hatte es mit einem kalten Entzug in der Wohnung von Tangerine-Dream-Gründer Edgar Froese. Später zieht er mit seinem US-Freund Iggy Pop in einen unscheinbaren, etwas heruntergekommenen Altbau im West-Stadtteil Schöneberg, Hauptstraße 155. Vor diesem Haus versammelten sich gestern zahlreiche Bowie-Fans, legten Blumen nieder – und diskutierten darüber, was nun wirklich das genialste Album des Pop-Genies war.

David Bowie: Die Highlights seines Lebens

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