Motörhead-Sänger Kilmister ist tot

tz-Reporter: Lemmy gab mir einen Whisky aus

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Lemmy und tz-Reporter Krammer beim Interviewtermin 2012 im Zenith.

München - Lemmy Kilmister wird der Rock-Gemeinde fehlen. tz-Reporter Ludwig Krammer erinnert sich an die Begegnung mit dem verstorbenen Motörhead-Frontmann.

Da liegt er. Niedergestreckt von Gewehrkugeln. Auch den Elektrischen Stuhl muss unser Outlaw noch über sich ergehen lassen, ehe die Rock’n’Roll-Trauergemeinde an seinem Grab Abschied nehmen darf. Abschied?

Ha! Von seinem Chopper grinsend donnert Lemmy aus dem Grab. Knackarsch-Freundin hintendrauf, ab Richtung Spaß. Mit Verlaub, Gevatter Tod, aber du kannst uns mal!

Ja, so hat sich das zugetragen im Video zu Killed By Death. Ende der Achtziger habe ich den Clip zum ersten Mal gesehen, schätzungsweise bei Hard’n’Heavy auf Tele 5. Metal war damals für viele noch ziemlich bäh. Obwohl Motörhead ja gar kein Metal sind, wenn’s nach Lemmy geht. Oder waren...

Jetzt soll er also wirklich tot sein, der größte aller harten Rock’n’Roller? Das letzte Urvieh, das bis zuletzt im Tourbus hauste, anstatt wie Mick Jagger & Co. einen Lebensabend unter fünf Sternen zu verbringen.

Lemmy Kilmister: Sein Tod war keine Überraschung

Nein, die Nachricht war kein Schock im Wortsinne. Wer die Konzerte und Bilder der letzten Monate gesehen hat, den abgemagerten, müden Lemmy, der wusste, dass dieser letzte Tag nicht mehr allzu fern sein würde. „Wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen, um unseren Schock und unsere Traurigkeit auszudrücken, uns fehlen die Worte. Aber für den Moment: Spielt Motörhead laut, spielt Hawkwind laut, spielt Lemmys Musik laut. Genehmigt Euch einen Drink oder mehrere“, ließen Motörhead-Gitarrist Phil Campbell und Drummer Mikkey Dee in einem ersten Statement verlauten. „Teilt die Geschichten über ihn. Feiert das Leben, das dieser liebenswerte, wunderbare Mann selbst nach Kräften gefeiert hat. Er würde genau das wollen.“

So war Lemmy Kilmisters letztes Konzert in München

Verneigungen und pathosgeschwängerte Lobgesänge hingegen waren Ian Fraser Kilmister stets ein Gräuel. Am Heiligabend 1945 im englischen Stoke-on-Trent als Sohn einer Bibliothekarin und eines Feldkaplans der Royal Air Force geboren (der die Familie früh im Stich ließ), war der Rock&Roll wie ihn Bill Haley, Little Richard oder Eddie Cochran spielten, das, was den heranwachsenden Lemmy neben dem weiblichen Geschlecht am meisten faszinierte. Und da sich mit einer Gitarre leichter an die Mädels kommen ließ, war das Ziel schnell klar. Über die Rockin’ Vickers, Sam Gopal und einige andere Kapellen kam er zu Hawkwind, wo er 1971 von der Gitarre zum Bass wechselte, ohne die Technik groß zu verändern. Der Rauswurf führte 1975 schließlich zur Gründung von Motörhead, benannt nach dem letzten Song, den Lemmy für Hawkwind geschrieben hatte. Der Rest ist Legende.

Interview mit Lemmy: Zum Abschied eine Flasche Slyrs

Ich hatte die Ehre, Lemmy im Dezember 2012 zu einem Interview im Münchner Zenith zu treffen. Über seine langjährige Tourmanagerin Ute Kromrey kam der Kontakt zustande und es war ein ziemlicher Tiefschlag, als mir die Frau zur vereinbarten Zeit eröffnete, dass sich Lemmy nicht gut fühle und das Interview gerne verlegen würde. Verlegen? „Keine Angst, ich hab ihm gesagt, er soll sich jetzt eine Stunde hinlegen, dann geht’s schon.“ Gesagt, getan. Lemmy begrüßte mich freundlich in seiner Garderobe, mixte mir einen Jack-Daniels-Cola und bot mir eine Marlboro an. Aus den vereinbarten 20 Minuten wurden schließlich 40, zum Abschluss schenkte ich ihm eine Flasche Slyrs, Schlierseer Whisky, den er ungläubig musterte und alsbald eine Rückmeldung versprach. Die kam noch in derselben Nacht per SMS von Ute Kromrey aus dem Tourbus: „Ich soll von Lemmy ausrichten, dass er hervorragend war! Beim nächsten Mal gerne wieder ;-)“

Cheers, Lemmy, wo immer du jetzt bist!

Ludwig Krammer

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