1. tz
  2. Stars

Urban Priol im tz-Interview über 2016, Oldtimer und TV-Pläne

Erstellt:

Kommentare

München - Urban Priol kommt am 6. November am ins Münchner Lustspielhaus. Im Dezember gibt’s dann Priols Jahresrückblick auch im TV. Wir unterhielten uns mit dem 55-Jährigen.

Was war in letzter Zeit nicht so alles los! Mit Urban Priol und seinem Monatsrückblick Tilt! am 6. November im Lustspielhaus kann man das Revue passieren lassen. Im Dezember gibt’s dann Priols Jahresrückblick auch im TV. Sonst sieht man den fränkischen Kabarettisten dort seltener, nachdem die Sendung Ein Fall fürs All nach drei Folgen eingestellt wurde. Wir unterhielten uns mit dem 55-Jährigen.

Herr Priol, in einem Satz: Wie war bisher das Jahr 2016?

Urban Priol: Sehr anstrengend, aber auch spannend.

Für Kabarettisten gilt: je schlimmer, umso besser?

Priol: Ich brauche kein Jahr wie 2016. Ständig gab es Dinge, die sich widersprochen haben. Da sagt die Kanzlerin vor der Gewerkschaft, dass derjenige, der vor Altersarmut warnt, das Geschäft der AfD betreibt. Und am gleichen Tag erscheint ein Report aus ihrem Haus, der die Ausmaße der Alters­armut offenbart.

Ist in Zeiten einer Großen Koalition die Arbeit der Kabarettisten besonders gefragt?

Priol: Ich denke schon. Bei einer Großen Koalition gibt es mehr zu kommentieren, weil von der Politik alles glattgebügelt wird. Man könnte jeden Tag einen Rückblick machen.

Sie wollten mal Lehrer werden. Ist der Beruf des Kabarettisten ähnlich?

Priol: Oje, dieses dunkle Kapitel … Nein, ich wollte nie auf die Bühne und sagen: So, jetzt Federmäppchen weg, wir schreiben eine Probe! Im Vordergrund steht immer die kritische Unterhaltung. Lehrer sind mir oftmals zu humorlos.

Sind Sie deshalb Kabarettist geworden?

Priol: Das war einer der Gründe. Ich konnte in der Schule Lehrer als Obrigkeit ohnehin nie akzeptieren.

Machen Sie auch Programme speziell für Jüngere?

Priol: Ja, immer wieder, etwa in der Universität. Es ist schön zu sehen, dass Jugendliche wieder beginnen, sich für den politischen Diskurs zu interessieren. Meine Tochter ist jetzt 22. So allmählich verstehen sie, dass die heutigen politischen Entscheidungen gerade sie betreffen. Wenn Schäuble seine Schwarze Null verfolgt, klingt das erst mal gut. Aber was er heute spart, geht auf Kosten der Zukunft der Jugendlichen. Meine Generation ist da schon durch. Wir hatten jetzt zehn Jahre Merkel-Mehltau. Da war alles prima, es war die Ära der Besitzstandswahrung. Das ist vorbei.

Gibt es den Jahresrückblick eigentlich auch im Fernsehen?

Priol: Am 21. Dezember im ZDF. Bei 3sat gibt es ein paar Tage später die längere Fassung.

… und die ist knapp drei Stunden lang. Das klingt anstrengend – hilft Ihnen da die Routine?

Priol: Die kann schon in manchen Situationen auf der Bühne helfen. Andererseits: Es darf nie zur Routine werden. Es muss immer frisch bleiben und Spontaneität zulassen. Ich bin noch immer vor jedem Auftritt aufgeregt.

Geht die Spontaneität beim Fernsehen nicht verloren?

Priol: Nein, wir haben immer bis kurz vor Drehbeginn an den Texten geschrieben. Der zeitliche Rahmen ist halt enger.

Sie haben sich im TV rar gemacht. War die Erfahrung mit „Ein Fall fürs All“ so bitter?

Priol: Nein. Ich genieße diese Arbeit nach wie vor – ebenso wie die auf der Bühne.

Gibt’s Pläne fürs TV?

Priol: Wir sind sehr am Planen. Aber etwas Konkretes gibt es noch nicht.

Stimmt es eigentlich, dass Sie gerne alte Autos sammeln?

Priol: Ja, ich habe ein paar schöne Oldtimer. Ich bin ein großer Freund von Dingen, die man reparieren kann.

Sind das nicht Dreckschleudern?

Priol: Die meiste Energie wird bei der Herstellung und Entsorgung von Fahrzeugen verbraucht. Ein Auto müsste mindestens 30 bis 35 Jahre gefahren werden, damit die Bilanz stimmt. Meinetwegen muss keiner ein neues Auto bauen (lacht).

Was lieben Sie an den Fahrzeugen?

Priol: Es macht Spaß, sie zu fahren, und sie machen genau das, wofür sie gebaut wurden. Sie bringen dich von A nach B – ohne Bluetooth oder Computer. Und ich mag das Design, vor allem das der 60er und 70er. Die schrillen Farben, oder das Polster im Paisley-Muster.

Passt ja auch zu Ihren Hemden …

Priol: Ich habe mal meine Tochter von der Schule abgeholt in einem froschgrünen Triumph und trug dabei ein orangefarbenes Hemd. Was für eine Kombination! Meine Tochter bat mich, sie nie wieder abzuholen.

Antonio Seidemann

Auch interessant

Kommentare